Tag 16 - 24h zurück in die Hauptstadt
August 20 in Mongolia ⋅ ☀️ 20 °C
Um 6 Uhr bin ich aufgewacht.
Die Nacht war gemütlich. Die erste Nacht seit Beginn der Tour mal wieder in einem richtigen Bett und ich habe dementsprechend sehr gut geschlafen. Um 7 Uhr gab es Frühstück und um 8.30 Uhr startete der Bus zurück Richtung Hauptstadt.
Das Frühstück war im Vergleich zu den letzten 14 Tagen allerdings eine große Enttäuschung. Kein Vergleich zu Trojas selbst gebackenem Brot, den Pancakes oder der leckeren Rhabarberkonfitüre. Nach zwei Wochen mit frisch zubereiteten Mahlzeiten hatte ich offenbar gewisse Ansprüche entwickelt. Anschließend packte ich meine Sachen zusammen und wartete auf dem Parkplatz auf die restlichen Teilnehmer.
Uns allen graute es vor der Busfahrt. 1.690 Kilometer lagen vor uns. Am liebsten hätte ich diese Wartezeit einfach übersprungen und wäre direkt in Ulaanbaatar angekommen. Der Busfahrer machte immer wieder an verschiedenen Tankstellen Halt. Unsere Vermutung war, dass das Benzin in der Mongolei noch immer knapp ist und deshalb nicht beliebig viel getankt werden kann. Tatsächlich herrschte zu dieser Zeit im ganzen Land ein akuter Benzinmangel. Benzin wurde zeitweise rationiert und pro Tankvorgang nur eine begrenzte Menge ausgegeben. Die Mongolei ist zudem stark von russischen Treibstofflieferungen abhängig, während es auch in Russland selbst zu Engpässen gekommen war.
Für uns bedeutete das vor allem eines: noch mehr Zwischenstopps und eine Busfahrt, die ohnehin schon lang genug werden würde. Am Mittag machten wir Halt an einem Supermarkt. Und plötzlich machte für mich auch endlich die ganze XXL-Welt der mongolischen Lebensmittelverpackungen Sinn. Während ich mich in den letzten zwei Wochen noch gefragt hatte, warum es gefühlt jedes Lebensmittel nur in riesigen Packungen gibt, wurde mir jetzt klar, dass das im Alltag durchaus praktisch ist. Außerhalb der Städte sind die Entfernungen enorm und Einkaufsmöglichkeiten oft rar. Wer auf dem Land lebt, kann nicht einfach schnell zum Supermarkt fahren und ein paar Kleinigkeiten nachkaufen. Viele Lebensmittel werden deshalb auf Vorrat eingekauft. Große Verpackungen und größere Mengen sind unter diesen Bedingungen einfach sinnvoller.
Nach zwei Wochen in der Steppe, in denen wir selbst erlebt hatten, wie weit die nächste Einkaufsmöglichkeit entfernt sein kann, erschien mir das plötzlich vollkommen logisch. Die Fahrt selbst war unfassbar warm. Trotzdem blieb genug Zeit, die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren zu lassen. Zwei Wochen Mongolei, zehn Tage auf dem Pferd, unzählige Eindrücke, neue Erfahrungen und Momente, die ich vermutlich noch lange im Kopf behalten werde. Und während die Landschaft draußen langsam an uns vorbeizog, wurde mir allmählich bewusst, dass diese Reise tatsächlich ihrem Ende entgegenging.
Fakten über die Mongolei und ihre Menschen:
1️⃣. Mongolische Pferde sind Nutztiere und keine Sportpferde
Pferde sind in der Mongolei vor allem Fortbewegungsmittel und Arbeitstiere. Deshalb ist auch der Umgang mit Verletzungen teilweise anders als in Deutschland. Ein Pferd wird nicht automatisch bei jeder kleinen Verletzung aus dem Einsatz genommen.
2️⃣. Klein, aber unglaublich robust
Mongolische Pferde sind meist kleiner als europäische Reitpferde, dafür extrem trittsicher, genügsam und ausdauernd. Sie sind an lange Strecken, karges Futter und das teilweise extreme Wetter gewöhnt.
3️⃣. Die Natur bestimmt den Tagesablauf
Wind, Regen, Kälte, Hitze und die Landschaft geben vor, wann geritten, gegessen oder das Camp aufgebaut wird. Pünktlichkeit und feste Zeitpläne haben auf dem Land deutlich weniger Bedeutung als in Deutschland.
4️⃣. Die Jurte ist perfekt für das Nomadenleben
Die traditionelle mongolische Ger lässt sich vergleichsweise schnell auf- und abbauen und ist gleichzeitig erstaunlich warm und gemütlich. Sie ist bis heute ein wichtiger Bestandteil des Lebens vieler Nomaden.
5️⃣. Nomaden ziehen je nach Jahreszeit weiter
Viele mongolische Familien wechseln mit ihren Tieren je nach Jahreszeit den Standort. Entscheidend sind Wasser, Wetter und ausreichend Weideflächen für die Tiere.
