• Isla Suriqui

    July 9, 2023 in Bolivia ⋅ ☀️ 13 °C

    Stellt euch eine traumhafte Insel inmitten des Sees vor. Abgesehen davon dass der See in einen kleinen und einen großen See unterteilt wird. Von Huatajata aus steuern wir mit der Fähre eine Stunde über den ‚kleinen‘ See. Fermin‘s Verwandtschaft wohnt hier und er hat selbst ein kleines Haus. Das größte Dorf der Insel befindet sich in einer Bucht. Doch hier zeigen sich bereits die Schattenseiten des Sees. Der verliert nämlich aktuell jedes Jahr 20-25 cm Wasserstand. Nun wird er nicht gleich austrocknen aber er schrumpft.
    Die Insel ist heute die ‚Hauptstadt des Totora‘s‘ hier gibt es etliche Kunsthandwerker die aus Totora Vasen, Körbe und sogar Stühle und Tische herstellen. Fermin leitet und organisiert die Gewerke heute ein wenig für sein spezielles Hotelprojekt. Dabei legt er mittlerweile durchaus deutsche Tugend an den Tag - Antreiben damit auch jeder mithilft und das Ziel nicht unerreichbar bleibt. Außerdem sind keine Abweichungen erlaubt. Wo gibt es sowas schon sonst noch einmal in Bolivien?
    Die Insel ist aber sicher auch deshalb wirklich schön weil es keinerlei touristische Infrastruktur gibt. Das einzige wovon die Bewohner einst profitierten war der Besuch des Präsidenten der sich kurzum fragte warum die Leite Abends im Dunkeln sitzen. Seitdem hat die Insel eine Stromleitung. Immer zu Ostern gibt es ein Fußballturnier mit den umliegenden Inseln im See. Dazu wurden auf der 2.000 Mann starken Insel mit Staatsgeldern extra drei Fußballplätze errichtet. Für ein Krankenhaus hat es noch nicht gereicht. Oder die Leute sehen eben die Notwendigkeit nicht. Die Familien leben ursprünglich von wenig Landwirtschaft, ein bisschen Schiffbau und eben dem Totorahandwerk. Nun ist der Winter ein schlechter Zeitpunkt um sich ein Bild davon zu machen. Geerntet wird im März, im April getrocknet und dann verarbeitet. Große Bauprojekte stehen derzeit keine an. Dadurch steht natürlich auch noch tonnenweise Schilf an den Ufern und vergeht gerade. Doch um sich davon ein Bild zu machen muss ich mich anstrengen. Hinter dem Haus geht es mit Kletterkünsten hinauf auf einen Aussichtspunkt. Was soll ich schreiben? Schöner kann man sich den Titicacasee nicht vorstellen als wenn ich hier mittendrin stehe.
    Selbst die Inca bauten auf dieser schönen Insel einst Häuser mit Drainage und Regenrinne. Von den Ruinen bleibt heute kaum etwas übrig da die Leute diese als Steinbruch für ihre eigenen Häuser verwendeten bis der Ziegelstein auch die Insel erreichte. Auch sonst ist kaum etwas wie es einmal war. Die Regenzeit hat sich dermaßen verkürzt dass eben nicht nur der Wasserstand sinkt. Die gesamte Insel ist auf Terrassen begradigt. Dort kann jedoch wegen fehlendem Regen gar nichts mehr angebaut werden. Nur noch auf einem dünnen Streifen entlang des Wassers auf dem einst Schilf wuchs und heute als Dünger dient. Für das Trinkwasser gibt es eine Zisterne zu der jeder Hausstand täglich einmal seine Schubkarre mit entsprechend vielen Kanistern fährt.
    Und weil das mit dem Trinkwasser so schwer ist haben findige Leute auf der Insel einen Kiosk installiert der unter anderem auch Kaffeelikör und Cola verkauft. Vielleicht nicht notwendig aber für die Geselligkeit überlebenswichtig auf der Insel. Nach dem Abendessen lädt uns der Onkel von Fermin auf ein zwei Flaschen ein. Dazu werden traditionell Coca-Blätter gekaut. Immer wenn das Glas auch nur genippt und in kleinen Zügen getrunken wurde wird gleich wieder nachgeschenkt. Wie ich es erwartet habe erfahre ich mit der Zeit wer aus dem Verein noch alles schon bei Fermin‘s Onkel zu Gast war. Uffz, eigentlich weiß ich es ja besser. Weder verträgt der Alkohol sich mit der Höhe, noch damit dass die Fähre zurück aufs Festland bereits morgen früh um vier geht. Was für eine Unzeit zum Montag. Liegt aber wohl daran dass die Leute dann weiter nach LaPaz auf die Märkte fahren, dort kaufen/verkaufen und am Mittag auch schon wieder mit der letzten Fähre zurück auf die Insel wollen. Was tue ich nicht alles um Gastfreundschaft zu erwidern.
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