• Vasto

    September 8 in Italy ☀️ 31 °C

    Herbert und ich haben Vasto an diesem Tag nicht nur besucht – wir haben uns ein wenig in dieses besondere Stück Land verliebt.

    Mittags saßen wir in einem Restaurant am Rand der Altstadt, hoch über dem Meer. Während wir aßen, wanderte unser Blick immer wieder hinaus aufs Wasser. Danach führte uns der Weg zu einem Trabocco, einer hölzernen Fischfangplattform, die sich von der Küste über das Meer streckt. Einst fingen die Fischer von hier aus ihre Beute, ohne mit dem Boot aufs offene Meer hinausfahren zu müssen. Das Wissen um Bau und Fangtechnik wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Heute erzählen die Trabocchi noch immer von einem Leben, das eng mit dem Meer verbunden ist.

    Auf einem dieser Trabocchi genossen wir unseren Aperitivo: jeder drei kalte und drei warme Fischspezialitäten, das Meer unter uns und ringsum die stille Schönheit der Küste. Es war mehr als ein gutes Essen – für einen Augenblick durften wir an einer alten Tradition teilhaben.

    In der Altstadt besichtigten wir auch die Kirche Santa Maria Maggiore. Damals war uns gar nicht bewusst, an welch besonderem Ort wir standen. Während in der Kirche restauriert wurde, kam einer der Arbeiter auf uns zu. Obwohl er mitten in seiner Arbeit war, nahm er sich Zeit, uns die Kirche und ihre Besonderheiten zu zeigen und davon zu erzählen – auf Italienisch, mit einer Herzlichkeit, die keine Übersetzung brauchte. Er zeigte uns die Reliquien des heiligen Cesario und die *Sacra Spina*, einen Dorn, der der Überlieferung nach aus der Dornenkrone Jesu stammt. Erst später wurde uns bewusst, wie besonders diese Begegnung gewesen war: Ein freundlicher Fremder hatte uns ein kleines Stück der Geschichte und des Glaubens von Vasto geschenkt.

    Später kehrten wir in einem kleinen Lokal ein. Eigentlich hatten wir nur Bier bestellt, doch die Wirtin brachte uns ganz selbstverständlich viele kleine Köstlichkeiten dazu – aufs Haus. Mit dieser großzügigen Geste ließ sie uns die unterschiedlichsten Spezialitäten der Abruzzen probieren. So lernten wir die Küche der Region kennen und lieben.

    Als der Abend langsam zu Ende ging, nahmen wir mehr mit als schöne Eindrücke und gute Erinnerungen: das Gefühl, willkommen gewesen zu sein, und die Zuneigung zu einem Landstrich, der seine Schätze mit so viel Wärme teilt. Vasto hatte uns einen Tag voller Meer, Geschichte, Genuss und menschlicher Herzlichkeit geschenkt – einen Tag, der noch lange nachklingt.
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