• Wissen auf dem Eis

    March 18 in Sweden ⋅ ⛅ 3 °C

    Das Tageslicht weckt mich viel zu zeitig. Ich will mich noch einmal umdrehen doch es lässt mich einfach nicht. Da draußen gibt es viel zu viel zu entdecken!

    Das Frühstück nehme ich im ersten Stock mit Panorama-Blick über den See ein. Die Schweden wissen wie sie ihre Berghütten bauen müssen. Alles in allem sind rings um Abisko schon außerordentlich viele Touristen allein wegen der Jagd nach Polarlichtern hier. Oder zum Eisangeln. Es gibt aber auch einige Gruppen die ebenso wie ich ihren Rucksack oder Schlitten packen und sich auf eine lange beschwerliche Reise vorbereiten. Doch die fängt erst morgen an. Heute will ich auf den See weiter hinauslaufen als es gestern Abend möglich war. Dabei packt mich der Wind mit voller Kraft. Die Temperaturen sind angenehm über Null. In der Nacht gab es Schneeregen. Überall sind Pfützen auf dem Eis. Ob es mich noch trägt? Nach 500m kommen die ersten größeren Risse. Und immer wieder steht das Wasser bis zu 5 cm tief. Vielleicht sollte ich doch nicht hier sein!?

    Ruhig Blut, denke ich mir. Gestern sind auch noch welche drüber gelaufen. Aber gestern war eben auch das Wasser noch nicht in flüssiger Form da. Der Wind treibt mich von hinten an, immer weiter hinaus auf das offene Eis. Wo eine Pfütze ist besteht auch gerne mal die Gefahr auszurutschen. Eis ist eben glatt. Ich rette mich zum Mittagessen auf eine vorgelagerte Insel und versüße mir die Brotzeit mit Preiselbeeren und Schwarzkrähenbeeren direkt vom Strauch. In etwas Entfernung sehe ich zwei Autos auf dem Eis stehen. Die sind mutig! Bestimmt Eisfischer. Eigentlich will ich den Rückweg antreten und doch treibt mich die Neugier ich könnte was verpassen. Ich komme an dem ein oder anderen Eisloch vorbei. Alle sind sie mit einem Tannenbaum markiert damit niemand hineinfährt. Das Loch bei den zwei Autos markieren sogar vier Bäume. Und jede Menge Technik. Ich frage nach und ziemlich bald wechseln wir ins Deutsche soweit der Sturm hier draußen überhaupt ein Wort zulässt. Eine Forschergruppe aus Bremen hat gestern dieses Loch gesägt. 50cm ist das Eis derzeit dick. Ok, jetzt komme ich auch irgendwann zurück ans Ufer. Doch zuvor erzählen sie mir von ihrer Forschungsarbeit. Hier wird ein Gerät erprobt dass im Weltraum Wasseranalysen unter dem Eis vornehmen soll - wenn es denn mal irgendwann zum Einsatz kommt. So ganz final sicher sind sich die Forscher da nicht. Aber sie lieben die vielen kleinen Fortschritte auf dem Weg dorthin. Leider darf ich keine weiteren Details veröffentlichen, es wird ja noch geforscht. Immerhin kann ich jetzt von mir stolz behaupten dass ich in der Arktis an einem Forschungsprojekt teilgenommen habe. Statt nur zuzusehen habe ich Kabelbinder hin und her getragen. ;)

    Auf dem Rückweg komme ich an ein paar weiteren eigenartigen Hütten vorbei. Hier haben die Eisfischer scheinbar wirklich Station gemacht und gleich ihren Wohnwagen auf Kufen mitten auf das Eis gestellt. Wer hat, der kann.
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