• Das Leben der Anderen

    August 25, 2025 in Serbia ⋅ ☀️ 20 °C

    Heute Morgen nehme ich unseren Übernachtungsort noch einmal anders wahr. Gestern sind wir über eine alte, antike Pflasterstraße dorthin gelangt – eine Allee, die wirkt wie ein stiller Wächter vergangener Zeiten und in mir die Neugier weckt: Wer mag hier wohl schon entlanggegangen sein? Welche Gefühle haben ihre Spuren hinterlassen?
    Stille – ein langer Feldweg zwischen zwei Erbsenfeldern, so ruhig, dass die Ruhe fast laut wird.

    Der Tag beginnt sanft: mit Kuscheleinheiten meiner Jungs und meinem liebsten Mann, der heute tatsächlich einmal etwas länger im Bett bleibt. Wir entscheiden uns für ein wenig Sport, als es zum Yoga kommt, bin wieder nur ich auf der Matte. Nach der Dusche und einem kleinen Frühstück geht die Fahrt weiter, Schritt für Schritt Richtung Griechenland.

    Doch unterwegs blinkt die gelbe Motorlampe auf. Wir nehmen einen kleinen Umweg und steuern die nächste Mercedes-Werkstatt an. Kurz vor Feierabend angekommen, schaut ein sehr freundlicher Servicemitarbeiter nach dem Wagen und erklärt, dass der Turbolader zu wenig Druck hat. Er vertröstet uns auf morgen früh um acht Uhr, verabschiedet uns mit einem Lächeln, sagt noch etwas Nettes über den Camper und wünscht uns einen schönen Abend.

    Nun stehen wir in der Nähe der Werkstatt, zwischen drei Bäumen, umgeben von endlosen Maisfeldern.

    Wir kochen uns etwas zu essen, sitzen der Sonne entgegen, atmen durch – und sind froh, zumindest einen Termin für morgen zu haben. In der Hoffnung, dass sich das Problem lösen lässt.

    Und doch begleitet mich noch immer ein Gedanke aus dem gestrigen Abend: der Film „Das Leben der Anderen.“ Mir wird einmal mehr bewusst, dass wir nicht festgelegt sind. Dass jeder Mensch die Möglichkeit trägt, sich zu verändern – zum Besseren, manchmal auch zum Schlechteren. Und dass es oft die Menschen um uns herum sind, die diese Seiten in uns hervorbringen.

    Vielleicht ist es auch genau das, was diese Reise mir spiegelt: Begegnungen und Situationen zeigen uns unsere Grenzen, manchmal ganz praktisch – wie eine blinkende Lampe. Andere wiederum schenken uns Weite – wie die Freundlichkeit eines Fremden oder die Stille eines Abends zwischen Maisfeldern.
    So wird mir bewusst: Wir dürfen wachsen. Wir dürfen neu werden – durch das Leben der anderen und durch die kleinen Prüfungen und Geschenke des eigenen Weges.

    „Gestern war ich klug und wollte die Welt verändern. Heute bin ich weise und ändere mich selbst.“
    – Rumi
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