• Ein Sturm zieht auf

    March 19 in Sweden ⋅ ❄️ -1 °C

    Ich wusste dass der Anfang meiner Wanderung extrem anstrengend werden würde. Während ich das schreibe kann ich es nur bestätigen. Was für ein Tag! Ich schaue aus dem Panoramafenster und der Wind ist richtig lebhaft. Nebelschwaden wechseln sich mit Schneegriesel ab. Erst mal frühstücken, dann sehen wir weiter. Zwei Stunden sitze ich beim Frühstück. Internet und Empfang sind wegen dem Sturm immer noch ausgefallen. Doch irgendwann muss ich dann aufbrechen wenn ich noch bei Tag ankommen will. Als letztes hole ich die Ski aus dem Schutzraum.

    Vor zwei Tagen lagen hier noch 10cm festgestampfter Schnee. Der Regen hat alles davon gewaschen. Mir bleibt nur die Ski zu tragen, der Rucksack hat ja erst 26Kg. Bald ist der Weg durch den Regen einfach überall nur noch vereist. Ohne Krallen komme ich keinen Meter voran und der Rucksack zieht zusätzlich wenn ich auf dem Eis wieder mal weg rutsche.

    Der Fluss schlängelt sich am Weg entlang und zeigt hier und da weite Spalten durch die ein türkisblaues Licht schimmert. An einer Schutzhütte gibt es eine erste Rast. Ein Tagesausflügler kommt mir entgegen. Gestern wurden hier am Fluss Elche gesichtet. Derweil gebe ich mich auch mit Kohlmeisen und Schneehühnern zufrieden die vor mir aufflattern. Der Frühling steckt in den Startlöchern. Das sagt mir leider auch die Schneequalität. Wo es mit Skifahren geht ist es sehr verharscht. Wo es wirklich schlimm ist liegt das blanke Eis auf dem Weg. Hang abwärts habe ich bedenken und meistere sie auf Ski dennoch bravourös. Kurz darauf Hang aufwärts haut es mich dann doch hin. Voll auf die Nase! Ich muss erstmal ein Pflaster suchen. Wortwörtlich habe och die Nase voll und trage die Ski wieder.

    Der Regen wird mehr und mehr zum Schneematsch. Vielleicht doch noch ein Versuch auf Skiern? Ich muss üben - nur dann wird es Tag für Tag besser. Und die wahren Herausforderungen starten erst morgen! An dem verharschten Schnee versagt meine Ski-Bindung. Ist jetzt vielleicht doch so ein Moment der mir sagen will „ich sollte lieber umkehren bevor es dunkel wird“? Ich setze mich in den Windschatten. Nö! Jetzt erst recht nach Vorne. Hinten wartet nur wieder das Eis auf mich. Zum Glück hat der Wind nachgelassen. Dem wäre ich auf dem See hilflos ausgeliefert. Stattdessen dauert es nicht lang und ich merke wie ich im Wasser versinke. Drunter ist noch dickes Eis doch oben hat der Regen alles aufgeweicht und zwingt mich zu einem Umweg. Der Schnee pappt so sehr dass ich ihn nicht fahren kann. Die Ski darf ich mehr tragen als fahren. Dieses ständige An- und Ausziehen zehrt an meinen Kräften. So kann das nicht weiter gehen. Erst mal was essen. Wie aus dem Nichts taucht nach 6 Stunden im Nebel die Hütte auf. Abiskojaure ist zum Greifen nah. Nur noch einmal durch das Wasser waten. Der Hüttenwart erwartet mich bereits und meint ich wäre heute nicht mal der Letzte. Schnell erklärt er mir wo ich Wasser, Toilette und Sauna finde. Umgekehrt! Die Sauna war ihm das Wichtigste.

    In geselliger Runde gibt es Abendbrot. Die Knochen tun mir bis ins Letzte weh. Einer spielt Gitarre. Diese Abende wo es keinen Strom gibt sind immer einzigartig und wie ich finde jedes Mal die Strapazen wert.
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