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135th OGC Member Meeting

Dienstausflug nach Helsinki zum 135. Member-Meeting des OGC. Zurück geht es radelnd durch Estland und Lettland. Read more
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    🇫🇮 Helsinki, Finnland

    Selektiver Öldiebstahl

    June 1 in Finland ⋅ ☁️ 17 °C

    Das im nahen Osten mit diesen ganzen Mineralöllieferschwierigkeiten kann ja durchaus als negativ bezeichnet werden, aber ist das ein Grund, mir mein winziges Döschen Ballistol-Öl aus der Satteltasche zu klauen?? Als ich morgens zum Radl gehe, um zum Campus zu flitzen, sehe ich direkt von weitem, dass an meiner Rahmen- und Satteltasche jemand zugange war: Reißverschlüsse auf, das ist nicht Michi-typisch. Trotz eingezäuntem Abstellort hinter verschlossenem Stahltor hat also jemand mein Ölchen und mein fuckin' Flickzeug geklaut. Beides hatte ich noch dazu in eine löchrige, stinkende Socke gesteckt – mit zwei (benutzen) 1x-Gummihandschuhen und zerschnittenen Felix-Unterhosenfetzen für etwaige Bastelzwecke angereichert. Und warum hast du klauender Arschpup mein Rücklicht, meinen Leatherman, mein Kettennietwerkzeug, die Reifenheber und die Innensechskantschlüssel in derselben Satteltasche zurückgelassen? Doof oder wat? Der Menschheit ist nicht zu helfen 🙄.

    Abends nach dem ersten Meeting-Tag streunere ich wieder fußläufig durch die Stadt. Ich bin etwas außerhalb von dem unterwegs, was man geläufig als Innenstadt bezeichnen würde. Umso mehr gibt es hier zu entdecken. Es macht einfach Spaß, das Menschentreiben und die mit jedem Stadtteilnamen wechselnde Architektur zu inspizieren. Mein Heim4tel Vallila gefällt mir echt gut und ich hab zwei richtig urige Weinbar-Kaffeekneipen mit
    guter Musik direkt umme Ecke. In Kallio entdecke ich eine tolle Sauna mitten im Wohnblock. Sehr verlockend, aber leider mit rentnerischen Öffnungszeiten. Sehr viele breite Plätze und weite Straßenzüge. Alles etwas hügelig mit netten Weitblickgelegenheiten. Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass Wohnblocks gerne um herausragende Felsenzüge herum gebaut sind, von denen aus man wunderbar der nie untergehenwollenden Sonne mit einem Kaltgetränk entgegenblinzeln möchte.

    So oder so ähnlich setze ich es in die Tat um. Der Supermarkt glänzt mit einer erfrischend riesigen Auswahl lokalgebrauter und starkaromatischer Hopfenbiere: IPAs, APAs, NEIPAs, Hazy Ales, Summer Ales – alles auch in alkoholfreien Varianten. Mega. Ich staue ein, was noch in meinen Leinenbeutel passt und begebe mich an irgendein Wasser. Hier kommt wieder die nordländische Sonnenliebe in mir hoch, die ich anscheinend lange vermisste habe: unendlich laaaaange Sonnenuntergänge. Über dem Wasser dann auch noch zweifach. Die frischen Blätter des Baumkrönchens über mir glühen in einem Doppelgrün, wie man es daheim nie zu Gesicht bekommt. Um 2200 immer noch Dualsonne im Gesicht. Die studentische Jugend sitzt neben mir und löst Kreuzworträtsel. Die Pfandsammler haben's besser als bei uns: Zwar nur 15 Cent pro Dose, dafür trinkt hier irgendwie niemand aus Flaschen.

