• Mondfrau
  • Mondfrau

Seelenorte in den Abruzzen

Ein Buch voller Bilder und Geschichten über eine besondere Region Italiens. Zwischen rauen Bergen, stillen Dörfern und weiten Landschaften begegnen wir den Menschen und Orten, die den Abruzzen ihre Seele schenken.
Eine fotografische Reise zum Entdec
Read more
  • Trip start
    September 1, 2026

    Vasto

    September 8 in Italy ☀️ 31 °C

    Herbert und ich haben Vasto an diesem Tag nicht nur besucht – wir haben uns ein wenig in dieses besondere Stück Land verliebt.

    Mittags saßen wir in einem Restaurant am Rand der Altstadt, hoch über dem Meer. Während wir aßen, wanderte unser Blick immer wieder hinaus aufs Wasser. Danach führte uns der Weg zu einem Trabocco, einer hölzernen Fischfangplattform, die sich von der Küste über das Meer streckt. Einst fingen die Fischer von hier aus ihre Beute, ohne mit dem Boot aufs offene Meer hinausfahren zu müssen. Das Wissen um Bau und Fangtechnik wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Heute erzählen die Trabocchi noch immer von einem Leben, das eng mit dem Meer verbunden ist.

    Auf einem dieser Trabocchi genossen wir unseren Aperitivo: jeder drei kalte und drei warme Fischspezialitäten, das Meer unter uns und ringsum die stille Schönheit der Küste. Es war mehr als ein gutes Essen – für einen Augenblick durften wir an einer alten Tradition teilhaben.

    In der Altstadt besichtigten wir auch die Kirche Santa Maria Maggiore. Damals war uns gar nicht bewusst, an welch besonderem Ort wir standen. Während in der Kirche restauriert wurde, kam einer der Arbeiter auf uns zu. Obwohl er mitten in seiner Arbeit war, nahm er sich Zeit, uns die Kirche und ihre Besonderheiten zu zeigen und davon zu erzählen – auf Italienisch, mit einer Herzlichkeit, die keine Übersetzung brauchte. Er zeigte uns die Reliquien des heiligen Cesario und die *Sacra Spina*, einen Dorn, der der Überlieferung nach aus der Dornenkrone Jesu stammt. Erst später wurde uns bewusst, wie besonders diese Begegnung gewesen war: Ein freundlicher Fremder hatte uns ein kleines Stück der Geschichte und des Glaubens von Vasto geschenkt.

    Später kehrten wir in einem kleinen Lokal ein. Eigentlich hatten wir nur Bier bestellt, doch die Wirtin brachte uns ganz selbstverständlich viele kleine Köstlichkeiten dazu – aufs Haus. Mit dieser großzügigen Geste ließ sie uns die unterschiedlichsten Spezialitäten der Abruzzen probieren. So lernten wir die Küche der Region kennen und lieben.

    Als der Abend langsam zu Ende ging, nahmen wir mehr mit als schöne Eindrücke und gute Erinnerungen: das Gefühl, willkommen gewesen zu sein, und die Zuneigung zu einem Landstrich, der seine Schätze mit so viel Wärme teilt. Vasto hatte uns einen Tag voller Meer, Geschichte, Genuss und menschlicher Herzlichkeit geschenkt – einen Tag, der noch lange nachklingt.
    Read more

  • Grotta Del Cavallone

    September 9 in Italy ☀️ 25 °C

    Manche Ausflüge bleiben nicht nur wegen der Aussicht in Erinnerung. Sie bleiben, weil der Weg dorthin Kraft kostet, weil ein Ort seine Geschichten erst nach und nach preisgibt – und weil man spürt, dass die Steine schon vieles gesehen haben. So war es für uns bei der Grotta del Cavallone.

    Die Käfiggondel setzte sich ruckelnd in Bewegung. Unter uns blieb das Tal zurück, und mit jedem Meter schien die Maiella stiller und größer zu werden. Als wir ausstiegen, lag die Grotte noch vor uns: hoch oben im Fels, verborgen im Berg.

