• Von Guillaumes nach Aix-en-Provence

    August 6, 2025 in France ⋅ ☁️ 25 °C

    Wir starten in Guillaumes - voller Vorfreude und mit vollem Tank 🏍️⛽️ - einem kleinen Nest in den Seealpen, wo die Welt definitiv noch in Ordnung ist. Heute steht einiges auf dem Plan – und das Wetter spielt auch mit. Juhuii.

    🪨 Kurz nach dem Start geht’s gleich rein in die Gorges de Daluis. Diese Schlucht ist ein echtes Natur-Spektakel: Die Felsen leuchten rostrot, fast wie frisch lackiert, der Fluss unten (das bissler Wasser, was halt drin ist) schimmert türkis und die Strasse ist lediglich ein schmales Band. Immer wieder kleine Tunnel, einspurig, stockfinster, aber irgendwie geil. Du fährst durch und denkst dir: wow, das kann kein Navi dieser Welt richtig einfangen. Apropos Navi👿…

    Weil wir brav dem Navi folgen📍🙄 (man will ja artig sein), biegen wir plötzlich falsch ab. Zack – finden wir uns in Daluis Zentrum wieder. Klingt gross, ist’s aber nicht. Drei Spitzkehren, die uns den Schweiss in den Helm treiben, führen uns direkt in die Sackgasse. Die Mama flucht, ich lache. Google? Merci pour rien. Das war nix. Wieder retour, bisschen z’samreissen und weiter geht’s.

    Nach den roten Felsen kommt wieder mehr Grün. Die Landschaft wird lieblicher, kurviger, etwas weniger dramatisch. Wir gönnen uns eine Pause an einem kleinen Stausee bei Castellane – Jausenzeit! Kein Supermarkt, kein Ramba-Zamba, einfach ein Betonmauerchen, das Wasser glitzert und wir mampfen was aus der Boardküche. Brot, Cervelat – alles da.

    Dann wartet die nächste Natur-Sensation auf uns: die Gorges du Verdon. Die grösste Schlucht Europas, sagt man. Und ja – es ist mächtig beeindruckend. Kalkfelsen, die senkrecht in den Abgrund stürzen, Wasser in knalligem Türkis und kurvige Strassen mit Ausblicken, bei denen man fast vergisst, Gas zu geben.

    Wär alles super, wenn nicht die anderen Verkehrsteilnehmer wären. Handy am Steuer, keine Ahnung von Einparkmanövern und lieber das Selfie als den Seitenspiegel im Blick. Wisch, wisch, zack, bumm. Es ist ein Wunder, dass wir da unfallfrei durchkommen. Und ein Wunder, dass ich nicht irgendwann absteig und jemanden erziehe.

    Wir streifen Moustiers-Sainte-Marie, ein süsses Städtchen mit einer legendären Kapelle hoch oben im Felsen. Die Mittagshitze brennt, der Magen knurrt, und wir wollen runter an den See. 🍕❌🤨 Am Lac de Sainte-Croix entdecken wir ein hübsches Restaurant mit Seeblick. Der Kellner winkt uns direkt zu einem Tisch – grossartig! Er reicht uns die Speisekarte. Eine ganze Seite Pizza, wir bestellen zwei. Und dann? Sagt der Kellner ganz trocken: „Pizza gibt’s keine.“

    Wir: „Äh… aber… da… auf der Karte…?“
    Er: „Ihr hättet das vorher sagen müssen.“
    Ich: „Wie bitte?!“
    Wir schauen ihn an, er schaut uns an – es ist ein einziges grosses Fragezeichen auf der Terrasse. Dann sagt er: „Ich frag mal in der Küche.“
    Wir dürfen noch nichts trinken bestellen. Also warten wir brav. 386 Grad, aber im Schatten, immerhin. Dann kommt er zurück und bringt… eine neue Karte. Vollgas. Von „nix gibt’s“ zu „gibt’s alles“. Wir schauen uns nur mehr an. Frankreich, mon amour. Am Ende gibt’s Ceasar Salat, weil Pizza gibt es keine. Und der war sogar ziemlich gut.

    Nach der Verwirrung wieder rauf aufs Motorrad. Es geht durch goldene Felder, vorbei an Lavendelresten (die Ernte wahr wohl schon, weil es sind nur noch die abgestutzten Lavendel-Stöcke übrig), durch Dörfer mit Namen wie Quinson oder Montmeyan (wie man das ausspricht: keinen Blassen🤷‍♀️). Kurven, Sonne, Hitze, aber auch Ruhe, Duft und Landschaft pur.

    Am späten Nachmittag erreichen wir Aix-en-Provence. Definitiv ein Kontrastprogramm zum wilden Schluchtenritt von heute. Das Städtchen empfängt uns mit heisser Spätnachmittagssonne, Lavendelduft in der Luft und einem Hauch südfranzösischem Savoir-vivre.

    Wär alles perfekt gewesen, wenn nicht vorm Hotel… naja… also… ich hab’s geschafft, mein Motorradl im wahrsten Sinne des Wortes vor dem Hoteleingang abzulegen. 😅🙈 Einmal nicht konzentriert, bisschen zu viel Seitenneigung, ein bisserl zu schwer bepackt: zack, da liegt die Pixxn schon. Und ich lieg daneben und zum Glück nicht drunter. Eleganz war da keine dabei, aber immerhin auch kein Schaden. Weder am Bike noch an mir (ausser ein blauer Fleck). Nur mein Stolz ist dezent gestaucht. Die Mama? Hat natürlich schon parat gestanden mit einem “Ach herjeh😱!” im Blick, aber dann gleich geholfen, das arme Ding wieder aufzustellen. Merci beaucoup. 🙈

    Etwas zerzaust und mit Helm unterm Arm checken wir ein. Der Wunsch nach einer Dusche war definitiv gross. 🚿💦
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