    Um 2248 sind die Bauarbeiter auf einer der Hauptstraßen immer noch aktiv am Werkeln, am Fräsen, am Teeren. Es ist ja noch nicht dunkel! Nach meiner 2-stündigen Herumsitzung sieht dieselbe Straße schon komplett anders aus. Davon könnte man sich in DLand mal etwas abschauen. Ich wette, die verlegen hier ne Kanalisation innerhalb von 2 Wochen neu. Bei uns in Braunschweig dauert sowas erst 1 Jahr für einen Abschnitt von weniger als 500 Metern, bis ihnen auffällt, dass alles nochmal aufgerissen werden muss und weitere 1,5 Jahre oben drauf kommen (kein Witz!).

    Vor dem Schlafen stecke ich einen Schokoriegel in meine Satteltasche und schließe den Reißverschluss wieder.
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  • Von Fliederbeeren und Mehlkastanien

    May 31–Jun 4 in Finland ⋅ ☁️ 14 °C

    Die Krähen sind hier genauso grau wie in Berlin, aber grauer als die schwarzen in meinem Brauni-Braunschweig. Karstens These stimmt.

    Eine weiße Möve tippelt mit ihren unproportional kurzen Beinchen hochfrequent vor mir auf dem Gehweg her und schaut nach hinten immer zu mir rüber. Will sie mich veräppeln? Kann die nicht wie jeder andere Vogel auch "normal" laufen? Tun Vögel nicht eigentlich eh für gewöhnlich fliegen 🤔?

    Hmm. So streunere ich abends durch die Gassen. Architektonisch erinnerten mich beim Hereinradeln zumindest außerhalb der Innenstadt einige Bauten dann doch an harten Ostblock: Niedriger Blockbeton, aber mit irgendeinem frischen Charm und eigener Interpretation.

    Meine Wohngegend "Vallila" hingegen scheint jedenfalls auch hip zu sein. Überall zwischen den schnuckelig-bunten Holzhäuschen hineingequetscht blühen und duften gerade Flieder, Mehlbeere und Kastanie. Und plötzlich stehe ich in einem Minipark aus kleinen Weißdornbäumchen. Sie müffeln zwar etwas, sind aber furchtbar hübsch 🥰. (Wenn ich groß bin, möchte ich heimlich ein Waldschrat in einem Weißdornwäldchen sein 🤫.)

    Verwundert beobachte ich, wie ein bierkastengroßer, autonomer Delivery-Bot mit rotem Fähnchen am Zebrastreifen eher mühevoll die Straße zu queren versucht. Mit seinen 4 (ungefederten?) Rädchen hüpft er noch etwas steif die unzureichend abgesenkte Bordsteinkante hinauf, aber hey, er kommt voran! Die Supermärkte und einige Imbisse dispatchen solche Dinger hier gelegentlich. Auf mein Essen würde ich damit aber nicht warten wollen ...

    Endlich ist diese elendige Sonne
    mal weg. Hinter den großen Erdgeschossfenstern und in einigen Bars wird bei schummeriger Stimmung ausgiebig dem erneuten Eishockey-Weltmeistertitel entgegengefiebert. Schon auf der Fähre ging es dahingehend ziemlich wild her. Und die nächtliche Siegesfeuerwerkerei wird mir kurz darauf erfolgreich den Schlaf nehmen 🤗.
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  • 20 km bis nach Helsinki

    May 31 in Finland ⋅ ☁️ 11 °C

    Niemand fordert bei Ankunft die Warnweste zurück 🤷‍♂️. Ich lasse mich treiben entlang grüner Gürtel und graublauer Wasserstreifen in Richtung Innenstadt. Abschnittsweise fahre ich einfach den workoutenden Gravel-Boys-'n'-Gurls hinterher. Die werden schon den Weg kennen und mühen sich genau so ab, wie bei uns, aber fahren hier tatsächlich auf Aschepisten, statt auf gelecktem Asphalt 😉.

