Van Long: Affen in weißen Shorts 🐒
April 11 in Vietnam ⋅ ☀️ 30 °C
Van Long liegt eine halbe Stunde nördlich von Ninh Binh Stadt und gilt als der ruhigere Gegenentwurf zu Trang An und Tam Coc. Ganz stimmt das nicht mehr, aber es ist schon bedeutend weniger touristisch am kleinen Anleger. Die Boote sind einfacher, und wir hatten eines für uns allein. Überhaupt war hier alles persönlicher. Kaum losgefahren, drückte uns unsere Bootsfrau einen Fächer in die Hand. Als die Sonne höher stieg, kramte sie einen Sonnenschirm aus ihrer Tasche hervor, der Gold wert war. Mit unserem Handy konnte sie allerdings nicht so gut umgehen 😁.
In Van Long lebt die weltweit größte Population des Delacour-Langurs, eines der seltensten Primaten der Erde. Im Vietnamesischen heißt er "voọc quần đùi trắng", der Langur mit der weißen Hose, weil sein schwarzes Fell am Hintern weiß ist, so als trüge er Shorts. Weltweit gibt es nur noch etwa 300 Tiere, zwei Drittel davon hier. Babys kommen leuchtend orange zur Welt und dunkeln erst nach mehreren Monaten ins Schwarz-Weiß der Erwachsenen ab.
Wir hatten Glück, denn schon nach wenigen Minuten sahen wir eine kleine Gruppe, die am Flussufer auf Nahrungssuche war. Unsere Bootsfrau war scheinbar auch überrascht und steuerte uns direkt dorthin. Einer kam näher, fast bis aufs Boot und wir musterten uns Gegenseitig. Im Hintergrund kletterte ein Weibchen mit ihrem Baby scheinbar mühelos die steile Felswand hoch. Es war sehr schön, Affen außerhalb von Gefangenschaft zu sehen und es war sehr beeindruckend, wie lässig sie sich durch die Bäume schwingen. Angeblich könnten sie bis zu zwölf Meter weit springen.
Dass diese Tiere heute überhaupt noch existieren, ist nicht selbstverständlich. Jahrzehntelang wurden Languren für die traditionelle vietnamesische Medizin gejagt. Aus ihren Knochen wurde ein sogenannter Affenbalsam gekocht, ein Mittel gegen Gelenkschmerzen, das auf dem Schwarzmarkt mehrere Hundert Dollar pro Tier einbrachte. Für die Bauern der Region war das ein Vermögen. Die Art verschwand so gründlich, dass sie ab den 1960er Jahren als möglicherweise ausgestorben galt. Jahrzehntelang blieb eine Briefmarke von 1959 der einzige Beweis dafür, dass es diese Spezies überhaupt gab.
Die Wiederentdeckung gelang einem Deutschen aus Dresden. Tilo Nadler war in der DDR zum Schweißer und Kältetechniker ausgebildet worden. Der Staat bestimmte seinen Beruf, aber seine Leidenschaft waren Tiere. Heimlich hielt er Wildvögel zu Hause und betrieb Vogelkunde als Hobby. Ende der Achtziger studierte er zwei Jahre lang Robben und Vögel an einer sowjetischen Forschungsstation in der Antarktis. Kurz nach der Wende kam er für einen Dokumentarfilm über den verschollenen Langur nach Vietnam und suchte fast ein Jahr lang. Schließlich gelang ihm das erste Wildfoto seit Jahrzehnten. Zwei Jahre später gründete er das EPRC (Endangered Primate Rescue Center), eine Rettungsstation für bedrohte Primaten im nahegelegenen Cuc-Phuong-Nationalpark. In Vietnam fand er nicht nur seine Lebensaufgabe, sondern auch seine Frau, mit der er bis heute dort lebt.
Als das Reservat 2001 offiziell gegründet wurde, zählte man noch etwa 50 Tiere. Der entscheidende Schritt war ungewöhnlich: Man rekrutierte ausgerechnet ehemalige Wilderer als Ranger. 30 Freiwillige, überwiegend Bauern und Ex-Jäger, die das Gebiet besser kannten als jeder Biologe, begannen das Reservat zu patrouillieren. Gleichzeitig mussten tausende Ziegen aus den Bergen entfernt werden, die in direkter Nahrungskonkurrenz mit den Languren standen und deren Vegetation zerstörten. Seit Beginn dieser Schutzmaßnahmen wurde kein einziger Wildereifall mehr registriert. Heute leben über 200 Languren in Van Long. Die Population hat sich in gut zwanzig Jahren vervierfacht.
Das Feuchtgebiet selbst ist allerdings jünger, als man denkt. Vor 1960 war hier nur Ackerland zwischen den Karstfelsen. Dann wurde ein über 30 Kilometer langer Deich am Ufer des Flusses errichtet, um die umliegenden Siedlungen vor den jährlichen Überschwemmungen zu schützen. Die Folge hatte niemand geplant: Das Tal lief voll, die Felder versanken, und zwischen den Felsen entstand eine riesige Lagune. Was heute wie eine uralte Landschaft wirkt, ist ein Zufallsprodukt der Hochwasserkontrolle.
Die Einheimischen nennen Van Long die "wellenlose Bucht". Die Karstfelsen schirmen das Wasser so vollständig vom Wind ab, dass die Oberfläche absolut still liegt. Die Berge spiegeln sich darin, als läge eine zweite Landschaft unter Wasser. Am Grund sind Moos- und Algenteppiche mit bloßem Auge erkennbar. Neben den Languren sahen wir vor allem Reiher, und zwar in Massen. Sie nisten in Kolonien auf den Baumkronen, und man erkennt ihre Lieblingsbäume sofort, denn sie sind weiß überzogen. 🐦Read more



















Traveler
Gaaaaaanz schön. Ja, hier heute regen u arbeiten. Aber morgen sonne u kleine exkursion
Traveler
Super coole Aufnahme!