    Der Weg zum Eingang war anstrengender, als er von unten ausgesehen hatte. Wir wanderten, kletterten über steinige Stellen und mussten auf jeden Schritt achten. Als wir schließlich den Eingang erreichten, verstanden wir, warum diese Höhle Menschen seit Jahrhunderten angezogen hat. In den Felsen finden sich Namen und Jahreszahlen – Spuren von Besuchern, die vor langer Zeit hierherkamen und ihren Besuch im Stein festhielten. Die älteste bekannte Inschrift trägt die Jahreszahl 1666.

    Dann führte uns unser italienischsprachiger Guide hinein. Im Dunkel der Grotta del Cavallone wurden die Tropfsteine zu Säulen, Vorhängen und seltsamen Gestalten. Das Wasser hatte über lange Zeit den Kalkstein geformt. Man musste nur lange genug hinsehen, und der Fels begann Geschichten zu erzählen.

    Eine davon gehört den Feen der Maiella. Der Legende nach lebten sie in der Höhle und flogen hinunter zu den Dörfern. Sie halfen den Menschen, erschienen ihnen in Träumen und wussten manchmal, wo verborgene Schätze lagen. Doch irgendwann mischten sie sich zu sehr in das Leben der Menschen ein. Da, so erzählt man, verschloss man den Eingang mit Felsbrocken. Die Feen blieben im Berg zurück. Vielleicht, sagt die Sage, kann man ihr Klagen noch hören, wenn es ganz still ist.

    Doch die Grotte bewahrt nicht nur sagenhafte Erinnerungen. Im Winter 1943/44, als Taranta Peligna im Krieg zerstört wurde, suchten Frauen und Kinder in der Höhle Schutz. Sie brachten mit, was sie retten konnten, und harrten in der Dunkelheit aus. In der *Sala di Aligi* fanden sie Zuflucht vor einer Welt, die draußen aus den Fugen geraten war.

    Als wir später wieder ans Licht traten, nahmen wir all diese Geschichten mit hinaus: die Namen im Stein, die Feen der Legende und die Menschen, die hier Schutz gesucht hatten. Vielleicht ist das die Seele dieses Ortes – dass der Berg vieles in sich trägt. Spuren von Besuchern, die längst vergangen sind; Geschichten, die weitererzählt werden; und die Erinnerung an Menschen, die in seiner Dunkelheit einen sicheren Ort fanden.
    Read more

  • L‘Aquila

    October 15 in Italy ☁️ 15 °C

    Heute waren wir wieder in L’Aquila, der Landeshauptstadt der Abruzzen. Obwohl wir schon oft dort waren, fasziniert uns die Stadt jedes Mal aufs Neue.

    Das verheerende Erdbeben von 2009 hat tiefe Spuren hinterlassen. Es kostete Menschenleben, zerstörte zahlreiche Gebäude und legte große Teile der historischen Altstadt für lange Zeit lahm. Viele Bereiche waren abgesperrt und als „rote Zone“ gekennzeichnet. Doch auch nach dem Beben kehrten wir jedes Jahr zurück. So konnten wir miterleben, wie Schritt für Schritt wiederaufgebaut wurde. Noch immer liegt viel Arbeit vor der Stadt – und doch kehrt mit jedem Jahr mehr Leben zurück.

    Heute flanieren wieder Einheimische und Besucher über den Corso Vittorio Emanuele. In den Straßencafés wird verweilt, und in den Gassen und auf den Plätzen genießt man ein gemütliches Mittagessen. Es ist schön zu sehen, wie L’Aquila nach all den schweren Jahren wieder mit Leben erfüllt ist.

    Bei jedem Besuch nehmen wir uns eine besondere Sehenswürdigkeit vor. Beim letzten Mal beschäftigten wir uns mit Papst Coelestin V., dem „Papst, der keiner sein wollte“. Dieses Jahr führte uns unser Weg in die wunderschöne Basilika San Bernardino.

    Schon beim Betreten empfing mich eine besondere Stille. Es war, als bliebe der Lärm des Alltags draußen. In dieser Ruhe konnte ich innehalten und etwas von dem Frieden spüren, für den der heilige Bernardino stand.

