• Tag 4 - mit dem Jeep zum Camp

    August 8 in Mongolia ⋅ ☁️ 16 °C

    Nach guten 24 Stunden Busfahrt sind wir endlich in Ulaangom angekommen. Trotz der ganzen Turbulenzen habe ich tatsächlich knapp sechs Stunden schlafen können. Sicherlich nicht am Stück, aber immer mal wieder tief und fest. Bequem war es allerdings nicht. Mal war es warm, mal kalt, der Bus hat ständig gewackelt und zwischendurch ging auch noch immer wieder das Licht an und aus. Irgendwie haben wir es trotzdem geschafft.

    In Ulaangom bekamen wir Frühstück. Ich habe allerdings nur eine warme Tasse Süßgetränk getrunken. Etwas zu essen bekam ich beim besten Willen nicht wirklich runter.

    Unsere Köchin Troja für die nächsten Tage verteilte anschließend das Mittagessen in den mitgebrachten Tupperdosen. Zu Beginn der Tour musste sich jeder für die vegetarische oder die Fleischvariante entscheiden. Ich war mutig und entschied mich für Fleisch. Allerdings hatte ich mit einem Teamkollegen vereinbart, dass wir uns sein vegetarisches und mein Fleischgericht teilen.

    Nach der langen Busfahrt mussten wir natürlich noch einmal auf die Toilette. Dafür ging es zu einer mongolischen Gastfamilie. Naja, sagen wir es mal so: Die Toilette an der Tankstelle war geruchstechnisch definitiv angenehmer.
    Nach einer gewissen Aufenthaltszeit starteten wir den zweiten Teil unserer Anreise. Weiter ging es, diesmal mit Jeeps, Richtung Base Camp. Angegeben waren vier bis sechs Stunden Fahrt.

    Nach einem weiteren kurzen Pinkelstopp passierte dann etwas, das für uns Europäer wohl kaum ungewöhnlicher sein könnte. Plötzlich setzte sich ein kleines Mädchen direkt vor uns hin, zog sich einfach die Hose herunter und erledigte ihr Geschäft mitten vor unseren Füßen. Unfassbar. Die Mongolen scheinen in dieser Hinsicht wirklich kaum Schamgefühl zu kennen. Bei uns würde jeder erst einmal ein paar Meter weiterlaufen und sich hinter noch so einem kleinen Busch oder Stein ein halbwegs sicheres Plätzchen suchen.

    Nach einem weiteren Offroad-Abenteuer über unfassbar unebene Wege machten wir schließlich eine Mittagspause. Jetzt durften wir das zuvor verpackte Mittagessen aus unseren Tupperdosen genießen. Und ich muss wirklich sagen: Das Essen war erstklassig! Es hat all meine Erwartungen an das Essen, das uns während der Tour erwarten würde, bei Weitem übertroffen.

    Danach ging es weiter. Nachdem der Fahrer im nächsten Dorf noch sein Kind abgegeben hatte, fuhr er plötzlich auch deutlich schneller. Nach insgesamt sechs Stunden Autofahrt über Stock und Stein, unfassbar viel Geschaukel und sogar einigen Flussdurchfahrten waren wir endlich angekommen.

    Unser erstes Camp liegt wunderschön an einem Fluss, umgeben von zwei Bergen. Im Tal standen etliche Pferde und Kamele, außerdem lief dort ein Schaf herum. Wobei „herumlaufen“ nicht mehr lange der Fall sein sollte. Ein Autofahrer hatte das Schaf auf dem Weg zu unserem Camp eingesammelt. Es wurde eingefangen, auf dem Dach des Geländewagens festgespannt und für 70 Euro gekauft. In den nächsten Tagen wird es für die Teilnehmer geschlachtet. Natürlich nur für diejenigen, die auch Fleisch essen möchten. Tatsächlich haben wir einige Teilnehmer, die sich für die fleischlose Variante entschieden haben. Ich gehöre zu den Fleischfressern.

    Nach unserer Ankunft im Camp bekamen jeweils zwei Personen ein Zelt zum Aufbauen. Chiara und ich hatten dabei erst einmal ein echtes Problem damit, überhaupt den Anfang zu finden. Unser Zelt sah nämlich komplett anders aus als die anderen und hatte eine völlig andere Aufbaustrategie. Irgendwann stand es dann, zumindest einigermaßen. Unser mongolischer Guide für die nächsten Tage, sie heißt abgekürzt UG, gab uns anschließend noch einige Tipps, damit das Zelt auch wirklich stabil stand.

    Nach dem Zeltaufbau liefen Chiara und ich zum nahegelegenen Fluss. Dort machten wir eine Katzenwäsche mit eiskaltem Wasser und wuschen gleichzeitig unsere Klamotten, die wir mittlerweile seit 48 Stunden getragen hatten.

    Nach dieser Erfrischung im Fluss fühlten wir uns wie neugeboren. Es war ein herrliches Gefühl.
    Den gesamten Nachmittag und bis in den späten Abend konnte man beobachten, wie drei Mongolen, die für die Pferde verantwortlich sind, ein Pferd nach dem anderen beschlagen haben. Das Faszinierende dabei: Die kleinen Pferde wurden einfach hingelegt. Hufe geben? Fehlanzeige.

    Natürlich ließ sich das ein oder andere Pferd die Prozedur nicht einfach so gefallen. Die Mongolen hatten teilweise wirklich ordentlich zu tun, bis die Tiere ruhig waren und sich beschlagen ließen.

    Nachdem schließlich alles erledigt und jeder einigermaßen eingerichtet war, hieß es Abendessen. Es gab eine Suppe mit Gemüse und Rindfleisch.

    Am Abend wurde es ziemlich schnell frisch. Jeder versuchte noch, irgendwie Ordnung in seine Unordnung zu bringen und sich für die erste Nacht im Camp einzurichten.
    Morgen gibt es um 8 Uhr Frühstück. Danach werden die Zelte wieder zusammengepackt und zwischen 10 und 11 Uhr werden wir unsere ersten acht Kilometer reiten.

    Die Pferdeeinteilung erfolgt dabei nach drei Gruppen:

    * unter 4 Reitstunden
    * über 4 Reitstunden
    * Experte

    Verrückt, aber wahr. Morgen geht es tatsächlich aufs Pferd. Nach dieser Anreise fühlt es sich irgendwie noch völlig surreal an.
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