Tag 14 - Letzter Reittag
August 18 in Mongolia ⋅ ☁️ 17 °C
Heute ist unser letzter Reittag.
Gemütlich starteten wir in den Tag. Auch nach dem Frühstück ließen sich die Mongolen noch Zeit. Die Vermutung, dass einige am Abend zuvor etwas tiefer ins Glas geschaut hatten, bestätigte sich, als sie mit leeren Flaschen hochprozentigen Alkohols ihr Zelt verließen. Mich störte es weniger. Unser deutscher Teamleiter hatte uns schon einige Tage zuvor erzählt, dass genau das der Grund sei, warum die Mongolen am Abend deutlich mehr den Kontakt zu uns suchten als tagsüber. Die Mongolen haben wohl auch ein gewisses Schamgefühl, was das Kontakteknüpfen angeht. Das Kamele-Bepacken lief zunächst noch nicht wirklich an. Nicht nur, weil man einigen Mongolen die lange Nacht ansah, sondern vor allem, weil immer noch die Hälfte der Kamele fehlte. Als die restlichen Kamele eintrafen, begab das letzte Mal das große Bepacken der 14 Kamele.
Kurz nach 12 Uhr suchten wir unsere Pferde. Meines war heute nur über dem Fluss auf der anderen Seite. Ein Mongole trieb die Pferde mit seinem Pferd zu uns herüber. Ein letztes Mal fing ich mein scheues Pferd ein. Selten schaffte ich es tatsächlich komplett ohne Hilfe. Beruhigt hatte mich allerdings, dass auch die Mongolen mit ihm ihre Probleme hatten. Sie waren lediglich in ihren Handgriffen etwas schneller und hatten vermutlich deutlich weniger Respekt davor, zwischen die Hufe zu geraten.
Satteln und Trensen konnte ich wieder selbst. Darauf war ich irgendwie am meisten stolz. Um 12.45 Uhr ging es zu unserem letzten und gleichzeitig kürzesten Ritt. Dafür, so war der Plan, würden wir drei Mal galoppieren. Ein letztes Mal schenkte ich meinem Pferd vollstes Vertrauen. Über Stock und Stein und im vollen Galopp machte dieses Pferd keinen einzigen Fehltritt.
Man merkte Zizi an, dass dies seine Galoppstrecke war. Jedes Mal war er vor dem Galopp kaum zu bremsen und konnte es kaum erwarten, endlich loszugaloppieren. Das Spannende war, dass ich während der gesamten Reise eher unabsichtlich immer eines der hinteren Pferde war. Nicht, weil wir langsam waren, sondern weil wir meistens im Schritt ritten. Der Herdentrieb war bei den meisten Pferden, genau wie an Tag eins, immer noch ausgeprägt. Trabt eines, traben alle.
Das war also der Grund, warum ich beim normalen Reiten mitunter das Schlusslicht bildete. Sobald es jedoch um den Galopp ging, kämpfte sich Zizi immer wieder ins erste Drittel der Gruppe. Er war sicherlich nicht eines der schnellsten Tourpferde, ließ es sich aber nicht nehmen, in den ersten Sekunden alles zu geben, um nach vorne zu kommen. Der Galopp war insgesamt und vom Gefühl her gar nicht sonderlich schnell. Ich fühlte mich deshalb sicher genug, um sogar mein Handy herauszuholen und zu filmen.
Nach drei Galoppeinheiten und immer wieder kurzen Pausen stand uns noch der letzte Anstieg bevor. Danach erreichten wir unseren letzten Campspot. Diesmal waren wir schneller als die Kamele. Dadurch hatten wir noch etwas Zeit, unser Mittagessen aus der Tupperdose zu genießen. Heute gab es Reis mit Roter Bete und frittiertes Brot.
Sobald die Kamele eintrafen, war das Entladen natürlich oberste Priorität.
