• Grotta Del Cavallone

    September 9 in Italy ☀️ 25 °C

    Manche Ausflüge bleiben nicht nur wegen der Aussicht in Erinnerung. Sie bleiben, weil der Weg dorthin Kraft kostet, weil ein Ort seine Geschichten erst nach und nach preisgibt – und weil man spürt, dass die Steine schon vieles gesehen haben. So war es für uns bei der Grotta del Cavallone.

    Die Käfiggondel setzte sich ruckelnd in Bewegung. Unter uns blieb das Tal zurück, und mit jedem Meter schien die Maiella stiller und größer zu werden. Als wir ausstiegen, lag die Grotte noch vor uns: hoch oben im Fels, verborgen im Berg.

    Der Weg zum Eingang war anstrengender, als er von unten ausgesehen hatte. Wir wanderten, kletterten über steinige Stellen und mussten auf jeden Schritt achten. Als wir schließlich den Eingang erreichten, verstanden wir, warum diese Höhle Menschen seit Jahrhunderten angezogen hat. In den Felsen finden sich Namen und Jahreszahlen – Spuren von Besuchern, die vor langer Zeit hierherkamen und ihren Besuch im Stein festhielten. Die älteste bekannte Inschrift trägt die Jahreszahl 1666.

    Dann führte uns unser italienischsprachiger Guide hinein. Im Dunkel der Grotta del Cavallone wurden die Tropfsteine zu Säulen, Vorhängen und seltsamen Gestalten. Das Wasser hatte über lange Zeit den Kalkstein geformt. Man musste nur lange genug hinsehen, und der Fels begann Geschichten zu erzählen.

    Eine davon gehört den Feen der Maiella. Der Legende nach lebten sie in der Höhle und flogen hinunter zu den Dörfern. Sie halfen den Menschen, erschienen ihnen in Träumen und wussten manchmal, wo verborgene Schätze lagen. Doch irgendwann mischten sie sich zu sehr in das Leben der Menschen ein. Da, so erzählt man, verschloss man den Eingang mit Felsbrocken. Die Feen blieben im Berg zurück. Vielleicht, sagt die Sage, kann man ihr Klagen noch hören, wenn es ganz still ist.

    Doch die Grotte bewahrt nicht nur sagenhafte Erinnerungen. Im Winter 1943/44, als Taranta Peligna im Krieg zerstört wurde, suchten Frauen und Kinder in der Höhle Schutz. Sie brachten mit, was sie retten konnten, und harrten in der Dunkelheit aus. In der *Sala di Aligi* fanden sie Zuflucht vor einer Welt, die draußen aus den Fugen geraten war.

    Als wir später wieder ans Licht traten, nahmen wir all diese Geschichten mit hinaus: die Namen im Stein, die Feen der Legende und die Menschen, die hier Schutz gesucht hatten. Vielleicht ist das die Seele dieses Ortes – dass der Berg vieles in sich trägt. Spuren von Besuchern, die längst vergangen sind; Geschichten, die weitererzählt werden; und die Erinnerung an Menschen, die in seiner Dunkelheit einen sicheren Ort fanden.
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