    Mein Blick wanderte immer wieder zur kunstvoll verzierten Decke. Besonders die Sonne mit den Buchstaben IHS – dem Zeichen für den Namen Jesu – zog mich in ihren Bann. Die vielen Details und die prachtvolle Gestaltung ließen mich staunen. Ich wusste kaum, wohin ich zuerst schauen sollte.

    Auch das Grabmal des heiligen Bernardino beeindruckte mich. Die Figur wirkte auf mich so groß und eindrucksvoll, dass ich mich fragte, ob die Menschen damals tatsächlich so groß gewesen sein konnten. Natürlich ist das Grabmal ein Kunstwerk – doch seine Größe und Ausstrahlung überraschten mich sehr.

    Der Besuch war für mich mehr als eine Besichtigung. Inmitten der stillen Atmosphäre, der beeindruckenden Kunst und der Gedanken an den heiligen Bernardino konnte ich für einen Moment zur Ruhe kommen und Frieden spüren
    Read more

  • Teramo

    October 17 in Italy ☁️ 17 °C

    Teramo war nie eine Stadt gewesen, die ich unbedingt besuchen wollte. Aus meiner Kindheit kannte ich sie vor allem von den Ausflügen mit meiner Nonna: Wir fuhren mit dem Bus zum Einkaufen oder um etwas zu erledigen. Wir besuchten Handarbeitsgeschäfte, in denen wir Wolle und Garne für unsere Häkelarbeiten kauften, und stöberten in Läden mit Geschirr und Gläsern. An langen Abenden oder an Tagen, an denen das Wetter nicht zum Strand einlud, häkelten wir Tagesdecken, Tischdecken, Serviettenumrandungen und verzierte Handtücher. Teramo war für mich lange vor allem mit diesen vertrauten Besorgungen verbunden – nicht mit Geschichte oder Schönheit.

    Nie hätte ich gedacht, dass die Stadt einen so schönen, geschichtsträchtigen Kern besitzt. In vielen Reiseführern wird sie kaum erwähnt, und wer nur hindurchfährt, sieht zunächst vor allem eine wenig einladende Neustadt. Als mir eine Einheimische in Atri erzählte, wie schön Teramo sei, konnte ich es kaum glauben. In meiner Vorstellung war die Stadt laut, heruntergekommen und schmutzig.

    Heute machten wir uns auf, Teramo neu zu entdecken. Wir kamen an einem Samstag, wenn Wochenmarkt ist. Schon auf dem Weg vom Bahnhof begegneten uns Stimmen, Rufe und das geschäftige Treiben der Händler. Rund um die **Madonna delle Grazie** und entlang des Viale Madre Teresa di Calcutta reihten sich die Stände aneinander: Obst, Gemüse, Käse, Wurst, Kleidung und allerlei Haushaltswaren. Wir schlenderten hindurch und beobachteten, wie die Menschen einander begrüßten, Neuigkeiten austauschten und ihre Einkäufe erledigten. Teramo zeigte sich lebendig, bodenständig und ganz bei sich.

    Der Markt weckte Erinnerungen an die früheren Ausflüge mit meiner Nonna. Damals nahm ich die Geschäfte und kleinen Besorgungen selbstverständlich hin. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie eng die Stadt mit meiner Familiengeschichte verbunden war.

    Von der **Piazza Martiri della Libertà** gingen wir zum **Dom Santa Maria Assunta und San Berardo**. Das Portal, die alten Mauern und der Glockenturm zeugen von einer langen Geschichte. Im Inneren war es still – ein deutlicher Kontrast zum Markt, nur wenige Schritte entfernt. In Teramo begegnen sich Alltag und Vergangenheit ganz selbstverständlich: Die Stadt wirkt nicht wie ein Museum, sondern lebt zwischen ihren alten Mauern weiter.

    Bei der **Chiesa di Sant’Anna dei Pompetti** standen wir plötzlich vor den Überresten des **römischen Theaters**, einst Teil der Stadt **Interamna Praetuttiorum**. Mittelalterliche Gebäude, römische Mauern und heutige Straßen liegen hier dicht beieinander. Teramo erzählt seine Geschichte nicht laut; sie ist in den Plätzen, Kirchen und Wegen verborgen, über die seit Jahrhunderten Menschen gehen.