Gekonnt nahm ich einem Mongolen das Kamel aus der Hand, legte es hin und löste die Schnüre. Tatsächlich war es manchmal gar nicht so einfach, die Kamele dazu zu bringen, sich hinzulegen. Aber Selina, die Kamelflüsterin, hatte irgendwie den Dreh raus. Selbst die Mongolen waren darüber erstaunt. 😂😂😂
Nachdem alle Kamele in die Freiheit entlassen worden waren, bauten wir wieder das Küchenzelt sowie unsere eigenen Zelte auf. Nachdem alles aufgebaut war, gaben wir unser geliehenes Equipment zurück: Sattel, Satteltasche und teilweise auch Helm und Chaps. Danach war alles aufgeräumt und plötzlich überkam mich eine endlose Müdigkeit. Erst versuchte ich noch, dagegen anzukämpfen. Ich hatte jedoch keine Chance. Ich schlief fast im Sitzen ein und entschied mich deshalb für ein kleines Nickerchen. Aus dem Nickerchen wurde ein langer Mittagsschlaf. Fast pünktlich zum Abendessen wurde ich wieder wach.
Zum Abendessen gab es noch einmal Nudelsuppe mit Schaf. Ein letztes Mal Schaf. Je älter das Schaf ist, also je länger es her ist, dass es geschlachtet wurde, desto intensiver ist der Geschmack. Heute ging es noch, aber Schaf wird in Zukunft definitiv nicht meine Leibspeise werden.
Nach dem Abendessen verteilte ich noch mein Teamgeschenk. Eigentlich war gestern Geschenkeabend gewesen, aber zu diesem Zeitpunkt waren wir noch zu viele. Ich hatte vorsichtshalber schon deutlich mehr Pferdestecker als die angegebene Teilnehmerzahl bestellt, aber selbst das war noch zu wenig. Heute Morgen waren drei Adlerjäger abgereist und ab diesem Moment ging es auf.
Ich verteilte insgesamt 28 Pferdestecker, sodass jeder eine kleine Erinnerung an die letzten Tage in der Mongolei mit nach Hause nehmen konnte. Was ich ebenfalls verschenkte, war mein Stuhl mit Lehne. Wirklich jeder hatte mich um diesen Luxusartikel beneidet und er war tatsächlich eine Wohltat. Vor allem gegen Ende der Tour freute sich mein Rücken über die Möglichkeit, sich zwischendurch einfach anlehnen zu können.
Meinen Stuhl schenkte ich Troja, der Köchin. Sie freute sich sehr über dieses Geschenk. Die kleine Frau und ich machten noch ein gemeinsames Bild und ich zeigte ihr, wie man den Stuhl auf ein kleines Packmaß zusammenfalten konnte.
Danach hatte jeder noch die Möglichkeit, auf drei ausgewählten Kamelen eine Runde zu reiten. Das Aufstehen und Hinlegen der Kamele fühlte sich für einen kurzen Moment tatsächlich wie eine kleine Achterbahnfahrt an. Auch die Fortbewegung war überraschend schaukelig und das Sitzgefühl eher knochig und unbequem. Zum Glück waren wir die vergangenen zwei Wochen auf Pferden unterwegs. Chiara und ich machten noch ein gemeinsames Bild. Mit ihr war es die vergangenen Tage im Zelt völlig unkompliziert. Wir ergänzten uns super. Andere hingegen, die sich auch erst hier neu kennengelernt hatten, hatten eher Schwierigkeiten miteinander und schliefen seit der Halbzeit in getrennten Zelten.
Und damit ist unser letzter Reittag tatsächlich vorbei.
Die nächsten Tage erwartet uns wieder die lange und zähe Rückreise. Morgen fahren wir zunächst drei Stunden mit dem Jeep zurück in die nächstgrößere Stadt und übernachten dort eine Nacht in einem Jurtencamp. Danach geht es wieder rund 24 Stunden zurück nach Ulaanbaatar. Von dort fliegen ich am 22.08. zurück nach Deutschland.
By the way: Heute ist der 18.08. Ich habe also in den nächsten Tagen genug Zeit, all das Handgeschriebene endlich in die App zu übertragen. Und irgendwie fühlt es sich gerade ziemlich komisch an, dass die Reittage jetzt wirklich vorbei sind.Read more











