• Ziel erreicht: Kapitänsrestaurant

    12.–13. jun., Letland ⋅ ☀️ 16 °C

    Gegen 1900 radle ich in die Stadt ein, die sich ewig zieht. So richtig was zu sehen gibt es eher nicht, aber ich tingele zumindest der Nase nach durch nette Wohnbereiche mit älteren Holzhäusern und deutschen Autos davor. Erinnert mich architektonisch alles ein wenig an Tjumen in Westsibirien.

    Im hübschen Kapitänsrestaurant gönne ich mir bei schräger Sonne Knoblauchbrot und den Kapitänsburger. Kurz darauf erscheint ein weiterer Fernradler. Nach kurzer Zeit treffen sich unsere Blicke, als er mir nen guten Appo wünscht. Er hat unabhängig von mir anscheinend auch das Knobibrot geordert. Er setzt sich zu mir. Er hat auch das gleiche rote Handy wie ich. Und er fährt auch einen roten Mountainbike-Rahmen 🥰. Er hat auch die gleichen Schuhe. Und, er ist gerade eben mit der Fähre angekommen, mit der ich gleich ablegen werde. Aber, er hat 5 Wochen statt nur 8 Tage Radelzeit für Lettland/Estland 😂. Er ist irgendwo 20 Jahre älter als ich, aber uns verbindet auf Anhieb dieselbe Mentalität. Wie ich solche Reisezufallstreffer liebe!! Gemeinsam fluchen wir ein wenig über Klickschuhe, denn er hatte sich vor paar Jahren in Ungarn auch direkt am ersten Tag überanstrengt, mit Achillesproblemen und Muskelriss in der Wade 😳. Wir könnten noch stundenlang philosophieren, aber ich muss leider zum Checkin 😊.

    Ich vergaß, dass diese Fährverbindung eine reine Cargo-Strecke ist und die Fähre dementsprechend lustlos konfiguriert ist: Ein Sitzbereich mit Sportfernsehen, 4 Sorten Bier, ein Restaurant, ein kleiner Shop für maximal 2 Trucker gleichzeitig, that's it. Beim Beziehen meiner geteilten Kabine darf ich wieder etwas von meinem eingerosteten Russisch auspacken und werde direkt mit einem lettischen Wodka aus nem Jägermeisterglas begrüßt 😅.

    An Deck der pure Sonnenuntergangsgenuss zur einen Seite und zur anderen Seite eine tolle Wolkenfront, bzw. eher Wolkenrückseite, weil sich unsere Kaltluft gerade darunter schiebt? Mit dem Fernglas beobachte ich die ebenfalls heutige Flugshow über dem Militärflugplatz und bin erstaunt von seltsam aufsteigenden Rauchringen, die erst wie ein Insektenschwarm aussehen und sich dann sehr weit oben auflösen. Wir legen ab.

    Zahlen und Fuckten:
    - 8 Tage Radelzeit
    - heute 108 km
    - insgesamt 732 km
    - 0 Unfälle
    - 0 Pannen
    - 0 Zecken
    - 7-10 Mücken
    - viel Kvass
    - jeden Abend Fluss, See, Dampfbad oder Dusche
    - jeder Dauerregen ist sofort vergessen, sobald die erste Sonne wieder scheint

    Die letzte Erkenntnis ist – denke ich – auch auf viele andere Lebenslagen übertragbar. ☀️
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