• Huế: 13 Kaiser und ihre Marotten 👑

    April 24 in Vietnam ⋅ ☁️ 28 °C

    Die DMZ-Tour setzte uns in Huế ab. Dass diese Stadt überhaupt zu Vietnam gehört, verdankt sie einer Hochzeit. Bis ins 14. Jahrhundert war die Region Teil des Champa-Reichs, eines indisch beeinflussten Königreichs an der Küste Zentralvietnams. 1306 verschenkte der Champa-König zwei Provinzen als Mitgift, um eine vietnamesische Prinzessin heiraten zu dürfen. Aus dem Brautgeschenk wurde Jahrhunderte später die Hauptstadt Vietnams. Von 1802 bis 1945 war Huế Sitz der letzten Kaiserdynastie.

    Die riesige Zitadelle, die sie sich bauten, verbindet zwei Welten. Die Grundrisse folgen der Verbotenen Stadt in Peking, die Befestigungsanlagen einem europäischen Festungssystem. Über 20 Meter dicke Mauern umschließen drei ineinander liegende Zonen: die äußere Zitadelle für Militär und Verwaltung, die Kaiserliche Stadt für Zeremonien und ganz innen die Purpurne Verbotene Stadt, zu der nur der Kaiser, seine Familie und die Eunuchen, die kastrierten Hofdiener, Zutritt hatten. Am Eingang stehen neun riesige Bronzekanonen. Der Dynastiegründer ließ sie aus eingeschmolzenen Beutewaffen gießen und benannte sie nach den vier Jahreszeiten und den fünf Elementen.

    Die Anlage ist so weitläufig, dass man leicht einen halben Tag darin verbringt. Der Audioguide machte es nicht kurzweiliger. Monoton arbeitete er sich durch jedes Detail, und dazu waren an diesem Tag ungewöhnlich viele Besucher unterwegs. Beeindruckend war die Anlage trotzdem.

    13 Kaiser regierten von Huế aus, und die Dynastie hatte es in sich. Einer zeugte 142 Kinder. Ein anderer schaffte drei Tage auf dem Thron, wurde abgesetzt und verhungerte im Gefängnis. Tự Đức, der am längsten herrschte, blieb trotz über hundert Ehefrauen kinderlos und schrieb über 4.000 Gedichte. Seinen Tee ließ er auf besondere Weise zubereiten: Nachts ruderten Diener auf den Lotusteich des Palastes, legten Teeblätter in geöffnete Lotusblüten und banden sie zu. Morgens sammelten sie den Tau von den Blättern als Brauwasser, denn nur Wasser, das zwischen Himmel und Erde geboren wurde, sei des Kaisers würdig. Sein Grabmal mit über 50 Gebäuden ist allerdings leer. Der Überlieferung nach ließ er seinen Leichnam an einen geheimen Ort bringen und die 200 Arbeiter, die den Transport durchführten, anschließend enthaupten. Bis heute wurde das echte Grab nicht gefunden.

    Jede Mahlzeit am Hof bestand aus bis zu 50 Gerichten, zubereitet von 50 Köchen. Die Vielfalt hatte einen praktischen Grund: Bei wechselnden Gerichten ist es schwerer, den Kaiser zu vergiften. Gegessen wurde mit Stäbchen aus seltenem Kim-Giao-Holz, dem man nachsagte, sich bei Kontakt mit Gift schwarz zu verfärben. Geholfen hat es nicht immer. Der 15-jährige Kiến Phúc ertappte eines Nachts seine Adoptivmutter mit dem Regenten im Bett und drohte beiden mit Enthauptung. Zwei Tage später war Gift in seiner Medizin. Sein Nachfolger Hàm Nghi führte mit 14 Jahren einen Aufstand gegen die Franzosen an, wurde gefasst und nach Algerien verbannt. Im Exil wandte er sich der Kunst zu und malte 91 Gemälde, vorwiegend Landschaften in Violett und Gold. Der letzte Kaiser, Bảo Đại, war als Playboy bekannt und besaß schon als Teenager eine Sammlung schneller Autos. Als 1945 die Revolution ihn zum Rücktritt zwang, sagte er: "Lieber Bürger eines freien Landes als Kaiser einer versklavten Nation." Er verbrachte den Rest seines Lebens an der Côte d'Azur.

    Gut zwanzig Jahre nach der Abdankung kam der Krieg nach Huế. Nordvietnamesische Truppen nahmen die Stadt während der Tet-Offensive ein und hissten ihre Flagge auf dem Fahnenmast der Zitadelle. 25 Tage wehte sie dort. In den besetzten Vierteln riefen Kader über Lautsprecher Namen aus: Beamte, Lehrer, Intellektuelle sollten sich melden. Massengräber tauchten noch Jahre später auf. Am Ende bombardierte das US-Militär die Kaiserstadt, die es zunächst hatte schonen wollen. Von über 160 Gebäuden blieben zehn übrig.

    Sieben der 13 Kaiser ließen sich Grabmäler in der Umgebung von Huế bauen, jedes eine eigene Anlage mit Tempeln, Ehrenhöfen und Gärten. Wir besuchten das Grabmal von Khải Định auf einem bewaldeten Hügel außerhalb der Stadt. Steile Stufen führen über mehrere Terrassen nach oben. Khải Định, der vorletzte Kaiser, hatte Frankreich besucht, sich von Barock und Gotik begeistern lassen und ein Grabmal bauen lassen, das mit vietnamesischer Architektur wenig gemein hat. Von außen wirkt der Bau durch den verwitterten Beton grau und unscheinbar. Innen sind die Wände und Decken vollständig mit Mosaiken aus Glas- und Porzellanscherben bedeckt. Khải Định galt ohnehin als Marionette der Franzosen, und dass er sein Grab durch eine Steuererhöhung von 30 Prozent finanzierte, machte ihn beim Volk nicht beliebter.

    Wir hatten nur ein paar Tage für Huế. Genug für die Zitadelle und ein Grabmal, zu wenig für die sechs übrigen.
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