Tag 63: Von der Burg zum Skulpturenpark
June 16 in Finland ⋅ ☁️ 19 °C
Heute konnten wir am kleinen Hafen, an dem wir übernachtet haben, noch unseren Wassertank auffüllen. Dann fuhren wir weiter nach Savonlinna, zur angeblich schönsten Burg Finnlands.
Savonlinna mit ihren 31.000 Bewohner:innen liegt mitten im tiefen Blau des Saimaa-Seengebiets. Diese Stadt verbindet wie keine zweite in Finnland Kultur und unberührte Natur. Auf mehreren Inseln erbaut, gleitet man hier förmlich durch eine Landschaft aus glitzerndem Wasser, historischen Holzhäusern und dichten Wäldern. Doch das unbestrittene Kronjuwel der Stadt thront auf einer eigenen, felsigen Insel inmitten einer starken Strömung – die mittelalterliche Burg Olavinlinna.
Gegründet im Jahr 1475 vom dänischen Ritter Erik Axelsson Tott, sollte die Burg die Ostgrenze des schwedischen Reiches gegen die Russen sichern. Benannt nach dem heiligen Olaf, ist Olavinlinna heute die am besten erhaltene mittelalterliche Steinfestung Nordeuropas. Wer die hölzerne Brücke zur Burg überquert und die dicken, kühlen Mauern betritt, spürt sofort die Jahrhunderte der Belagerungen, Machtkämpfe und Legenden.
Heute fliegen hier allerdings keine Kanonenkugeln mehr, sondern hochkarätige Töne. Jeden Sommer verwandelt sich der imposante Innenhof der Burg in eine der spektakulärsten Kulturbühnen der Welt. Die Opernfestspiele von Savonlinna locken Musikbegeisterte aus aller Welt an. Die Akustik innerhalb der mächtigen Steinwände, kombiniert mit den magischen, hellen Sommernächten Finnlands, soll für eine absolut unvergleichliche Atmosphäre sorgen. Wir wurden Zeugen einiger Gesangsproben und schon dieses Erlebnis ist wirklich überwältigend.
Nach den historischen Eindrücken der Burg zog es uns weiter zu einem der skurrilsten und faszinierendsten Orte ganz Finnlands: dem Skulpturenpark in Parikkala. Mitten in einem dicht eingewachsenen, fast verwunschenen Waldgarten verbirgt sich hier das Lebenswerk des eigenbrötlerischen Künstlers Veijo Rönkkönen (1944-2010).Über 50 Jahre lang schuf er rund 500 lebensgroße Betonfiguren, die heute wie versteinerte Waldgeister zwischen den Bäumen lauern.
Beim Spaziergang durch die verschlungenen Pfade weiß man oft nicht, ob man staunen oder leicht schaudern soll. Besonders berühmt ist die große Gruppe von rund 200 Figuren, die in komplexen Yoga-Posen verharren – ein stummer, dynamischer Ausdruck im grünen Dickicht. Viele der Statuen besitzen künstliche Augen und sogar echte Zahnprothesen, was ihnen einen unheimlich lebendigen, fast magischen Ausdruck verleiht. Ein absolut einzigartiges Open-Air-Kunsterlebnis, das einen tiefen, unvergesslichen Eindruck hinterlässt und zeigt, wie fließend in Finnland die Grenzen zwischen Kunst und wilder Natur sind.
Nach diesen beiden sehr beeindruckenden Besichtigungen war für heute genug. Wir haben diesen feinen, an einem kleinen Hafen gelegenen Übernachtungsplatz gefunden. Jetzt regnet es gerade, aber wir haben es hier ganz schön gemütlich.Read more

























TravelerIch merke gerade, dass mich eure finnischen Erlebnisse berühren. Möchte dieses Land nach fünfzig Jahren gern einmal wieder sehen!