Über Schinoussa nach Naxos
August 12 in Greece ⋅ ☀️ 28 °C
Nochmal den Wassertank voll machen, nochmal zum Fleischhacker und Supermarkt, nochmal sonstige Besorgungen und dann raus aus dem Hafen!
Wir wollen nach Schinoussa, eine klitzekleine Insel südlich von Naxos. Für die nächsten Tage war wieder mal Fetzenwind angesagt, den wollten wir in einer weitläufigen Bucht an der Westküste der Insel abwettern. Was wir zum Zeitpunkt des Ablegens nicht wussten: der Meltemi hat es offenbar auf uns abgesehen!
Wir waren noch nicht weit aus der Hafenbucht draußen, da wurden aus den angesagten 15 Knoten Wind (knapp 30 km/h) das Dreifache! 40 Knoten Grundwind, Böen über 45 Knoten pfefferten aus Norden und ließen das Meer kochen!
Beide Segel waren nur mehr Handtuchgröße, die Wellen und Brecher ergossen sich regelmäßig über unsere "Ostbahn". Irgendwann hatte ich zur Stabilisierung den Motor dazu genommen, damit mir der Autopilot zumindest mal für ein paar Minuten die Arbeit am Steuer abnehmen konnte. In erster Linie um mich halbwegs trockenzulegen - ich war ja für 15 Knoten Wind bekleidet, also Sommerzweiteiler: Sonnenbrille und Kapperl! - ordentlich wasserabweisend zu adjustieren, Schuhe und die Rettungsweste anlegen zu können.
Schinoussa kam langsam näher, die Wellen aufgrund der Windabdeckung weniger und seltsamerweise ging auch die Windstärke zurück. So weit, dass uns am Südende der Insel ein Einmann-Laser - eine winzige Sportjolle - entgegen kam! Vor 10 Minuten hatten wir noch Rotz und Wasser gekämpft, und plötzlich das Spielzeugboot! Da fühlt man sich mehrfach ordentlich verarscht! Vor allem weil beim Blick Richtung Amorgos noch deutlich schweres Wetter auszumachen war...
https://de.wikipedia.org/wiki/ILCA_4,_6_und_7
In userer gewählten Bucht fanden wir bald einen geeigneten Ankerplatz, immerhin wollten wir mindestens die nächsten drei Tage hier verbringen und den angedrohten Sturm der nächsten Tage auszusitzen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schinoussa
Der erste Tag und die Nacht waren friedlich, der Wind seltsam aus allen Richtungen, nichts Aufregendes.
Der zweite Tag war auch noch friedlich, der Wind auch seltsam und weit entfernt von den Prognosen.
Die Nacht wurde dann schlimm! Und nein, nicht wegen des Windes, der kam auch auf. Nein, das Restaurant am Hügel startete exakt um Mitternacht ein Open Air Konzert, welches sich bis um sage und schreibe 8:15 Uhr des Morgens wirklich... WIRKLICH! lautstark über die Bucht ergoss! Bis! Zum! Sonnen!Aufgang! Zum verrückt werden, denn die Band hatte ihr Set etwa vier mal komplett durchgespielt, um auf über acht Stunden Beschallung mit griechischer Katzenjammermusik zu kommen!
In der nächsten Nacht begann um exakt Mitternacht ein griechisches Fräulein ihre Violine oder Geige zu malträtieren und dazu zu "singen", wieder die ganze Nacht, bis Sonnenaufgang! Noch schlimmerer Katzenjammer, diesmal mit Geige! Wieder mindestens 3x das gleiche Set!
Ich war knapp dran meine Japansäge ins Dinghi zu packen, anzulanden und die Dame zu bitten, mit der Säge auf ihrem Instrument weiterzu"spielen", während ich mit dem Seitenschneider alle Kabel durchzwicke!
Sämtliche Ankerlieger in der Bucht waren mittlerweile richtig genervt, zwei Nächte kaum ein Auge zugemacht wegen dieser scheixx Musik! Und man konnte wegen des Sturmes kaum weg von dort! Ausgeliefert! Auch am Tag war an Schlaf nicht zu denken. Aufgrund des Sturmes lief immer mehr Schwell in die Bucht und die Boote rollten oft mit über 45° hin und her und die Hitze war auch unerträglich!
Noch eine weitere Nacht mussten wir diesen Wahnsinn ertragen, denn die Geigendame hatte noch einen weiteren Gig, diesmal zum Glück aber in einer anderen Bar, die wesentlich weiter von unserer Bucht entfernt war. Es war zwar unmögilch im Cockpit zu schlafen, aber unter Deck war es halbwegs erträglich.
Am nächsten Vormittag hat es dann gereicht. Anker auf und weg da! Der Wind war zwar immer noch unsegelbar, aber wir hatten beschlossen die eineinhalb Stunden bis an die Südküste von Naxos müssen wir einfach schaffen, denn noch eine Nacht mit Zwangsbeschallung geht nicht mehr!
Eine winzige Insel, 4,5km lang, maximal 3km breit, veranstaltet solch peinliche Open Air? Für vielleicht mal 200 Besucher? What the F*ck!
Die Überfahrt war hart und hat uns ausgelaugt von den letzten Tagen echt den letzten Nerv gezogen, aber es hat sich schlussendlich gelohnt! Stille, Ruhe, kaum künstliches Licht, perfekter Ankergrund! Schlafen... und beim Lulu die Sternschnuppen der Perseiden beobachten!Read more









Traveler
Da schaut's aus wie bei uns vor 2 Wochen, alles trocken...
Travelerin der ägäis war der letzte regen am 11. juni... 🥴