Tag 17 - Kaschmir Ulaanbaatar
August 21 in Mongolia ⋅ ☀️ 22 °C
Nach 26 Stunden sind wir endlich wieder in Ulaanbaatar angekommen.
Die Rückfahrt war diesmal deutlich anstrengender als die Hinfahrt. Irgendwann wusste man einfach nicht mehr, wie man noch liegen, sitzen oder schlafen sollte. Alles tat weh, nichts war wirklich bequem und trotzdem musste man irgendwie die Zeit rumkriegen. Aber tatsächlich habe ich es geschafft, irgendwie durch die Nacht zu kommen. Gegen kurz vor 23 Uhr wurden wir noch einmal geweckt. Es gab einen Mitternachtssnack: Reis mit Fleisch. Sonderlich lecker war es nicht, aber satt hat es gemacht. Und ehrlich gesagt hatte ich von den ganzen Snacks mittlerweile auch genug. Noch ein Keks? Noch ein Gummibärchen? Irgendwann möchte man einfach mal wieder etwas Warmes zwischen die Zähne bekommen. Danach ging es weiter Richtung Ulaanbaatar. Die zwei Busfahrer waren zwar deutlich angenehmer unterwegs als seine Kollegen auf der Hinfahrt, aber wirklich langsam waren sie auch nicht. Teilweise war die Fahrweise so rasant, dass man im Halbschlaf schon kurz darüber nachdachte, ob wir eigentlich wirklich heil in Ulaanbaatar ankommen würden. Manchmal hatte ich das Gefühl, der Busfahrer verwechselt seinen Reisebus mit einem Rennwagen. Überholen, beschleunigen, wieder abbremsen und das alles auf mongolischen Straßen, bei denen ich mich selbst wahrscheinlich nicht einmal getraut hätte, mit einem Fahrrad so schnell zu fahren. Durch jedes Schlagloch fuhren wir gefühlt ungebremst durch.
Und wir? Wir lagen beziehungsweise saßen einfach hinten im Bus und mussten volles Vertrauen in die zwei mongolischen Busfahrer setzen. Irgendwie verrückt.
Nach 26 Stunden Fahrt kann ich aber immerhin sagen: Beide Busfahrer haben ihren Job gemacht und wir sind tatsächlich alle heil in Ulaanbaatar angekommen. Vielleicht sollte man sich während einer solchen Busfahrt einfach nicht zu viele Gedanken machen. Augen zu, Vertrauen haben und hoffen, dass der Fahrer weiß, was er tut. Um 10 Uhr kamen wir in Ulaanbaatar an. Endlich.
Wir waren zu sechst im gleichen Hotel und bestellten uns drei Taxis. Pro Person zahlten wir jeweils 10.000 Tugrik. Im Hotel angekommen, hatten vier von uns Glück und konnten direkt einchecken. Zwei mussten leider noch bis 13 Uhr warten. Irgendwie fand ich das nicht ganz fair. Jeder von uns hatte sich wahrscheinlich gleichermaßen auf eine Dusche gefreut und mir persönlich wäre es völlig egal gewesen, ob ich jetzt noch zwei Stunden warten musste oder nicht. Also leistete ich nach einer kurzen Katzenwäsche den beiden einfach etwas Gesellschaft. Für mich selbstverständlich. Für andere offenbar eher weniger.
Chiara und ich begleiteten die beiden deshalb in einen großen Supermarkt um die Ecke. Dort konnten wir die Zeit ganz entspannt totschlagen. Ich entdeckte unter anderem Rhabarberkonfitüre und musste natürlich eine mitnehmen. Sicherlich gibt es die auch in Deutschland. Aber irgendwie hat es doch mehr Charme, wenn ich sie aus der Mongolei mit nach Hause bringe.
Bevor wir um 13 Uhr wieder zurück zum Hotel gingen, damit die beiden anderen endlich einchecken konnten, gingen wir noch etwas essen. Ich bestellte mir lediglich einen Tee. Und ich war ehrlich gesagt froh, nicht mehr jeden Tag drei Mahlzeiten essen zu müssen. Vielleicht lag es an der ungewohnten Höhe oder einfach daran, dass ich es von zu Hause anders gewohnt bin. Normalerweise esse ich eher ein bis zweimal am Tag und nicht ständig Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Nach zwei Wochen war ich jedenfalls froh, wieder in meinen normalen Rhythmus zurückzukehren.
