Da Nang - Neun Kilometer Strand 🏖️
April 27 in Vietnam ⋅ ⛅ 29 °C
Nach Da Nang kamen wir mit dem Zug. Zwischen der alten Kaiserstadt Hue und Da Nang fährt seit Kurzem ein eigener Zug für diese Strecke, der Heritage Train, der direkt an der Küste über den Hai-Van-Pass führt, die alte Grenze zwischen Nord- und Südvietnam. In einem der Waggons spielte eine kleine Kapelle die leise Kammermusik aus Hue, daneben wurden lokale Spezialitäten verkauft, und vor den Fenstern tauchte immer wieder das Meer auf.
Unser Apartment lag auf dem schmalen Streifen zwischen dem Han-Fluss und dem offenen Meer, den die Stadt fast wie eine eigene Insel behandelt. Die Lage war kaum zu schlagen. Der Strand lag direkt vor der Tür, und vom Fenster reichte der Blick über die ganze Stadt. Abends sahen wir von dort sogar die Drachenbrücke, die sich in Form eines geschwungenen Drachen über den Fluss spannt. An den Wochenenden speit ihr Kopf um neun Uhr abends erst echtes Feuer und danach Wasser, eine Show, die noch aus einiger Entfernung zu erkennen ist.
Der Strand ist der Grund, warum die meisten herkommen, und er enttäuscht nicht. Feiner, heller Sand, so weit man schauen kann. Man kann stundenlang am Wasser entlanggehen, unten im Sand oder oben auf der Promenade, an der sich Restaurant an Strandbar reiht. Das Wasser war erstaunlich warm, selbst spät am Abend, lange nach Sonnenuntergang.
Am meisten überrascht hat uns der lokale Tagesrhythmus. Das Leben am Strand beginnt hier vor Sonnenaufgang. Schon um fünf Uhr morgens ist alles auf den Beinen, Menschen schwimmen im noch dunklen Meer, andere versammeln sich in Gruppen, stellen Musik an und turnen oder tanzen miteinander, auch viele Ältere. Sobald die Sonne über dem Wasser steht und die Hitze einsetzt, leert sich der Strand fast schlagartig. Den ganzen Tag über bleibt er weitgehend den Urlaubern überlassen, die sich beim Jetski oder am Parasailing-Schirm vergnügen. Erst gegen Abend, wenn es kühler wird, füllt sich alles wieder, und das Programm vom Morgen beginnt von vorn.
So jung sich der Ferienalltag anfühlt, der Ort selbst ist uralt. Der Name Da Nang ist nicht einmal vietnamesisch. Er stammt aus der Sprache des Cham-Reichs, das hier über Jahrhunderte herrschte, bevor die Vietnamesen von Norden nach Süden vordrangen. Übersetzt bedeutet er ungefähr "großer Fluss" oder "Mündung des großen Flusses".
Diese Flussmündung war lange das Tor nach Zentralvietnam, und genau das wurde ihr einmal beinahe zum Verhängnis. 1858, mehr als hundert Jahre vor dem Vietnamkrieg, ankerte hier eine Flotte aus Frankreich und Spanien vor der Küste. Auslöser war die Hinrichtung zweier spanischer Missionare, weshalb auch Spanien Soldaten schickte, viele davon von den Philippinen. Die Bucht war schnell eingenommen, doch weiter kamen die Eroberer nicht. Die vietnamesische Armee grub sich rundherum ein und schnitt ihnen den Weg ins Landesinnere ab. Es war der Beginn der französischen Eroberung Vietnams, und sie begann mit einem Fehlschlag.
Den Rest erledigte das Klima. Die Europäer saßen in einer sumpfigen Ebene fest, und schon bald grassierten Cholera und Ruhr. Allein in drei Wochen starben zweihundert von ihnen an der Cholera, weit mehr, als die vietnamesische Armee je im Gefecht tötete. Nach gut anderthalb Jahren gaben sie schließlich auf und zogen nach Süden weiter, nach Saigon, das daraufhin zur Hauptstadt ihrer Kolonie wurde. Geblieben ist von der Episode ein kleiner Soldatenfriedhof oberhalb des Hafens, in dem die gefallenen Franzosen und Spanier liegen. Die Vietnamesen nennen ihn Y Pha Nho, ihre Schreibweise für "Spanien".
Von dieser Vergangenheit ist im Alltag von Da Nang nichts zu spüren. Die Stadt wächst schnell, und der Teil, in dem wir wohnten, dreht sich vor allem um den Urlaub. Hierher kommen nicht nur ausländische Touristen, sondern auch viele Vietnamesen aus dem Landesinneren und den umliegenden Städten. Die Preise liegen spürbar höher als im Norden des Landes, dafür gibt es von der einfachen Nudelsuppe bis zum modernen Frühstückscafé alles. Abends gab es für uns oft eine ziemlich gute Pizza am Strand. Die großen Ausflugsziele der Region, die Marmorberge und die Bergstation Ba Na Hills, liegen alle in Reichweite, doch die meiste Zeit haben wir einfach am Strand verbracht. Wenn man in Vietnam einen klassischen Strandurlaub sucht, ist man hier auf jeden Fall richtig. Wir kommen wieder.Read more

























Traveler
Tolle Aussicht 😀
Traveler
Ein Traum
Traveler
Das möchte ich auch