    An einer Strandbude lasse ich meine schottische Capercaillie-Blechtasse mit Kaffee befüllen. Wenn die Dame bloß ahnen würde, dass da locker 400 ml drin verschwinden 😏. Spontane Mittagspause dann in einem uigurischen Restaurant mit nem Glas Tee aus der Tischkanne des Chefs 🤤.
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  • Seefraunsgarngeschichten über Männer

    May 30–31, Ostsee ⋅ ☁️ 11 °C

    Um 0330 Bordzeit (0230 Braunschweigzeit) blitzt das Kabinenlicht auf und ein betagter Deutscher steht in der Tür. Er zeigt auf den Finnen im Bett gegenüber von mir und brüllt "Ey, du liegst in meinem Bett!". Total aus meinem Tiefschlaf gerissen entgegne ich zur Sicherheit nur "Meins ist Bettnummer 103!". Anschließend schaue ich auf meine Bordkarte und da steht "Bett B". Keine Ahnung, wo die 103 in meinem Kopf her kam. Aber an den eigentlichen Betten steht jedenfalls nirgendwo irgendeine Nummerierung dran. Umso verwunderlicher, dass dieser Typ hier mitten in der Nacht etwas zu claimen versucht. Ich glaube, er ist einfach 3 Bier drüber.

    Der Finne ist auch sichtlich irritiert und bietet pragmatisch an, einfach in das Bett über mir umzuziehen (wir teilen eine 3er-Kabine). Das besänftigt den Betagten. Er ist Bayer, 77, jetzt für 2 Monate mit Wohnmobil durch Finnland unterwegs, und fährt einfach mit Erzählung seiner halben Lebensgeschichte fort, als wäre es gerade Mittag. Dabei zeigt er seinen niedlicheren Kern, der sein patziges Hereinplatzen etwas kompensiert. Die Menschen in Finnland würden interessanter werden, je weiter nach Norden man vordringt. Meine Erfahrung ist, dass es mit steigender Breite primär weniger von ihnen werden. Aber ja, falls man einen findet, geht man mit ihm in seine Sauna. Ich jedenfalls würde jetzt gerne erstmal weiterpennen.

    Nach dem Frühstück, welches ich dank Zeitvorstellung und Nachtgeschichten fast verpasse, verdaue ich ein gemütliches Stündchen vor und begebe mich -> in die Sauna. Mein Kabinenfinne sitzt unerwarteterweise auch bereits in der Schwitzhütte, mit seinem Sohn. Die beiden sind mit dem Radl entlang der polnischen Küste von Gdansk nach Strahlsund gefahren. Der Ofen ballert. Jede seiner Kellen zieht uns die Ohren ab. Sitzen tut man hier auf kleinen beschichteten Papiertüchern. Begibt man sich zum Ablüften nach draußen, landet man mit Handtuchhüfte direkt auf dem Cappucchino-Deck zwischen den Muttis und Opis. Eigentlich steht man direkt auf dem gummibeplankten Kinderspielplatz 😅.

    Von der Heckreling entzückt ein Blick nach Südwest auf die Reste von Bornholm. Sonne im Gesicht und nur ein ganz laues Lüftchen zieht hier in Lee vorbei. Herrlich! Nach mehreren Aufgussiterationen grüßt man mich schon auf dem Familiendeck und nach und nach finden sich einige der Pappis von draußen auch nackig in der Sauna wieder. Ein Erzählbär aus Potsdam. Und ein deutscher Busfahrer, der für ein schweizerisches Reiseunternehmen mit einem luxemburgischen Bus gerade 6000 km Leerfahrt aus Andalusien nach Tromsö macht, um dort 10x die Runde "Lofoten-Nordkap-Tromsö" mit immer neuen Touris abzufahren. Ist wohl günstiger, als nen norwegischen Busfahrer zu engagieren. Und noch viele Saunageschichten mehr.