Zurück im Hotel ging Chiara zuerst duschen, während ich meine Sachen sortierte und für den morgigen Heimflug packte. Danach war ich an der Reihe. Haare waschen habe ich mir heute gespart. Aber mein Körper wurde ordentlich durchgeschrubbt und dieses neue Körpergefühl war einfach unbeschreiblich. Wenn ich in den letzten zwei Wochen etwas vermisst habe, dann definitiv eine ausgiebige warme Dusche. Und das sage ich, obwohl ich in Deutschland teilweise keine fünf Minuten unter der Dusche brauche. Aber daran merkt man eben, was man vermisst, wenn man es plötzlich nicht mehr hat.
Nachdem alles gepackt war und Chiara und ich frisch geduscht und in sauberen Klamotten steckten, machten wir uns auf den Weg zu einem Kaschmirladen in Ulaanbaatar.
Ich wollte unbedingt mongolischen Kaschmir kaufen. Wann hat man schon einmal die Möglichkeit, Kaschmir dort zu kaufen, wo es tatsächlich hergestellt wird? Wir landeten schließlich bei GOBI Cashmere. Und natürlich wurde es nicht einfach nur ein kurzer Einkaufsbummel. Wir waren hauptsächlich im Sale-Bereich und ich hatte plötzlich die Herausforderung, zwischen all den schönen Sachen ein passendes Teil zu finden. Gleichzeitig war ich permanent am Umrechnen. So schön die Sachen auch waren, ich wollte keinesfalls Unmengen an Geld für meinen ersten Kaschmirpullover ausgeben. Am Ende wurde es dann doch ein bisschen mehr. Eine Mütze, ein Pullover und ein Geschenk für meine Mum durften mit nach Hause. Kaschmir ist in der Mongolei schließlich nicht einfach irgendein Souvenir. Die Mongolei gehört zu den wichtigsten Kaschmirproduzenten der Welt. Das besonders feine Unterhaar der Kaschmirziegen wird im Frühjahr während des Fellwechsels ausgekämmt. Anschließend werden die feinen Fasern von den gröberen Haaren getrennt, gewaschen und weiterverarbeitet. Aus den Fasern entsteht Garn und daraus schließlich Kleidung wie Pullover, Schals oder Mützen.
Das feine Unterfell schützt die Ziegen vor den extremen Temperaturen der Mongolei. Im Winter kann es hier deutlich unter minus 30 Grad kalt werden. Genau dieses unglaublich feine und weiche Unterhaar ist es, das Kaschmir so besonders macht.
Und ich glaube, ich habe meine Entscheidung ganz gut getroffen. Am Abend, als wir nach Sonnenuntergang im Hard Rock Café saßen, wurde es nämlich ordentlich kalt. Also zog ich meine neue Mütze und meinen neuen Pullover an. Und ich liebe sie. Spätestens in diesem Moment wusste ich, dass ich genau die richtigen Sachen ausgesucht hatte. Tatsächlich wurde ich an diesem Abend sogar mehrfach darauf angesprochen, ob ich wirklich Kaschmir trage. Ich gehe einfach mal davon aus, dass man es tatsächlich erkennt. Und vor allem merkt man es selbst. Der Pullover trägt sich unglaublich angenehm. Nach dem Einkauf machten wir uns auf den Weg ins Hard Rock Café. Eigentlich wollten wir dort nur Cocktails trinken. Aber wie eigentlich überall in der Mongolei dauerte es mal wieder etwas länger. Also entschieden wir uns kurzerhand, dort auch zu essen.
Ich bestellte mir Lachs und der war tatsächlich richtig lecker. Und an dieser Stelle muss ich auch noch einmal unsere Köchin Troja erwähnen. Wir hatten mit ihr wirklich unglaublich viel Glück. Das Essen war über die gesamte Reise hinweg täglich fantastisch, abwechslungsreich und definitiv nicht das, was ich von einer zweiwöchigen Tour mitten in der mongolischen Steppe erwartet hätte. Für mich war der Abend mit einigen aus der Gruppe noch einmal ein richtiges Highlight. Es war lustig, amüsant und wir haben unglaublich viel gelacht. Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg in einen Irish Pub. Allein die Taxifahrt dorthin war schon ein kleines Highlight. Unser Fahrer war super cool, spielte zuerst deutschen Rap und anschließend „Wonderwall“. Natürlich konnten wir nicht anders, als alle mitzusingen. Nach zwei Wochen irgendwo mitten in der mongolischen Steppe im Bus zu sitzen und plötzlich mit einem mongolischen Taxifahrer „Wonderwall“ zu grölen, war irgendwie genau die Art von Situation, die diese Reise ausmacht.
