• Fleisch. Messer. Geil.

    November 26, 2025 in Kenya ⋅ ☁️ 19 °C

    Wo wir so nichtsahnend in den Tag hineincruisen, fällt uns irgendwann plötzlich auf, dass diese Gegend hier nordwestlich des pompösen Hügels ziemlich anders als seine Ostseite ist. Irgendwie fühlt sie sich heimischer und wohliger an. Aber warum ist das so? Zum einen ist die Topografie weniger durch Abflusstäler zerklüftet und dadurch "glatter", zum anderen umgeben uns hier bei genauerer Betrachtung schöne, ordentlich eingezäunte Äcker und Weiden. Zusammenhängendes Farmland quasi. Mit Baumreihen, Gattern – und ohne Menschen. So richtig europäisch! Ist das jetzt Fortschritt? Ist das jetzt gut? Oder eher ungut? Wir stoppen an einem Außenposten mit lokalen landwirtschaftlichen Produkten und Fressstationen, um dieser Sache auf den Grund zu gehen.

    Uns wird argumentiert, dass im Großteil Kenias durch kleinteilige Parzellierung eher kein ertragreiches large-scale-Farming möglich ist, wohingegen das zusammenhängende Kisima-Farmland diese Gegend dafür prädestiniert ist! Nun gut. Klingt ein wenig nach kolonialhistorischer Überheblichkeit, aber bestimmt sorgt man hier für unzählige Arbeitsplätze bei ausschließlich organic Farming und keinerlei Massentierhaltung 😉. Letzterem gehe ich ebenfalls auf den Grund. Wir erhalten persönliche Fleischberatung mit Anfassen. Ich darf zwischen unterschiedlichen Körperteilen des Tieres wählen und entscheide mich für ein kleineres T-Bone-Steak vom Grill. Ein gönnhafter Tag! Ich glaube, ich hatte noch nie ein T-Bone, aber dieses hier ist ordentlich marmoriert, zartschmelzend und subjektiv gut ✔️.

    Im attraktiven Mzungu-Shop nebenan tanzt Blauschimmelkäse im Kühlregal und die ersten Tütchen lokalen Westseitenkaffees blitzen auf. Alles einstauen! Etwas naiv bleibe ich an einer Vitrine verschlossener Edelmesser stehen. Was zur Hölle? Unweit von hier von Mountain Bush Knifes geschmiedet, aus Carbonstahl mit schönen Griffhölzern. Die sehen ja mal archaisch und nice aus. Hmm, das Santoku für 330 € liegt auch noch gut in der Hand. Kranker Preis. Einstauen? Erstmal nicht ...

    Verdammt. Hätte ich es mal eingestaut! Beim Weiterfahren lässt mich die Messerfantasie nicht mehr los. Wie hauchdünn ich damit den Knoblauch bloß hobeln könnte! Wir fahren direkt bei der Messerschmiede vorbei. Leider keiner anwesend, da alle schon auf dem Christmas Fair in Nairobi. Auf dem weiteren Weg halten wir bei noch zwei weiteren solcher Mzungu-Edelshops in Nanyuki, um in verschlossene Vitrinen zu lugen. Leider nirgendwo solch ein Santoku dabei! 🤬
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