Khe Sanh - Die zurückgelassene Basis 💣
April 22 in Vietnam ⋅ ☀️ 31 °C
Khe Sanh ist ein weiterer Stopp unserer DMZ-Tour. Die Straße führt stundenlang durch die Berge, kurvenreich und grün, bis auf einem Hochplateau nahe der Grenze zu Laos ein Museum auftaucht. Hubschrauber, Panzer und verrostete Transportmaschinen stehen im Freien, dazu rekonstruierte Laufgräben und ein kleines Museum, das die Geschichte der Schlacht erzählt. Unser Guide führte uns über das Gelände.
Während des Vietnamkriegs bauten die Amerikaner auf diesem Plateau eine Militärbasis, um den Ho-Chi-Minh-Pfad zu kontrollieren, ein Netz aus Dschungelwegen entlang der laotischen Grenze, über das Nordvietnam Soldaten und Nachschub in den Süden schickte. Das Hochplateau bot Überblick über die umliegenden Täler und lag direkt an der einzigen Straße nach Laos. Anfang 1968 kreisten rund 40.000 nordvietnamesische Soldaten die Basis ein, drinnen saßen 6.000 US-Marines. Die Belagerung dauerte 77 Tage. Vierzehn Jahre zuvor hatten die Vietnamesen eine französische Garnison in einer ähnlichen Lage vernichtend geschlagen, und die Amerikaner wussten es. Der Präsident ließ sich im Weißen Haus ein maßstabsgetreues Geländemodell der Basis aufbauen und verfolgte die Lage persönlich.
Am ersten Tag traf eine Granate das Hauptmunitionslager. Fast der gesamte Vorrat ging in einer einzigen Explosion verloren, so heftig, dass sie auf Seismographen registriert wurde. Die einzige Verbindung zur Außenwelt war eine Landebahn, die unter ständigem Beschuss lag. Die Marines nannten sie "Slot Machine", nach dem Glücksspielautomaten: Ob ein Versorgungsflugzeug heil ankam, war reines Glück.
Die amerikanische Antwort war ein Bombardement von beispiellosem Ausmaß. Über 100.000 Tonnen Sprengstoff wurden auf die Umgebung der Basis abgeworfen, mehr als auf ganz Japan im gesamten Zweiten Weltkrieg. Hinter den Kulissen ging die Planung noch weiter: Das amerikanische Militär ließ taktische Atomwaffen in Richtung Vietnam verlegen. Als der Präsident davon erfuhr, stoppte er die Aktion sofort, aus Angst, China in den Krieg zu ziehen.
Während draußen Bomben fielen, spielte sich in den Bunkern ein eigener Alltag ab. Riesige Ratten überrannten die Stellungen, ein Sergeant erlegte 34 Stück und hielt damit den Rekord der Basis. In den Küchen stiegen die Temperaturen auf über 50 Grad, die Köche brachen regelmäßig zusammen. Zwischen den Bunkern bewegten sich die Marines nur geduckt im Laufschritt, um Scharfschützen auszuweichen, sie nannten es den "Khe Sanh Shuffle." Die Mahlzeiten wurden auf zwei Rationen am Tag reduziert, immer dieselben Menüs. Ein Marine bastelte aus gepressten Rationen Cupcakes. Ein Soldat erinnert sich, wie drei Kameraden sie kichernd in ihrem Bunker aßen. Einer der drei fiel noch am selben Tag.
Auf einem der Außenposten in den Bergen ließ ein Captain jeden Morgen die amerikanische Flagge hissen, begleitet von einem Trompeter. Die Nordvietnamesen antworteten jedes Mal mit Mörserbeschuss. Trotzdem wiederholte die Kompanie das Ritual jeden Morgen, weil es für die Moral wichtiger war als die Sicherheit. Über die Hälfte der Kompanie wurde getötet oder verwundet. Der Captain selbst wurde für die höchste militärische Auszeichnung der USA vorgeschlagen, erhielt stattdessen die zweithöchste Auszeichnung.
Bis heute ist nicht klar, ob die Belagerung der eigentliche Angriff war oder nur ein Ablenkungsmanöver. Neun Tage nach Beginn der Belagerung startete Nordvietnam die sogenannte Tet-Offensive und griff gleichzeitig rund 100 Städte im Süden an. Die amerikanische Führung war so auf Khe Sanh fixiert, dass sie den Aufmarsch im Rest des Landes unterschätzte. Nordvietnams Oberbefehlshaber sagte nach dem Krieg: "Khe Sanh war nicht wichtig. Es war nur eine Ablenkung."
Die Basis wurde gehalten. Doch nach der Tet-Offensive lohnte sich ein abgelegener Stützpunkt in den Bergen nicht mehr, und nur zwei Monate nach dem Ende der Belagerung räumten die Amerikaner das Gelände und zerstörten alles. Bunker wurden zugeschüttet, Stacheldraht vergraben, die Landebahn gesprengt. Nordvietnam baute die Landebahn anschließend einfach wieder auf und nutzte sie als Logistikzentrum, für genau den Nachschub, den die Amerikaner hatten stoppen wollen.
In der umliegenden Provinz liegen auf über 80 Prozent der Fläche noch nicht explodierte Kampfmittel. Gleichzeitig ist die Region um Khe Sanh für etwas ganz anderes bekannt geworden: Arabica-Kaffee, der im kühlen Bergklima wächst und zu den besten Vietnams gehört. Auf den Hügeln, die einmal unter Tausenden Tonnen Bomben lagen, wachsen heute Kaffeesträucher.Read more





















Traveler
Endlich habt ihr den richtigen geländewagen. Und ist drinne auch platz zum pennen, und tauben schießen kann man damit auch, oder?
Traveler
👍
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👍