Tag 9 - KACKtag
August 13 in Mongolia ⋅ ☁️ 15 °C
Meine Nacht war eine 9 von 10.
Unfassbar gut habe ich auf der Luftmatratze geschlafen. Nach den letzten Nächten war das wirklich Luxus pur. Kein Verrutschen, kein harter Boden, keine Kuhle und vor allem keine Rückenschmerzen. Heute blieb unser Camp an Ort und Stelle, deshalb konnten wir etwas länger schlafen. Frühstück gab es erst um 9 Uhr. Heute ist übrigens Tag 6, an dem ich mein Geschäft nicht vollbracht habe. Unser deutscher Teamleiter meinte mittlerweile, dass die Lage langsam ernst wird und fügte vorsichtshalber noch ein paar Gruselgeschichten hinzu. Genau das, was man morgens beim Frühstück hören möchte.
Ich entschied mich deshalb, nach dem Ausritt meine mitgebrachten Medikamente einzunehmen. Nach dem Frühstück hatte ich zunächst Abwaschdienst und danach ging es auch schon ans Pferd. Zizi sah aus, als hätte er eine ausgesprochen schlechte Nacht gehabt. Und genau so benahm er sich auch. Schlecht gelaunt, genervt von allem und jedem und offensichtlich nicht besonders motiviert, heute mit zu arbeiten. Um 11 Uhr starteten wir trotzdem pünktlich zu unserem Tagesausritt.
Unser Ziel: ein See. Der Weg dorthin war allerdings zunächst ziemlich zäh. Viel Schritt, viel unebener Boden und wieder einmal jede Menge Gelände, bei dem man sich fragt, wie die kleinen Pferde eigentlich so selbstverständlich darüber laufen können. Zizi mag prinzipiell niemanden. Und niemand mag Zizi. Zumindest fast niemand. Eine Ausnahme ist Goldi, das Pferd von Elea. Mit Goldi versteht sich Zizi erstaunlich gut. Die beiden können problemlos nebeneinander laufen. Ab und zu kappeln sie sich ein bisschen, drängen sich gegenseitig zur Seite oder werden plötzlich schneller, wenn einer den anderen überholen möchte. Aber alles halb so wild.
Die anderen Tourpferde mögen Zizi dagegen überhaupt nicht. Manche legen die Ohren an, andere schnappen nach ihm. Eines der Pferde, Merlin, mittlerweile von uns liebevoll Schnappi genannt, startet sogar regelmäßig mit weit aufgerissenem Maul in unsere Richtung.
Zizi wird irgendwie wirklich nicht besonders gemocht. Kurz vor der Bergkuppe machten wir noch einmal Halt. Die Mongolen überprüften unsere Sattelgurte und kontrollierten den Sitz unseres Equipments. Dann ging es über die Bergkuppe.
Und plötzlich lag er vor uns: ein hellblauer See. Auf etwa 2.700 Metern Höhe leuchtete mitten in dieser kargen Landschaft ein eisblauer See.
Atemberaubend. Wir ritten bis zum Ufer und machten dort unsere Mittagspause. Wie immer aßen wir unser vorbereitetes Essen aus der Tupperdose.
Mein Appetit hielt sich dabei allerdings etwas in Grenzen. Mein Kopf findet die aktuelle Kacksituation mittlerweile deutlich schlimmer als mein Körper selbst. Denn eigentlich geht es mir gut. Ich fühle mich gut. Ich habe keine Bauchschmerzen und keine wirklichen Beschwerden. Und trotzdem habe ich seit sechs Tagen nicht mehr gekackt.
Sechs. Tage.
Nach dem Mittagessen machten einige von uns noch einen Abstecher in den See. Ich natürlich auch. Bikini und Handtuch hatten wir natürlich in unseren Satteltaschen dabei. Das Wasser war eiskalt. Für einen kurzen Moment war es fast schmerzhaft, aber gleichzeitig unglaublich erfrischend. Und mitten in dieser Landschaft in einem 2.700 Meter hoch gelegenen See zu schwimmen, war einfach wunderschön. Danach schnell abtrocknen, wieder anziehen und zurück aufs Pferd. Auf dem Rückweg waren die Pferde deutlich motivierter. Elea und ich ließen uns mit unseren Pferden etwas zurückfallen. Irgendwann war nur noch ein Mongole mit uns unterwegs, der ebenfalls auf dem Bild zu sehen ist.
Und plötzlich zählte er von drei herunter.
Drei. Zwei. Eins. Und los.
Goldi, Zizi und das Pferd des Mongolen lieferten sich plötzlich ein kleines Rennen zurück zur Gruppe. Ich musste lachen. Langsam verstehe ich tatsächlich, warum mein Pferd als fortgeschrittenes Pferd gilt. Zizi kann unglaublich schnell werden, wenn er möchte. Und genau diese Momente machen ihn für mich immer interessanter.
Zurück im Camp entschied ich mich dann endgültig, das Pulver gegen die Verstopfung zu nehmen. Die Nebenwirkungen ließen zumindest nicht lange auf sich warten. Plötzliches Unwohlsein, Durst und Kopfschmerzen. Drei Päckchen von dem Pulver und dazu eine ordentliche Portion Magnesium waren offenbar genug, um meinen Körper zumindest einmal deutlich darauf aufmerksam zu machen, dass sich etwas ändern sollte. Mittlerweile arbeitete es irgendwo in meinem Körper beziehungsweise in der Magenregion. Aber so wirklich passierte leider noch nichts. Ich hoffe wirklich, dass sich das morgen ändert. Viele Teilnehmer kümmerten sich zwischenzeitlich ganz liebevoll um mich und sprachen mir Mut und Zuversicht zu. Sehr lieb. Jetzt versuche ich erst einmal, mit einer Wärmflasche zu schlafen und hoffe auf einen erfolgreichen Morgenschiss. Mehr kann man sich nach sechs Tagen wohl wirklich nicht mehr wünschen.
By the way:
Die Jungs haben tatsächlich das Loch in meiner Luftmatratze gefunden. Der Kleber musste allerdings noch trocknen. Morgen tausche ich deshalb wieder mit der Teilnehmerin zurück. Und dann hoffe ich einfach, dass meine Luftmatratze bis zum Ende der Reise durchhält.
Nach dieser Nacht weiß ich jedenfalls:
Eine funktionierende Luftmatratze ist hier definitiv kein Luxus, sondern überlebenswichtig.Read more