Im Irish Pub trafen wir dann auch den Rest der Gruppe. Von einigen mussten wir uns direkt verabschieden, mit den anderen tranken wir noch einen Cocktail.
Und plötzlich war alles vorbei.
Zwei Wochen.
Einfach vorbei.
Schon ein komisches Gefühl, sich jetzt zu verabschieden. Gerade jetzt, wo eigentlich alles funktioniert hat. Wo jeder seinen Platz in der Gruppe gefunden hatte und aus einer Gruppe fremder Menschen langsam eine richtige Reisegruppe geworden war. Es war definitiv keine perfekte Reise. Es gab Höhen und Tiefen, gute Tage und Tage, an denen ich mich gefragt habe, warum ich mir das eigentlich antue. Aber genau das gehört für mich mittlerweile irgendwie dazu.
Und am Ende bleibt vor allem eines:
Es war ein gelungenes Abenteuer.
Ich würde es definitiv wieder machen.
Im Irish Pub traf ich dann auch noch Uwe wieder. Könnt ihr euch erinnern? Mein Sitznachbar auf dem Hinflug. Ich wusste zwar, dass er ebenfalls im Irish Pub sein würde und dass wir morgen sogar denselben Rückflug nach Frankfurt nehmen. Trotzdem war es irgendwie cool, ihn und seine Gruppe tatsächlich dort zu treffen. Der Pub war groß und es war schließlich nicht selbstverständlich, dass wir uns dort über den Weg laufen. Schön war es auch, seine Reisegruppe noch einmal zu sehen. Sie hatten eine deutlich entspanntere Tour. Strom, warmes fließendes Wasser, WLAN. Dinge, die für uns während der letzten zwei Wochen teilweise schon wie purer Luxus geklungen hätten. Aber am Ende hatte jeder seine Freude und jeder durfte einen Teil der Mongolei auf seine ganz eigene Art kennenlernen. Und irgendwie nehme ich aus dieser Reise nicht nur Bilder, Erinnerungen und ein bisschen Kaschmir mit nach Hause. Ich habe unglaublich viele Menschen mit spannenden Geschichten kennengelernt. Einige stehen noch ganz am Anfang ihres Lebens, andere sind mittendrin, haben bereits so viel erlebt und wieder andere stehen vielleicht gerade an einem Punkt, an dem sich noch einmal alles verändert. Und dann war da ich. Ich, die vor allen Leuten ziemlich stolz sagen kann, dass sie sich darauf freut, am Montag wieder arbeiten zu gehen. Ich arbeite einfach unglaublich gern. Und je mehr Menschen ich kennenlerne, desto mehr stelle ich fest, dass das gar nicht so selbstverständlich ist. Viele suchen noch danach, was sie eigentlich wollen, andere überlegen, wo ihr Weg hingehen soll. Ich habe das große Glück, sagen zu können, dass ich mich auf meinen Alltag und meine Arbeit freue. Vielleicht ist genau das auch etwas, das ich aus dieser Reise mitnehme: Dankbarkeit. Für die Möglichkeit, zwei Wochen lang etwas völlig anderes zu erleben. Für die Menschen, die ich kennenlernen durfte. Für all die Geschichten, die ich hören durfte. Und auch dafür, anschließend wieder nach Hause zu kommen und mich tatsächlich auf mein eigenes Leben zu freuen.
Morgen werden wir um 6 Uhr zum Flughafen gefahren. Ich freue mich auf zu Hause. Auf mein eigenes Bett, eine normale Dusche, Strom, WLAN und wahrscheinlich auch darauf, wieder selbst entscheiden zu können, wann ich was esse. Und gleichzeitig bin ich unglaublich dankbar, dass ich dieses Abenteuer erleben durfte.
Zwei Wochen Mongolei. Zwei Wochen Pferde, Steppe, Berge, Zelte, Busfahrten, neue Menschen, neue Erfahrungen und ziemlich viele Momente, die ich so schnell nicht vergessen werde.
Jetzt geht es nach Hause.Read more








