• ​Ein Tag auf istrischen Ab- und Nebenwegen

    October 18 in Croatia ☀️ 22 °C

    Die Ruinenstadt Dvigrad lag am Morgen nur wenige Schritte von unserem Stellplatz entfernt. Im milden Frühlicht streiften wir durch die verfallenen Mauern der einst mächtigen Festungsstadt, die im 17. Jahrhundert nach Pest und Malaria endgültig von ihren Bewohnern verlassen wurde – ein mystischer, fast verwunschener Auftakt für diesen Tag.

    Weiter ging die Fahrt über abenteuerlich schmale, gewundene Zufahrten hinauf nach Grožnjan. Das mittelalterliche Künstler-Dorf begeistert mit seinen schmalen Natursteingassen, Atelierfenstern und dem weiten Blick über das Mirna-Tal. Hier schnürten wir die Wanderschuhe für einen Abschnitt der Parenzana: Die einstigen Gleise der schmalspurigen Eisenbahnlinie, die von 1902 bis 1935 Triest mit Poreč verband, bilden heute einen der schönsten Panorama-Wanderwege Istriens. Entspannt geht es entlang der Trasse durch eine herrlich ruhige Naturlandschaft.

    Unser nächstes Ziel war das verträumte, teilweise verlassene Hilltop-Dorf Završje, bevor es weiter Richtung Oprtalj ging. Eigentlich lag Oprtalj gar nicht auf unserem Plan, doch der Weg nach Livade sollte uns hindurchführen. Dort angekommen, war allerdings Schluss: Sackgasse! Die Ortsdurchfahrt war wegen des jährlichen Kastanienfestes komplett gesperrt. Kurzentschlossen tauchten wir ins Getümmel ein – Volksfeststimmung, Musik und dichtes Treiben. Nach den ruhigen Stunden am Morgen war uns der Trubel jedoch schnell zu viel, sodass wir abdrehten.

    Ein Umweg von gut 30 Kilometern über teils knifflige Ausweichrouten kostete Zeit und Nerven, bringt einen aber genau zu den Geschichten, die hängen bleiben. Am Ende erreichten wir Livade nahe der slowenischen Grenze. Der Ort gilt als das Trüffelzentrum Istriens – und das späte Abendessen im Restaurant hat uns für jede Straßensperre und jeden Umweg vollauf entschädigt.

    Ein Tag voller Hindernisse und überraschender Wendungen, aber genau diese Mischung macht das Reisen aus. Jetzt steht unser Camper direkt auf dem Parkplatz des Restaurants, und die Ruhe der istrischen Nacht hat übernommen.
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