Tag 51: Weiter Richtung Norden
June 4 in Sweden ⋅ ☀️ 20 °C
Am Campingplatz haben wir heute noch Räucherlachs (vom Besitzer gefangen, geräuchert und filetiert) und Elchbratwürste (hausgemacht) mitgenommen. Elchbratwürste zum Ausprobieren, Räucherlachs, weil der gestern Abend sooo gut geschmeckt hat. Zunächst fuhren wir dann weiter nach Sorsele, wo es für uns 2 wichtige Sachen gibt: 1. Einen ICA, zum Lebensmitteleinkauf
2. Ein Eisenbahnmuseum, das Einblicke in die Geschichte der Inlandbanan gibt.
Wer an Schwedens Norden denkt, hat endlose Wälder, glasklare Seen und Einsamkeit vor Augen. Genau mittendurch schneidet ein technisches Meisterwerk, das fast in Vergessenheit geraten wäre: die Inlandsbanan. Auf knapp 1.300 Kilometern verbindet diese historische Eisenbahnlinie Kristinehamn im Süden mit Gällivare weit hinter dem Polarkreis.
Anfang des 20. Jahrhunderts (Bauzeit 1908–1937) hatte Schweden ein logistisches Problem: Das Inland war im Grunde unerschlossen, und die wichtige Bahnlinie an der Ostküste war im Falle einer Invasion extrem verwundbar. Die Inlandsbanan wurde deshalb als strategische Sicherheits- und Verteidigungsroute tief in die Wälder gebaut.
Zehntausende Bahnarbeiter (Rallare) trotzten jahrzehntelang Mücken, eisigen Wintern und härtestem Terrain, um die Gleise Schaufel für Schaufel zu verlegen. Doch mit dem Ausbau der Straßen verlor die Strecke an Bedeutung. 1992 stand sie kurz vor dem endgültigen Aus, bis sich die anliegenden Gemeinden zusammenschlossen und die Bahn retteten.
Heute ist die Strecke im Sommer (ca. Mitte Juni bis Ende August) ein absolutes Highlight für Naturbegeisterte. Der Zug ist hier kein reines Transportmittel, sondern rollendes Kulturprogramm: Die Zugbegleiter fungieren als Guides, teilen Anekdoten, und es wird gestoppt, wenn Elche auf den Schienen stehen oder die Fahrgäste Fotos am Polarkreis machen wollen.
Selbst das Essen wird vorab per App oder Zugchef bestellt: An kleinen Bahnhöfen sammelt man dann fangfrischen Fisch, Rentiergeschnetzeltes oder frische Moltebeeren von lokalen Höfen ein.
Durch die veränderte geopolitische Lage in Nordeuropa und den NATO-Beitritt Schwedens rückt der strategische Wert der Inlandsbanan für den zivilen und militärischen Schutz aktuell wieder voll in den Fokus. Es wird kräftig in die Instandhaltung investiert.
Neben den klassischen Triebwagen gibt es spektakuläre Nostalgiezüge – teilweise mit echten Dampflokomotiven und eleganten Speisewagen aus den 1940er Jahren, die das Flair der alten Pionierzeit perfekt aufleben lassen.
Dieses Wissen haben wir uns im kleinen Eisenbahnmuseum im Sorsele mühsam mit Übersetzungsprogramm angeeignet. Das Museum ist nett und durchaus einen Besuch wert. Vor allem auch, weil hier eine kompetente Schweizerin, die seit 18 Jahren in Sorsele lebt, Regie führt. Sie betreut das Museum, das der Gemeinde gehört. Dazu hat sie ein kleines Café eröffnet, wo es herrliche Waffeln gibt. Und sie gibt auch Auskunft über die Umgebung von Sorsele, was allerdings mangels Aktivitätsmöglichkeiten ein eher verzweifeltes Unterfangen ist.
Leider war es uns auch verwehrt, die Inlandsbanan selber zu genießen, weil sie erst ab Mittsommer wirklich in Betrieb geht.
Nach diesem netten Intermezzo fuhren wir weiter Richtung Norden, wo wir einem Tipp der Frau in Sorsele folgten und eine kurze, aber wirklich empfehlenswerte Wanderung zum Gimegolts Canyon machten bevor wir wieder über 100 km auf schnurgerader Straße durch absolutes Nichts (keine Siedlung, keine Menschen, keine Autos) abspulten. Auf einem schönen Übernachtungsplatz konnten wir dann auch noch die Nachtsonne genießen.Read more













Traveler
Bewegendes Sonnenfest!
Staunend reisen mit EdithJa, ich finde das so schön