Pico Duarte Ultra
6. december 2025, Dominikanske republik ⋅ ☀️ 10 °C
Es ist kalt geworden über Nacht. Nur 10 Grad holen mich aus dem Tiefschlaf. Gestern Abend waren es doch noch 32 als die Sonne unterging. Noch vor dem Frühstück treffe ich mich mit meinem Guide für die nächsten zwei Tage. Ich versichere mich bei ihm noch einmal was ich alles für die Wanderung einpacken soll? Deine Klamotten, und sonst nichts…Das Frühstück sollte dann für lange Zeit das letzte sein was ich von meinem Guide gesehen habe. Der Zufall will es dass heute zeitgleich das Pico Duarte Ultra stattfindet. Das ist der hiesige Bergmarathon der normal über 46 km an einem Tag auf den Pico Duarte führt und wieder zurück. Es werden aber auch 100km angeboten wozu sich ob der Höhenmeter nur 6 Leute angemeldet haben aber immerhin.
Als ich nochmal schnell auf Toilette gegangen bin war wahrscheinlich just gerade Aufbruch. Die Gruppe die eben noch da war - ist weg. Insgeheim seufze ich in mich hinein. Typisch! Eigentlich sind die Dominikaner zuverlässige Leute. Ein gewisser Anstand gehört auch dazu. Jedoch hier scheint sich jeder selbst der Nächste. Gruppenzusammenhalt ist hier in dem Land ein Fremdwort. Sonst würden sie sicher auch als Volksgemeinschaft mehr auf die Beine stellen können. Ich warte, vielleicht fällt es jemandem ja auf! Irgendwann frage ich einen von dem Ultra-Org-team. „Ja die? Die sind schon los.“ Also nehme ich die Füße in die Hand und laufe los. Alles was ich jetzt dabei habe ist ein halber Liter Wasser und zwei Müsli Riegel als Reserve.
Der Weg schlängelt sich am Fluss über ein paar sumpfige Brücken. Nach etwa vier Kilometern steigt er steil an. Es folgen stundenlange Anstiege mit durchschnittlich 13% Steigung. Eigentlich hätte es ein leichtes sein sollen die Gruppe wieder zu finden. Stattdessen kommen mir die ersten Läufer entgegen. Sie sind in der Finsternis gestartet um der sengenden Sonne zu entgehen. Während die ersten noch meinen dass die Gruppe vor mir sei meint irgendwann immer öfter jeder dass er niemanden mit so einem großen Rucksack zuletzt gesehen habe. Wie bringe ich denen jetzt bei dass mein Rucksack mit 60L kein Maßstab ist? Ich habe halt nur keinen kleineren dabei der für diese Strapazen geeignet ist. Besser ich behaupte die Gruppe kommt irgendwo da hinten und mache mich aus dem Staub. Irgendwann hole ich die letzten Läufer der Runde ein. Die sind lange vor mir gestartet und haben keinen so großen Rucksack. Doch sie schnaufen gehörig! Und immer wieder komme ich mit ihnen ins Gespräch dass ich ja selbst jedes Jahr einmal 100km am Tag laufe.
Da ich nicht weiß wo meine Exkursion nun eigentlich ist wird mein halber Liter Wasser langsam zum Problem. Vielleicht gibt es auch so etwas wie ein organisiertes Lunch zum Mittag zu Essen. Doch auf all das werde ich nicht zurück greifen können. Stattdessen entdecke ich herrliche Aussichtspunkte die man im Rennen sicher links liegen lassen würde. An einer der Verpflegungsstellen ist man erstaunt dass ich außerhalb der Wertung so spät gestartet und jetzt schon hier sei. Ich könnte doch getrost bei dem Rennen mitmachen, erst recht mit dem großen Rucksack.
Zumindest bekomme ich neben einem Lächeln meine Wasserflasche wieder aufgefüllt.
Dann komme ich an unser Verpflegungscamp an. Mit 7 Stunden fühle ich mich eigentlich ziemlich aus der Puste. Bin ja aber auch auf Sparflamme gelaufen und musste mich sehr stark einteilen. Im Camp wundern sich einige. Sie erwarten definitiv die gleiche Gruppe wie ich, jedoch frühestens in drei Stunden? In der Zwischenzeit zeigen sie mir ihr Naturbad und ich nehme eine erfrischende Dusche. Das Salz von der Haut zu waschen tut einfach nur gut. Jetzt noch ein heißer Kaffee und ein bisschen Lagerfeuer. Eigentlich finde ich die Tour rundum gelungen. Nur leider eben ohne die Gruppe.
Nebel zieht auf und mit ihm kommen in der Dämmerung die ersten Gruppenmitglieder. Immerhin nur zwei Stunden später. Der Rest fehlt bis auf weiteres noch länger. Aber wir sind froh bislang allesamt gesund angekommen zu sein.
Wir versammeln uns alle um das Lagerfeuer. Vereinzelt kommen ein paar Nachzügler in der Gruppe und die ersten Krankenstände trudeln ein. Mindestens zwei Leute lassen sich auf dem Maultier hochtragen. Krämpfe, Übersäuerung, Dehydrierung das klassische Programm. Später soll noch ein angerissener Meniskus eine ausgeleierte Kniescheibe und ein anaphylaktischer Schock dazukommen. Eine interessante Mischung mit der es morgen auf den Gipfel und vor allem auch wieder hinunter gehen soll.
Im vergleich dazu treffen spät am Abend die 62km - Läufer auf ihrem Weg vom Pico zurück ins Ziel ein. Sie sind nun ca. 16 Stunden unterwegs und haben noch 5 Std vor sich. Mit viel Getöse werden sie einzeln Empfangen und versorgt und wieder verabschiedet. Die Hunderter kommen wohl erst morgen früh nach 23-25Std hier vorbei.Læs mere















