• Skågen

    August 2, 2024 in Denmark ⋅ ☀️ 19 °C

    Aufstehen, waschen, frühstücken, Zelt trocknen - soweit notwendig. Darin habe ich wieder ganz gut Routine erlangt. Und noch etwas scheint mir in die Wiege gelegt zu sein. „Zur richtigen Zeit am Richtigen Ort zu sein.“ Zumindest auf Reisen gilt das wohl sehr oft. Es kostet viel Mühe jeden Tag die notwendigen Distanzen zurückzulegen. Aber ich muss feststellen dass viele sich damit begnügen mit dem Rad draußen unterwegs zu sein. Manchmal sogar noch mit Kofferradio. Anstatt aber den Sonnenuntergang zu gucken sind die Leute mit denen ich das Lager teile vorher schon vom Strand weg weil sie denken dass sie nachher im Halbdunkel den Weg nicht wieder finden. Sie schnarchten bereits genüsslich als ich gerade mal mein Zelt aufbauen wollte. Ich bin wie immer spät dran, ich weiß. Aber ich lass doch nach so viel Mühe nicht das Finale ausfallen.

    Der Plan ist von der Nordsee zur Ostsee wieder überzusetzen. Dazu warten 60 km stures Radeln. Dann kann ich dort meine Taschen in einem Shelter einschließen und die letzten 20 km ans Ende der Welt kann ich dann mit leichtem Gepäck reisen. Oje, das Fahrrad ist ohne die Taschen ganz schön wackelig. Und es klappert! Morgen mache ich sofort wieder die Taschen ran.

    In Skågen ist geografisch die Welt ziemlich zu Ende. Dafür hat sich das Dorf für seine Besucher ordentlich herausgeputzt. Alles ist in Gelb und weiß getüncht. Doch auch hier herrscht ein ewiger Kampf gegen die Wanderdünen. Eine Kirche in einem Vorort von Skågen hat ihn 1800 verloren. Samt Friedhof wurde sie entweiht und vom Sand verschüttet. Der Kirchturm war aber als Landmarke für die Seefahrer so wichtig dass er wieder aufgebaut und weiß getüncht wurde.der Rest liegt mittlerweile 20m unter dem Sand. Altar, Taufbecken, alles was man dem Teufel denn unfreiwillig aber mit Genugtuung überlassen wollte.

    Noch einmal sind es ein paar Kilometer aus dem Dorf heraus. Ein altes Leuchtfeuer deutet darauf hin wie gefährlich die Landzunge und ihre Untiefen einst für die Seefahrer waren. Vom zweiten Weltkrieg ist auch hier sehr vieles mit Bunkeranlagen übersäht. Aber irgendwann trennt die Nord- und Ostsee nur noch ein drei Meter breiter Streifen der seicht im Wasser untergeht. Von Westen brausen die Wellen heran und ebben prompt ab weil es nicht um die Spitze geht. Hier stehe ich nun und habe nach 6 Tagen Dänemark bereits einmal längs durchquert. Neben den vielen Stoneman Titeln die ich beim Radfahren bereits tragen darf fehlt noch einer für den Aquaman oder so. Der der die Meere verbindet. Es ist ja schließlich auch nicht das erste Mal dass ich von einem Meer zum anderen fahre.

    Eigentlich könnte die Reise hier zu Ende sein und ich kann mich getrost schon wieder auf den Heimweg vorbereiten. Aber bekanntlich geht es hinter dem Ende der Welt weiter und nur weil ich dieses eine Ende jetzt kenne habe ich längst noch nicht alle gesehen.
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