Im inneren einer Schneekugel
March 21 in Sweden ⋅ ❄️ -4 °C
Das Problem meiner Reisebegleiter mit den Schuhen hat sich zum Guten gewendet. Der Hüttenwirt hat eine Hütte nur voll mit Zeug was vor Ort liegen gelassen wurde. Da waren doch tatsächlich auch Winterschuhe in der passenden Größe dabei.
Der Morgen kann sich noch nicht recht entscheiden ob es heute stürmt und schneit oder stürmt und regnet. Selbst in der Sauna waren wir gestern Abend nur zu dritt weil bei dem Wind keiner raus wollte. Zwischendurch guckt sogar die Sonne heraus. Allgemein war es zuletzt immer so dass die Tage in weiß waren und in der Nacht kamen selbst gestern wieder die Sterne raus und Polarlichter zeigten sich hinter den Bergen. Von der Hütte geht es vorbei am Wasserloch hinaus auf den Fluss. Der erste Kilometer fährt sich recht leicht und ich bin guter Dinge dass ich nach zwei Tagen nun doch langsam den Dreh raus habe. Ski fahren bei Sturm ist ja nur das Eine, bei Sturm mit Rucksack ist dagegen extrem anders. Der Rucksack macht wie ein Segel was er will. Und hat man den im Griff machen die Ski was sie wollen. Habe ich einmal festen Stand öffnet sich hinter mir ein Schönwetter-Fenster und das ganze Tal erscheint im Sonnenlicht. Ich kann gut mit einer Tschechischen Familie mithalten. 3 Leute, 2 Pulkas - das scheint mir hier die perfekte Arbeitsteilung. Doch dann schüttelt im nächsten Moment wieder jemand an der Schneekugel. Flocken wirbeln, Regen prasselt von vorn auf meine Schneebrille.
Das leicht hügelige Terrain weht den Schnee zusammen. In Tälern liegen Treibschnee-Haufen dass selbst die Ski einsinken und auf den Hügeln fehlt er komplett. Das blanke Eis bietet kaum Halt um auf den Ski stehen zu bleiben. Bergab legt es mich einmal mehr auf das Eis. Da unten ist es ziemlich windstill. Perfekt für eine Brotzeit! Doch ich darf nicht auskühlen. Sobald ich mich nicht bewege gefrieren sofort die Handschuhe von außen. Meine Weggefährten muss ich ziehen lassen. Ohne Skifelle bin ich auf dem Eis ein Spielball.
Von hinten kommt bald ein gestandener Vollbart. Die Fellkapuze komplett vereist, der Bart komplett vereist - nördlich vom Polarkreis herrschen andere Bedingungen an Mensch und Material. „Das hilft alles nichts. Bei diesem Wetter muss man einfach weiter laufen.“ …ein rotes Kreuz, … zwei rote Kreuze … ich rutsche mehr zurück als nach vorn. Die Ski abzuschnallen und hinter mir her zu ziehen ist leider auch keine Lösung. Sie verhaken sich ständig und der Wind spielt mit ihnen. Ich versuche es nochmal. 100m später ramme ich die Skistöcke in den Schnee. Ich will nicht mehr! Keine Lust! Fertig! Der Sturm zollt einmal mehr Tribut. Irgendwie muss och die Ski auf den Rücken schnallen. An der komme ich den Berg nicht hoch. Ein whiteout folgt auf den Nächsten. Ohne Orientierung bleibe ich stehen und verharre was da kommt. Dazwischen kann ich immer mal ein Kreuz erahnen. Und so stapfe och langsam aber sicher im Tiefschnee bergauf. Irgendwo ist der Berg zu Ende. Irgendwo ist die Hütte.
Weder der Wind noch der Schnee lassen nach. Als die rettende Tjäktja-Hütte naht wachsen die Eiszapfen schräg an den Dächern. Wo keine Schneewehe liegt ist es glatt. Der Hüttenwirt macht zudem wenig Hoffnung dass in den nächsten zwei Tagen Wetteränderung eintritt. Während dieser Sturm in die Verlängerung geht meint er eher beiläufig seit er Mitte Februar die Hütte aufgeschlossen hat gab es hier ohnehin erst 3 sonnige Tage. Für ihn ist das eine gewisse Normalität.
Am Abend sitzen wir bei Uno und MauMau am Tisch. Alle zwei Stunden gibt es etwas zu Essen. Ich hüte mich vor dem Moment auf Toilette zu müssen denn die Schneekugel wirbelt weiter.Read more