    Nach einem gemütlichen Mittagessen besuchten wir die **Domus del Leone**, Teil des archäologischen Rundgangs **„Teramo, città dei mosaici“**. Die Mosaiken machten das römische Leben greifbar. Über dieselben Muster gingen einst die Bewohner, empfingen Gäste und schmückten ihr Zuhause. Dabei dachte ich an die Handarbeiten meiner Kindheit: Auch meine Nonna und ich wollten mit unseren Häkelarbeiten unsere Umgebung verschönern. Vielleicht ist der Wunsch, dem Alltag Schönheit zu geben, zeitlos.

    Zum Abschluss stiegen wir hinauf zum **Castello della Monica**. Der Weg war anstrengend, doch oben öffnete sich der Blick über Teramo und die Umgebung. Von hier aus fügte sich unser Rundgang zu einer Geschichte zusammen: der Markt als lebendige Gegenwart, Dom und Sant’Anna als Zeugnisse des Mittelalters, Theater und Domus als Spuren der Antike – und das Schloss als romantische Schicht aus jüngerer Zeit.

    Auf dem Rückweg zum Bahnhof war Teramo für mich nicht mehr nur die Stadt meiner Kindheitserinnerungen. Ich sah die Geschäfte, in denen wir Wolle kauften, und zugleich die Stadt der Römer, der Kirchen, der Märkte und der Menschen, die heute hier leben.

    Teramo besitzt keine aufdringliche Schönheit. Man muss sie suchen: in einem alten Portal, einem Stück römischer Mauer, im Klang der Glocken, im Stimmengewirr des Marktes – und in Erinnerungen, die plötzlich wieder lebendig werden. Ich war gekommen, um eine historische Stadt kennenzulernen, und hatte dabei auch einen Teil meiner eigenen Geschichte wiederentdeckt.

    Vielleicht muss man Teramo nicht auf den ersten Blick lieben. Man muss ihr nur Zeit geben. Dann beginnt sie leise zu erzählen. Für mich ist sie nicht länger nur der Ort, zu dem ich als Kind mit meiner Nonna zum Einkaufen fuhr, sondern ein Stück Heimat, das ich erst viele Jahre später wirklich sehen konnte.
    Read more

  • Giulianova, das Kloster

    October 19 in Italy ☀️ 21 °C

    Heute waren wir in Giulianova, einer Küstenstadt, deren Geschichte bis in die Römerzeit zurückreicht. Schon um 290 v. Chr. lag hier die römische Siedlung Castrum Novum Piceni. Nachdem das mittelalterliche Castel San Flaviano zerstört worden war, entstand im 15. Jahrhundert auf einem Hügel eine neue Stadt: Giulianova. Hier treffen antike Spuren, mittelalterliche Geschichte und die klare Planung der Renaissance aufeinander.

    Giulianova kenne ich seit meiner Kindheit – gefühlt war ich schon hundertmal dort. Im Sommer zog es uns abends meist nach Giulianova Lido: zum Hafen, an die Strandpromenade, die für mich immer etwas Besonderes hatte, und in die Bars unter den Pinien. Der untere Teil der Stadt war nie unbedingt eine Schönheit, doch inzwischen haben einige Straßenzüge und Plätze mit ihren modernen Cafés neues Leben bekommen.

    Die eigentliche Altstadt liegt weiter oben: Giulianova Alta. Als Kind erlebte ich sie als ziemlich heruntergekommen; heute hat sie ihren Charme wiedergefunden. Einmal verbrachten wir sogar unseren Sommerurlaub dort, bei einer Cousine meines Vaters. Auch seine Tante wohnte in einer sehr alten Villa mit einer rosafarbenen Terrasse. Im Garten stand ein Feigenbaum, so groß, dass mein Vater eine Schaukel für uns Kinder an einen seiner kräftigen Äste hängen konnte.