    Ich bin positiv entzückt von der gemütlichen Bar mit cooler Mucke, breitem Bierangebot und vercraftbaren Preisen. Jetzt erstmal ein Post-Sauna-Störtebeker-alkfrei-Bio-Bernsteinweizen. Mit dem Fernglas beobachte ich durchs Panoramafenster weit entfernte, am Horizont abgeschnittene Offshore-Windelektronenmühlen.
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  • Schöne Leute

    May 29–30 in Germany ⋅ ☁️ 21 °C

    In Travemünde komme ich recht problemlos an und überfresse mich direkt mit einer feinen Fischsuppe und ner schönen Scholle. So eine schöne Scholle hatte ich schon lange nicht. Gegenüber unterhält sich ein sehr alter aber schöner Mann mit wahrscheinlich seiner Frau – die auch seine schöne Tochter sein könnte – über gerahmte Kutterkunstwerke berühmter Kuttermaler.

    Der Fährableger ist sehr verwirrend, denn in den Anreiseinfos steht explizit, dass man als Radly über die PKW-Lane einchecken soll. Davor prangert aber ein unübersehbares Schild mit Fußgänger- und Radverbot! Wäh? Ich fahre nen Umweg zum Hafenhaus. Ein überaus netter Herr flucht über jenes Schild und schickt mich wieder zurück: Ich solle es einfach ignorieren. Er schenkt mir aber eine frische Warnweste, weil sie Pflicht auf dem Gelände für Radler ist (hab vergangenes Wochende noch 6 Westen aus dem verschrotteten Passerati befreit, aber natürlich jetzt eine vergessen). Schön ist dieser Mann auch. Ich biete ihm an, das Radverbotsschild als Souvenir einzustecken, um seinen Alltag zu entschlacken. Wir lachen.

    Illegal-legal zurück beim PKW-Checkin erwische ich eine Bude mit einer auch überaus netten Dame. So viel Zeit und Zuneigung hat sich beim Checkin noch nie jemand für mich genommen. Auch sie ist schön dazu. Was sind denn das für Menschen hier? Auf die Finnmaid geht es erst ab 23 Uhr. Was mache ich so lange nur? Sie sagt, ich könne mir doch dort im Hafenhaus die Zeit vertreiben. Da erzähle ich ihr von dem netten und schönen Mann und sie sagt "Dieser mit der Brille? Ja, das ist ja auch mein Mann."
    Love it!

    Nun, am Hafenhaus zurück entdecke ich vier schöne Reise-Geländemotorräder. Ihre schönen Herren quasseln unweit entfernt. Ich werde meinem angeordneten Hafenhaus-Herumtreibeauftrag gerecht und sneake mich direkt dazu (offizielle Finnlines-Warnweste tragend). Der eine gibt mir ein Bier. Der andere arbeitet in Berlin-Adlershof beim Helmholtz-Zentrum direkt neben dem DLR, wo ich gestern dienstlich noch gewesen bin. Und der dritte, der ist ehemaliger Chef der Moto-Guzzi-Werkstatt in Peine, wo ich vor einiger Zeit mal eine V85TT für ein Wochenende ausgeliehen hatte. So klein die Welt 😂. Ich erinnere mich sogar noch an sein Gesicht. Wir haben eine gute Zeit. Alle unsere Fähren gehen um 0230. Für die Mopedler geht es erst nach Schweden und dort auf den Trans-European-Trail nach Norwegen weiter. 🏍️💨
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  • Ab nach Travemünde

    May 29 in Germany ⋅ ☁️ 27 °C

    Ich bin gerade mit dem Radl in den Zug gesprungen, nehme nachher die Fähre nach Helsinki, werde dort ne Woche auf dem 135. OGC-Member-Meeting tolle Sachen machen, anschließend von Tallinn nach Liepaja radeln, wieder eine Fähre nehmen und es "die zweite Auflage einer etwas anderen Dienstreise" nennen, nachdem ich schon 2023 in Italien beim 125. Meeting teilgenommen habe. Ist dies nicht ein entzückender (Vor)Satz?

    Radtransport im Zug klappt heute sehr gut, aber auch nur, weil ich Andis Rat befolgte und von Brauni nach Hannover die Regiobahn nehme, statt mich auf den IC und meine Radplatzreservierung zu verlassen. Damit wäre es nämlich sehr stressig geworden.
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    Trip start
    May 29, 2026