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  • Day 178

    Polen sprechen kein Spanisch

    August 4, 2023 in Peru ⋅ ⛅ 9 °C

    Ich habe meine Erkältung bei einer Schwitzkur in der Nacht ordentlich auskuriert. Es geht erst etwas später zum Frühstück aber ich fühle mich soweit fit um die letzten Tage in Peru nicht im Krankenbett verbringen zu müssen. Zum auskurieren muss nachher im Flieger die Zeit reichen.

    Vom Marktplatz nimmt mich ein Sammeltaxi mit. Es ist fast leer. Wo sind denn alle? An der vereinbarten Brücke werde ich raus gelassen und es geht zunächst einen Feldweg bergan. Ah ja - mit dem Privattaxi auch diesen Feldweg und die nächsten 400Hm abkürzen. Wo gibt es denn so etwas noch einmal heute? Die Bergsteiger von heute sind auch nicht mehr das Ebenbild von früher. Immer höher, schneller weiter. Dabei ist doch der Weg das Ziel.

    Hab’s gedacht und bin losgelaufen. Gleich im ersten Ort wird mir, dem Gringo erstmal Bier angeboten. Dankend lehne ich ab. Der Teufel spielt sein Spiel mit mir. Mit Rucksack sind die 1.700HM im halbfitten Zustand eine echte Herausforderung. Es ist auch ohne Alkohol eine Gratwanderung wie gut ich mich am Ende noch fühle. Alle 10-15 Minuten anhalten. Trinken. Jedes zweite Mal den Rucksack absetzen und verschnaufen. Der Zucker ist ob der Höhe gefühlt ständig im Keller. Die sengende Mittagssonne tut ihr übriges.

    Drei Hunde die mich ankläffen bekommen heute kein Mitleid. Mit dem Wanderstock halte ich sie auf Distanz bis ihr Frauchen sie zurückpfeift.
    Ein zwei Pausen später kommt mir ein Mann mit zwei Eseln entgegen. Woher, wohin? Er findet es gut wie ich die Wanderung angehe. Seine Esel haben heute das Gepäck für eine Gruppe Polen nach oben getragen. Doch er winkt ab. Das war ein ziemlich einsamer Tag. Die sprechen doch alle kein Spanisch. Er freut sich in mir endlich einmal jemanden zu treffen der nicht von hier stammt und trotzdem Spanisch spricht. Schlussendlich gibt er mir noch Tipps für zwei verschiedene Routen. Er kennt die Berge seit über 40 Jahren. Was also wenn diese gute Seele in den Bergen es nicht auch gut mit mir meint.

    Der Weg zieht sich immer spätestens ab der siebenten Stunde. Er wird etwas flacher aber ich liege dennnoch hinter meinem selbstgesteckten Zeitplan zurück. Langsam geht die Sonne unter und das Refugio ist immer noch unererreibar weit entfernt.

    Derweil tüncht die Sonne die Schneebedeckten Gipfel in zartes Rot. Endlich erreiche ich nach 19km Anstieg den Zeltplatz. Wirklich ziemlich am Ende der Kräfte und kurz davor bereits vorher mein Zelt aufzuschlagen. Erstmal heißer Tee und Schokokuchen in der ersten vollständig bewirtschafteten Hütte zwischen hier und Feuerland. Den habe ich mir verdient. Durch die Mischung komme ich ins Gespräch mit meinen Tischnachbarn. Alles nur Kurzurlauber die im eigenen Land gerade ihre freie Zeit rund um die Feiertage verlängern.

    Im Vorraum zur Hütte steht jede Menge Hightech Equipment mit Seilen, Steigeisen, Eispickel und Polarstiefeln. Mensch Leute! - ja es liegt Schnee auf dem Gipfel, aber wir sind hier nahe dem Äquator! - denke ich nur. Ach, was wäre meine Reise nur ohne diese Leichtigkeit. Ebenso Hightech herrscht nebenan in der Küche. Ich hatte mehr einen kalten Unterstand erwartet. Stattdessen diese Hütte mit Licht, Heizung und warmen Tee. Wie ich später erfahre gibt es derart 3 in ganz Peru nach italienischen Vorbild vom Alpenverein initiiert und heute von Einheimischen betrieben. Die anderen sind wirklich nur kalte Unterstände. Aber mir soll es recht sein. Einzig zum Schlafen ziehe ich mein Zelt einem vollbesetzten Schlafsaal mit allerlei Schnarchnasen vor. Und wärmer als in Patagonien ist es hier oben auf 4.400m im Zelt allemal noch.
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