Ninh Binh: Die friedliche Ebene ⛰️🌿
April 2 in Vietnam ⋅ ⛅ 30 °C
Ninh Binh, übersetzt die "friedliche Ebene", liegt gut zwei Stunden südlich von Hanoi und sieht aus wie die Halong-Bucht an Land: steile Karstfelsen, die statt aus dem Meer aus Reisfeldern und stillen Flüssen ragen. Im Vergleich zur Halong-Bucht ist es hier still: Auf den Flüssen fahren Ruderboote und zwischen den Felsen liegen kleine Dörfer.
Die Region zählt zu den ältesten besiedelten Gegenden Vietnams. Fast ein Jahrtausend stand Vietnam unter chinesischer Herrschaft, und als das Land sich Ende des 10. Jahrhunderts befreite, zerfiel es in zwölf verfeindete Fürstentümer. Der Mann, der sie einte, war kein Feldherr, sondern ein Waisenkind, das Wasserbüffel hütete. Schon als Junge organisierte Đinh Bộ Lĩnh die Kinder seines Dorfes zu Spielarmeen, mit Schilfblüten als Fahnen. Aus dem Spiel wurde Ernst: Er besiegte alle zwölf Warlords und gründete 968 den ersten unabhängigen vietnamesischen Staat. Als Hauptstadt wählte er ausgerechnet dieses Tal. Die Felsen bildeten eine natürliche Festung, schwer zu erobern, leicht zu verteidigen. Hoa Lư blieb gut vierzig Jahre lang Hauptstadt, bis ein späterer König den Regierungssitz nach Norden verlegte. Der Legende nach sah er am neuen Ort einen goldenen Drachen aus dem Fluss aufsteigen und nannte ihn Thăng Long, aufsteigender Drache. Daraus wurde das heutige Hanoi. Was in Ninh Binh damals strategischer Vorteil war, ist heute der Grund, warum viele Reisende herkommen.
Wir wohnten in einem Homestay in Trang An, dem nördlichen Teil der Region, quasi zwischen den Bergen. Unsere Gastgeberin sprach fließend Deutsch, weil sie einige Jahre in Deutschland gearbeitet hatte. Das ist in Vietnam weniger ungewöhnlich, als man denkt: In den Achtzigerjahren holte die DDR zehntausende junge Vietnamesen als Vertragsarbeiter in ihre Fabriken. Nach der Wende blieben viele, andere kehrten zurück, aber die Verbindung hält bis heute. Immer noch arbeiten viele Vietnamesen gezielt in Deutschland, sparen einige Jahre lang, und kommen mit dem Geld nach Hause, um eine Unterkunft oder ein Geschäft aufzubauen. Genau das macht auch unsere Gastgeberin: Sie baut ihr Grundstück Stück für Stück aus. In den kleinen Vororten reiht sich eine Unterkunft an die nächste. Die meisten sind Familienbetriebe, in denen die Großeltern kochen und die Kinder abends mit den Gästen auf der Terrasse sitzen.
Morgens schwangen wir uns aufs Fahrrad 🚲, fuhren in beliebiger Richtung los und landeten irgendwo zwischen eingeschlossenen Seen, Höhleneingängen und Tempelaufgängen. Unterwegs waren wir vor allem früh, weil es danach kaum noch auszuhalten war: bis zu 47 Grad und dazu die hohe Luftfeuchtigkeit. Nach einer Viertelstunde draußen war man komplett durchgeschwitzt.
Neben der Landschaft zieht auch Bái Đính Besucher an, die größte Pagode Südostasiens. Die Anlage erstreckt sich über mehrere Hügel und wirkt wie ein kleines Dorf aus Tempeln und Treppen. Bei Nacht sieht sie dank der Beleuchtung noch beeindruckender aus.
Abends spazierten wir den Fluss entlang, an dem unsere Unterkunft lag. Sobald es dunkel wurde, tauchten vereinzelt Glühwürmchen über dem Wasser auf. Je weiter wir uns vom Licht entfernten, desto mehr wurden es. ✨
Aber der Dschungel hört nicht an der Zimmertür auf. Fliegengitter sind unbekannt, Türen und Fenster schließen grundsätzlich nicht richtig, und so bekamen wir diversen Besuch. Am meisten ärgerten uns die Mücken, etwas nervig waren die Ameisenstraßen, aber niedlich waren die unzähligen Geckos 🦎. Wir wussten erst, wie viele wir im Zimmer hatten, wenn wir sie nachts laut klackern hörten, und hofften darauf, dass sie viel zu Fressen finden.
Trotz der tropischen Hitze war Ninh Binh ein sehr beeindruckender Ort. Wer durch Nordvietnam reist, sollte hier ein paar Tage einplanen.Read more




















Traveler
Baaahh! 😆
Traveler
Sind das unten rechts solche Ritschas?