• Dracula, Bären & 1’480 Stufen 😈

    August 18 in Romania ⋅ ☁️ 13 °C

    Um 9.15 Uhr heisst es Abschied nehmen von unserem wunderschönen Platz am Bach bei Baia de Fier. Ein bisschen Wehmut ist dabei – aber Rumänien hat heute ein ziemlich volles Programm für uns. 🚐💨

    Unser Ziel: Poenari. Nicht Bran, die berühmte Dracula-Touristenburg, sondern die Festung, die tatsächlich eng mit Vlad III. Drăculea – Vlad Țepeș, dem „Pfähler“ – verbunden ist. Und wenn wir schon zu Dracula wollen, dann bitte zum richtigen. 😈🏰

    🥩 Erst Proviant, dann Dracula

    Unterwegs müssen die Vorräte aufgefüllt werden. Wir versuchen möglichst lokal einzukaufen, was uns eigentlich am besten gefällt. In einem modernen rumänischen Geschäft finden wir fast alles – nur beim Fleisch sieht es etwas schwieriger aus. Grillfleisch? Fehlanzeige. Balsamico-Crema? Ebenfalls irgendwo im rumänischen Nirwana verschwunden. 😄

    Dann taucht zufällig ein Lidl auf. Und ja … ich gebe es zu: Das Fleisch sieht dort einfach schöner aus. Lokalpatriotismus hin oder her – manchmal gewinnt halt das Auge. 😂

    Viel schöner sind aber die kleinen Gemüse- und Früchtestände entlang der Strasse. 🍅🥒🍑 Hier gibt es keine Berge von Ananas, Orangen oder Mandarinen. Dafür das, was hier wächst: Tomaten, Gurken, Aprikosen, Äpfel, Birnen, Nektarinen, Pfirsiche, Kartoffeln und Zwiebeln.

    Manchmal besteht ein ganzer Stand praktisch nur aus Zwiebeln. 🧅 Wer hier anhält, muss jedenfalls nicht lange überlegen, was es zum Abendessen gibt. 😂

    Und genau solche Einkäufe mögen wir. Ein paar Worte, ein Lächeln, Hände und Füsse, wenn die Sprache nicht reicht – und plötzlich ist der Einkauf viel mehr als nur Lebensmittel besorgen. ❤️

    🏰 1’480 Stufen – Vlad hätte auch eine Seilbahn bauen können

    Dann steht sie über uns: Cetatea Poenari.

    Die Festung thront spektakulär auf einem Felsen über dem Argeș-Tal. Eine Befestigung gab es hier bereits im Mittelalter; im 15. Jahrhundert liess Vlad III. die strategisch gelegene Anlage ausbauen. Von hier oben konnte der Zugang durch das Tal hervorragend kontrolliert werden.

    Vlad war Fürst der Walachei und kämpfte in einer brutalen Epoche um Macht und gegen die Expansion des Osmanischen Reiches. Seinen Beinamen Țepeș – „der Pfähler“ bekam er wegen seiner berüchtigten Hinrichtungsmethode. Jahrhunderte später wurde sein Name mit Bram Stokers Dracula verbunden – obwohl Stokers Graf Dracula viel mehr Literatur als historische Biografie ist. 🧛

    Um zu Vlad zu gelangen, fehlen uns allerdings zwei Dinge: Pferde und Bedienstete.

    Dafür gibt es 1’480 Treppenstufen. 😳

    Also hoch.

    Und hoch.

    Und immer noch hoch.

    Irgendwann fragt man sich, ob Dracula seine Besucher vielleicht schon erledigen wollte, bevor sie überhaupt oben ankamen. 😂

    Aber wir schaffen es! 💪 Oben angekommen werden wir mit einer gewaltigen Aussicht über die Schlucht und die bewaldeten Berge belohnt. Die Festung selbst ist heute nur noch teilweise erhalten – aber genau das macht ihren Reiz aus. Hier braucht es keine künstliche Dracula-Kulisse. Die Mauern, die Berge und die Geschichte reichen völlig.

    Und Noldi trifft Vlad höchstpersönlich. Zumindest beinahe. Das Beweisfoto existiert. 😂

    🏔️ Und dann beginnt eine der verrücktesten Strassen Europas

    Nach unserem Besuch bei Vlad geht es weiter auf die Transfăgărășan – die DN7C.

