Gold, Götter & Seegras 💰⚡🌿
August 24 in Romania ⋅ ☀️ 32 °C
Die Nacht am Gilort war herrlich ruhig. Direkt neben Sprinti rauschte der Bach und übernahm kostenlos die Funktion unserer Einschlaf-App. Kein Abo, keine Werbung und garantiert kein Update mitten in der Nacht. 💧😴
Gestern Abend beobachtete ich den Mond, der immer wieder hinter den Wolken verschwand. Sobald er wieder hervorkam, wurde es draussen schlagartig hell – als hätte jemand am Himmel eine riesige Taschenlampe eingeschaltet. 🌙🔦
Nur die Tierwelt glänzte durch vollständige Abwesenheit. Kein Bär, kein Wolf, nicht einmal ein neugieriges Eichhörnchen. Offenbar war unser Nachtplatz in tierischen Kreisen noch nicht auf Google Maps eingetragen. 🐻🚫
Am Morgen erschien immerhin ein wunderschöner orangefarbener Schmetterling zum Fototermin. Er sass geduldig Modell und verlangte weder Gage noch Veröffentlichungskontrolle. 🦋📷
Dann machten wir Sprinti startklar und verliessen unseren Bachplatz. Über Târgu Jiu führte uns die DN67D Richtung Tismana, wo wir um 12 Uhr das eindrucksvolle Kloster besuchten. ⛪
Von aussen wirkt Tismana wie ein friedlicher Ort für Gebete, Besinnung und klösterliche Ruhe. Doch hinter diesen Mauern spielte sich während des Zweiten Weltkriegs eine Geschichte ab, die problemlos als Krimi durchgehen würde. 🕵️♀️
Wir schreiben das Jahr 1944: Die sowjetische Armee rückt näher, die deutschen Truppen ziehen sich zurück – und irgendwo dazwischen liegt der Goldschatz der rumänischen Nationalbank. Keine besonders entspannte Ausgangslage. 💰😬
Also beginnt die streng geheime „Operation Neptun“.
Das Gold wird in zahlreichen Transporten von Bukarest nach Tismana gebracht. Die Fahrzeuge nehmen unterschiedliche Wege, damit mögliche Verfolger die Spur verlieren. Soldaten sollen sich sogar als Mönche verkleidet haben. Männer in Kutten, ein abgelegenes Kloster und jede Menge Gold – Dan Brown hätte daraus vermutlich sofort drei Bücher und Netflix noch am selben Abend eine Serie gemacht. 🥷⛪💰
Zuerst wird der Schatz im Keller des Klosters versteckt. Doch dieser scheint den Verantwortlichen nicht sicher genug. Also kommen Bergleute aus dem Jiu-Tal zum Einsatz. Das Gold wird in eine Höhle gebracht, der Eingang zugemauert und sorgfältig getarnt.
Und dann heisst es: schweigen, beten und möglichst unschuldig aussehen. 🤫🙏
Bis 1947 blieb der Schatz dort verborgen und konnte später vollständig nach Bukarest zurückgebracht werden. Kein Bösewicht entkam mit dem Gold, kein verkleideter Mönch wurde bei einer wilden Verfolgungsjagd erwischt – aber das Drehbuch wäre trotzdem fertig.
Nach diesem Ausflug in die rumänische Kriminalgeschichte fuhren wir weiter über Baia de Aramă durch den Kreis Mehedinți. Um 13:41 Uhr befanden wir uns bei Godeanu.
Die Strasse wurde kurviger, die Wälder dichter und die Dörfer kleiner. Kurz gesagt: Noldi war zufrieden. Geradeaus kann schliesslich jeder. 🚐😄
Sprinti schlängelte sich immer tiefer in das Tal der Cerna hinein. Der Fluss hat sich dort zwischen dem Cerna- und dem Mehedinți-Gebirge eine wilde Schlucht geschaffen. Steile bewaldete Hänge, Kalksteinfelsen, Höhlen und heisse Quellen begleiteten uns auf der Fahrt. 🌲⛰️
Gegen 15:30 Uhr erreichten wir Băile Herculane. Bevor wir uns jedoch mit fast zweitausend Jahren Geschichte beschäftigten, mussten wir zuerst ein wesentlich dringenderes Problem lösen: Hunger und Durst.