    Mit Giulianova verbinde ich aber auch eine schwere Erinnerung. In jenem Sommer hatten wir einen schlimmen Autounfall und mussten lange in einem Krankenhaus bleiben, das einst zum hoch oben gelegenen Kloster gehört hatte. Das Krankenhaus gibt es heute nicht mehr; es ist inzwischen ein Lost Place. Das Kloster steht noch immer.

    Zum Abschluss unseres Besuchs führte uns der Weg hinauf zum Santuario della Madonna dello Splendore. Schon der Aufstieg wurde zu einem besonderen Teil des Besuchs: Von der Unterstadt führt ein Kreuzweg durch Olivenhaine bis zum Kloster. Zwischen den Bäumen laden immer wieder Bänke dazu ein, innezuhalten und die einzelnen Stationen auf sich wirken zu lassen.

    Die lebensgroßen Figuren aus Bronze oder Kupfer wirken beinahe lebendig. In ihren Gesichtern und Körperhaltungen spiegeln sich Schmerz, Erschöpfung und Mitgefühl. Je länger man sie betrachtet, desto deutlicher tritt die jeweilige Szene hervor – als könne man für einen Augenblick nachempfinden, was die dargestellten Menschen durchleben. So wird der Weg hinauf nicht bloß zu einem Aufstieg, sondern zu einer stillen Folge von Momenten des Betrachtens und Innehaltens.

    Oben angekommen, empfängt einen die besondere Ruhe des Heiligtums. Seine Geschichte ist eng mit einer wundersamen Quelle verbunden. Der Überlieferung nach erschien die Madonna einem Holzfäller namens Bertolino, umgeben von strahlendem Licht. Bei einer weiteren Erscheinung soll am Fuß eines Baumes eine Quelle entsprungen sein. Ihr Wasser gilt den Gläubigen bis heute als heilig und wird als Zeichen des Segens verehrt.

    Die Erscheinung wird traditionell auf den 22. April 1557 datiert. Historische Dokumente belegen jedoch, dass es an diesem Ort schon früher eine Kirche und ein Kloster gab. Über Jahrhunderte prägten die Cölestiner, ein benediktinischer Mönchsorden, das Kloster. Seit dem 19. Jahrhundert betreuen die Kapuziner das Heiligtum. Auch das Tau-Zeichen, das mir im Kloster immer wieder begegnet, erinnert an den heiligen Franziskus und an ihre Geschichte.

    Heute strahlt das Kloster eine stille, beinahe romantische Schönheit aus. Mosaiken, der eindrucksvolle Kreuzweg und der friedvolle Garten laden dazu ein, den Alltag für eine Weile hinter sich zu lassen. Im Bogengang des Portikus erzählen zwanzig Mosaiken von den Geheimnissen des Rosenkranzes. Wer sich Zeit nimmt, kann immer neue Einzelheiten entdecken und die Bilder in Ruhe auf sich wirken lassen.

    Besonders der Garten bleibt mir in Erinnerung. Zwischen den alten Olivenbäumen scheinen die Wege dazu einzuladen, langsamer zu gehen. Engelstatuen halten einen Finger an die Lippen, als wollten sie leise sagen: Halte inne. Werde still. Auch die Wasserbecken mit dem heiligen Wasser gehören zu diesem besonderen Ort. Man kann sie betend durchschreiten oder einfach innehalten und das Wasser betrachten. Für viele Besucher ist es ein Zeichen der Hoffnung und des Vertrauens.

    Vielleicht ist es diese Verbindung aus Geschichte, Natur und Glauben, die das Heiligtum so eindrücklich macht. In seiner Stille scheinen die Sorgen und Katastrophen der Welt für einen Moment weit weg. Mein Weg durch den Garten wird so auch zu einem Weg nach innen: Man muss nichts suchen oder erklären, sondern darf einfach verweilen, lauschen und den Frieden des Ortes auf sich wirken lassen.

    Vielleicht ist es genau das, was Giulianova für mich ausmacht: eine Stadt, die ich immer wieder besucht habe und die doch jedes Mal neue Erinnerungen wachruft – von der belebten Küste bis hinauf in die stillen Gassen der Altstadt und zum friedvollen Heiligtum.
    Read more