    Diese spektakuläre Hochgebirgsstrasse wurde hauptsächlich Anfang der 1970er-Jahre während der Herrschaft von Nicolae Ceaușescu gebaut. Nach dem Einmarsch der Sowjetunion in die Tschechoslowakei 1968 wollte Rumänien eine strategische Verbindung quer durch die Făgăraș-Berge schaffen, über die im Ernstfall Truppen schnell verlegt werden konnten.

    Dafür wurde eine Strasse durch eine Landschaft gebaut, die eigentlich ziemlich deutlich sagt:
    Hier gehört keine Strasse hin. 😄

    Heute gehört die Transfăgărășan zu den berühmtesten Panoramastrassen Europas. Kurven, Schluchten, steile Felswände, Wasserfälle und immer wieder Ausblicke, bei denen man automatisch langsamer wird.

    🐻 Und plötzlich wird es ziemlich bärig

    Auf der Südseite wartet noch jemand auf uns.

    Meine Bärenwarnkarte zeigt Tiere ganz in unserer Nähe an – und tatsächlich dauert es nicht lange.

    Bären! 🐻

    Nicht irgendwo weit hinten im Wald. Nein. Direkt an und neben der Strasse.

    Wir sehen einzelne Tiere und auch Bärenmütter mit Jungtieren. Natürlich geht sofort die Kamera hoch. Sie sehen friedlich und unglaublich putzig aus – aber genau darin liegt das Problem.

    Die Bären entlang dieser Strecke wurden immer wieder von Menschen gefüttert. Dadurch verlieren sie ihre natürliche Scheu und lernen: Auto = Mensch = Futter.

    Das ist für die Tiere gefährlich und für Menschen ebenso. Ein Bär, der regelmässig Futter bei Menschen sucht, kann irgendwann zum Problembären werden – und am Ende bezahlt häufig der Bär dafür. Deshalb gilt ganz klar: anschauen ja, Abstand halten ja, fotografieren ja – füttern niemals. 🐻❤️

    Sogar die Polizei fährt auf und ab und versucht mit Sirenen, die Tiere von der Strasse zu verscheuchen.

    Die Bären?

    Interessiert das ungefähr so sehr wie Noldi die Gebrauchsanweisung eines neuen Gerätes. 😂

    Und natürlich stehen die meisten ausgerechnet auf Noldis Seite. Ich habe langsam den Verdacht, dass er heimlich einen Vertrag mit der rumänischen Bärenvereinigung abgeschlossen hat.

    🌬️ Unser Nachtplatz – willkommen im Windkanal

    Am späten Nachmittag erreichen wir unseren heutigen Nachtplatz hoch oben an der Transfăgărășan. Der Kilometerzähler zeigt 83’969 km.

    Aussteigen?

    Ähm … nein. 😂

    Draussen bläst es derart, dass wir vermutlich schneller wieder unten im Tal wären als Sprinti. Der Wind pfeift ums Auto und geht durch Mark und Knochen. Also machen wir es uns drinnen gemütlich. 🚐💨

    Und dann beginnt mein kulinarisches Experiment des Tages.

    Cevapcici, rohe Teigwaren, Tomatensosse, Crème fraîche, Reibkäse und Eierschwämme wandern gemeinsam in den Omnia.

    Alles untereinander.

    Deckel drauf.

    Und hoffen. 😂

    Das Schöne am Campen ist ja: Wenn das Essen gelingt, hat man ein neues Rezept erfunden. Wenn nicht, nennt man es einfach rumänischen Expeditionsauflauf und behauptet, das müsse so sein. 😜

    Was für ein Tag: ein stiller Bach am Morgen, Gemüseverkäufer am Strassenrand, 1’480 Stufen zu Vlad, eine echte mittelalterliche Festung, die wilde Transfăgărășan, Bärenmütter mit Nachwuchs und zum Schluss Sturm auf dem Berg.

    Mehr Rumänien passt vermutlich kaum in einen einzigen Tag. ❤️🇷🇴

    Jetzt wird Sprinti ordentlich durchgeschüttelt, während wir uns drinnen einkuscheln. Morgen sehen wir weiter – vorausgesetzt, der Wind hat uns über Nacht nicht samt Sprinti nach Bulgarien verfrachtet. 😂🚐💨

    Gute Nacht von irgendwo hoch oben in den Karpaten. 🌙🐻❤️
    Read more