Die Lösung bestand aus einer Orangen-/Zitronenlimonade und einer wirklich leckeren Pizza. 🍕🍊🍋 Manchmal braucht es keine Operation Neptun, sondern einfach nur eine Speisekarte.
Băile Herculane war bereits bei den Römern bekannt. Eine Inschrift aus dem Jahr 153 nach Christus erwähnt die „heiligen Wasser des Herkules“. Der Legende nach soll sich Herkules persönlich in den warmen Quellen erholt haben. Nach seinen ganzen Heldentaten hatte der arme Mann vermutlich dringend ein Wellness-Wochenende nötig. 🏛️♨️
Im 19. Jahrhundert wurde aus dem römischen Badeort das elegante österreichische Herkulesbad. Adelige und wohlhabende Kurgäste reisten aus ganz Europa an. Auch Kaiserin Sisi war hier zu Besuch. Kaiser Franz Joseph soll Herkulesbad sogar als einen der schönsten Kurorte des Kontinents bezeichnet haben. 👑
Noch heute stehen prächtige Badehäuser, Hotels und die Herkulesstatue zwischen den steilen Berghängen. Einige Gebäude strahlen wieder, andere sehen aus, als würden sie seit Sisis Abreise leicht beleidigt auf ihre Renovation warten. Gerade diese Mischung aus kaiserlichem Glanz und gepflegtem Zerfall macht den Ort besonders spannend.
Danach führte uns die Strasse weiter Richtung Orșova und schliesslich an die Donau. Bei Eșelnița fanden wir unseren Schlafplatz direkt am Wasser. Auf unserer Seite liegt Rumänien, auf der anderen bereits Serbien. Dazwischen fliesst ganz gelassen die mächtige Donau. 🇷🇴🌊🇷🇸
Was uns wirklich erstaunt: Rundherum ist alles trocken, doch vor uns liegt die Donau breit und mächtig, als hätte sie von der europäischen Dürre noch nie etwas gehört. 🤔
Das Geheimnis liegt weit flussaufwärts. Die Donau sammelt Wasser aus einem riesigen Teil Europas und wird unterwegs von grossen Flüssen wie Drau, Theiss und Save gefüttert. Bei Eșelnița kommt noch ein kleiner Trick dazu: Das Kraftwerk am Eisernen Tor staut den Fluss auf. Dadurch fliesst das Wasser langsamer, breitet sich aus und wirkt beinahe wie ein gewaltiger See. Europa schwitzt – die Donau macht auf gut gefüllt. 💧😅
Ein paar junge Angler auf unserem Platz zeigten uns unterdessen sehr anschaulich, wie das Angeln hier funktioniert. 🎣 Rute auswerfen, kurz warten – und schon zappelt etwas Grünes am Haken. Kein Fisch, dafür ein prächtiger Büschel Seegras. 🌿
Beim nächsten Versuch dasselbe Spiel: auswerfen, hängen bleiben, Seegras einholen. Die Donau scheint hier ein besonders grosszügiger Selbstbedienungsladen für Wasserpflanzen zu sein. 😂
Noldi überlegte trotzdem kurz, seine Fischerrute auszupacken. Nach dieser erfolgreichen Vorführung entschied er sich jedoch dagegen. Schliesslich hatten wir heute bereits Pizza – und Seegras mit Seegrasbeilage stand nicht mehr auf unserem Menüplan. 🎣🌿🍽️
Die Rute blieb also in Sprinti. Man muss auch einmal wissen, wann man gegen die Natur verloren hat. 🤣
Und nun sitzen wir hier direkt an der Donau, schauen hinüber nach Serbien – und schwitzen wie verrückt. 🥵🔥
Vom kühlen Bachrauschen über einen geheimen Goldschatz und römische Wellness bis zur Seegras-Fischerei an der Donau: Langweilig war dieser Tag definitiv nicht.Read more



























Traveler
Tolles Foto 👏👏
Traveler
Das Bild mit der Libelle ist der Hammer!
su-no-auf-reisen
Danke euch beiden