6️⃣. Fleisch gehört zum Alltag
Schafe, Ziegen, Pferde, Rinder und Yaks sind wichtige Nutztiere und liefern Fleisch, Milch und weitere Produkte. Auch das Schlachten eines Tieres gehört auf dem Land zur Versorgung einer Familie dazu.
7️⃣. Airag ist vergorene Stutenmilch
Das traditionelle mongolische Getränk wird aus fermentierter Stutenmilch hergestellt und enthält etwas Alkohol. Geschmacklich ist es eher säuerlich und definitiv anderes als die Milch, die man aus Deutschland kennt.
8️⃣. Adlerjagd ist eine lebendige Tradition
Im Westen der Mongolei, besonders bei den kasachischen Familien, wird die traditionelle Adlerjagd noch heute praktiziert. Die Adler werden speziell trainiert und teilweise über Generationen weitergegeben.
9️⃣. Strom und warmes Wasser sind Luxus
In abgelegenen Regionen gibt es oft weder Stromanschluss noch fließendes Wasser. Generatoren, Solarenergie, Wasserkanister und einfache Waschmöglichkeiten gehören deshalb zum Alltag.
1️⃣0️⃣. Die Mongolei ist das am dünnsten besiedelte Land der Welt
Auf einer Fläche, die mehr als viermal so groß wie Deutschland ist, leben nur rund 3,5 Millionen Menschen. Deshalb kann man tatsächlich stundenlang unterwegs sein, ohne eine Ortschaft oder ein Haus zu sehen.
1️⃣1️⃣. Ziegen sind für Nomaden besonders wertvoll
Neben Fleisch und Milch liefern Ziegen Kaschmir. Die Mongolei gehört zu den weltweit wichtigsten Produzenten von Kaschmir. Die feine Unterwolle wird im Frühjahr ausgekämmt und anschließend zu hochwertiger Kleidung verarbeitet.
1️⃣2️⃣. Ein mongolisches Pferd braucht kaum zusätzliches Futter
Während deutsche Pferde häufig mit Heu, Kraftfutter und Mineralfutter versorgt werden, suchen sich mongolische Pferde ihr Futter größtenteils selbst. Sie grasen direkt in der Steppe und kommen mit dem vergleichsweise kargen Bewuchs zurecht.
1️⃣3️⃣. Wasser ist in der Steppe ein entscheidender Faktor
Wo Menschen und Tiere campen können, hängt häufig davon ab, ob Wasser vorhanden ist. Deshalb wirken manche Lagerplätze völlig zufällig gewählt, sind aber tatsächlich eng mit den natürlichen Wasserstellen verbunden.
1️⃣4️⃣. Mongolen trinken traditionell gesalzenen Milchtee
Suutei Tsai ist ein traditioneller Milchtee, der mit Salz zubereitet wird. Für europäische Geschmäcker klingt die Kombination aus Tee, Milch und Salz zunächst ziemlich ungewöhnlich. Er gehört in vielen Haushalten aber ganz selbstverständlich zum Alltag.
1️⃣5️⃣. In der Mongolei gibt es kaum Zäune
Ein ziemlich großer Unterschied zu Deutschland: Die riesigen Weideflächen sind vielerorts nicht eingezäunt. Pferde- und Viehherden können sich frei bewegen.
1️⃣6️⃣. Pferde werden in der Mongolei auch an ihrer Herkunft unterschieden
Die fünf klassischen „Nutztiere“ der mongolischen Viehzucht sind Pferd, Schaf, Ziege, Rind beziehungsweise Yak und Kamel. Zusammen bilden sie die Grundlage der traditionellen nomadischen Lebensweise.
1️⃣7️⃣. Kamele können in der Mongolei tatsächlich durch Schnee und Wüste
In der Mongolei leben vor allem zweihöckrige Baktrische Kamele. Sie sind perfekt an extreme Temperaturunterschiede angepasst und können sowohl große Hitze als auch eisige Winter überstehen.
1️⃣8️⃣. Die Mongolei hat extrem große Temperaturunterschiede
Im Sommer können über 30 °C erreicht werden, während es im Winter in manchen Regionen unter −30 °C fällt. Dadurch sind viele Menschen und Tiere an sehr extreme Bedingungen angepasst.
1️⃣9️⃣. Die berühmte mongolische Gastfreundschaft hat einen praktischen Hintergrund
In einer riesigen, dünn besiedelten Landschaft war Gastfreundschaft früher nicht nur eine nette Geste. Reisende waren darauf angewiesen, irgendwo Schutz, Essen oder einen Schlafplatz zu bekommen. Deshalb hat das Teilen von Essen und Unterkunft traditionell einen hohen Stellenwert.
2️⃣0️⃣. Die Landschaft erklärt, warum die Mongolen so gut mit Orientierung umgehen können
Wenn es kaum Straßen, Zäune oder andere markante Punkte gibt, muss man sich anders orientieren. Geländeformen, Berge, Flüsse und die Position der Sonne spielen eine wesentlich größere Rolle als bei uns.Read more



