Tag 64 und 65: Lappeenranta und Hamina
June 18 in Finland ⋅ ☀️ 16 °C
Wir sind immer noch ganz nahe an der russischen Grenze. Von unserem Übernachtungsplatz war es nicht weit nach Imatra, wo es in einem Prisma Supermarkt eine perfekte Anlage zum Wäschewaschen gibt. Die haben wir genutzt und während Waschmaschine und Trockner auf Hochtouren arbeiteten, nutzten wir die Gelegenheit um zu frühstücken und einzukaufen. Mehr gab es dann in Imatra auch nicht zu tun.
Wir sind ja jetzt unterwegs Richtung Süden. Hier wurde uns empfohlen, Lappeenranta zu besuchen. Die 73.000 Einwohner:innen zählende Stadt, ist so wie viele finnische Städte: Holzhäuser, schönes Rathaus und sonst nicht viel. Für uns ist immer auch der geschichtliche Hintergrund interessant: „Lappeenranta“ bedeutet übersetzt etwa „Der Strand von Lappee“. Der schwedische Name Villmanstrand bedeutet skurrilerweise „Wildmannstrand“ – deshalb zeigt das Stadtwappen bis heute einen wilden, nackten Mann mit Keule.
Lappeenranta präsentiert sich heute als ruhige Grenzstadt, deren modernes Gesicht zwar unaufgeregt wirkt, in deren historischer Festung aber die bewegte Vergangenheit als Spielball zwischen Schweden und Russland spürbar bleibt. Direkt an ihren Ufern beginnt der geschichtsträchtige Saimaa-Kanal, der über Jahrzehnte als logistische Lebensader den riesigen See mit der Ostsee verband. Heute ist dieses imposante Bauwerk mit seinen riesigen Schleusen zu einem stillen Symbol der Weltpolitik geworden, da der Schiffsverkehr durch den russischen Streckenabschnitt infolge der geschlossenen Grenzen faktisch lahmgelegt ist. Statt großer Frachter ziehen nun vor allem lokale Ausflugsboote an den finnischen Schleusen vorbei und bieten Reisenden einen fast schon melancholischen Blick auf eine blockierte Wasserstraße. So verschmelzen Stadt und Kanal in der Gegenwart zu einem Ort des Innehaltens, an dem man die Tragweite europäischer Geschichte hautnah spüren kann.
Nach diesem Stadtbesuch fuhren wir dann noch weiter nach Hamina (auch dafür hatten wir einen Tipp bekommen), wo wir gestern übernachteteten und heute noch den Ort besuchten.
Hamina empfing uns mit einer städtebaulichen Besonderheit, die man in Nordeuropa kaum vermutet: Die historische Festungsstadt ist in einem seltenen, kreisrunden Radialsystem angelegt, bei dem alle Straßen wie Speichen auf das zentrale Rathaus zulaufen. Beim Schlendern entlang der alten Wallanlagen wird die strategische Bedeutung dieses Ortes sofort greifbar, der einst als schwer befestigte Bastion die Grenze zwischen den Imperien Schweden und Russland sicherte. Heute verströmen die alten Holzhäuser in den runden Gassen eine herrlich unaufgeregte, fast museale Ruhe abseits der typischen Touristenpfade. Besonders imposant ragt die riesige finnische Flagge am Hafen in den Himmel, die als stolzes Symbol der Unabhängigkeit weit über die Schärenküste hinausreicht. Nach dieser relativ kurzen Wanderung in der Stadt und um die Wehrmauern machten wir uns auf den Weg nach Pellinki/Pellinge. Dazu im nächsten Footprint.Read more




















