Unterwegs im Tjäktjavagge
March 23 in Sweden ⋅ ❄️ -2 °C
Wo andere sagen die Würfel seien gefallen muss ich eher gestehen sie sind auch am fünften Tag in Folge vom Winde verweht. In Sälka haben wir die Hütte mit einer geführten Gruppe Belgier geteilt. In der Sauna hatte ich einen der Bergführer keuchen gehört. Deren Ziel ist eine Gebirgsüberquerung nach Norwegen mit der Pulka. Jeden Tag 25-30km. Das sind jeden Tag 10 Stunden in meinem Tempo. „Oh je, dass sind alles gestandene Triathleten. Die hängen mich schon am zweiten Tag ab und wollen das noch bis Norwegen so weiter durchziehen.“ Die Belgier gehen die Route nach Haukejaure die ich mir auch vorgenommen hatte. Doch der Wind dreht. Aus den 25km Gegenwind mit Schneegestöber werden es heute zwölf denn och habe noch ein Bett in einer eigentlich schon ausgebuchten Hütte in Singi ergattert.
Los geht es wieder ohne jede Sicht auf die Berge. Eigentlich ist das Tjäktjavagge ein 30km langes Trogtal das von unzähligen Bergen eingerahmt ist. Für mich ist es seit fünf Tagen eine Linie roter Kreuze durch Eis und Schnee. Nur Berge gibt es selten. Die Ski laufen hingegen gut. Ich kann mit unserem Franzosen Valentin git mithalten. Der ist sonst immer der Schnellste und plötzlich sehe ich ihn das erste Mal im Schnee liegen. Schön langsam nähere ich mich der Abfahrt, nehme langsam Fahrt auf und Schwupp…plötzlich fliegen meine Ski durch die Luft. Das gab es ja noch nie! Eine Schanze mitten im Nichts ist schon gemein. Doch och bin weich gelandet und kann mich nicht beklagen. Ist ja heute auch schon der zweite Sturz und wird nicht der Letzte sein.
Das schöne an den Winteretappen ist immer eine Schutzhütte zwischen den eigentlichen Hütten. Ich kann mich dort aufwärmen und den Rucksack erleichtern. Die darauf folgende Strecke wird sehr wellig. Im Schnee ist das so schwierig da man nicht erkennt wann es abwärts geht und wann man unten im Tiefschnee plötzlich mit der Nase stecken bleibt. Nachdem es wieder einmal so weit ist setze ich mich auf den nächstbesten Stein und verschnaufe. Etwas unterhalb von mir von mir drehen zwei Pulkas ihre Kreise und fotografieren sich dabei. Als ich dazu komme sehe ich neugierig welche alten Fotoapparate sie benutzen. Sie sagen dass beide Fotografie studieren und eine Expedition mit Pulka und Zelt auf 8mm Film und Spiegeldia festhalten. Gewicht ohne Ende, aber cool!
Extra für sie hat sich auch der Himmel gelichtet. Plötzlich scheint die Sonne durch das Tal und die Berge glänzen in weiß. Am Fluss taucht ein Samen-Dorf auf. Jetzt ist es nicht mehr weit. Für die Samen ist jetzt „Frühlingswinter“. Sie teilen das Jahr in acht Jahreszeiten und ordnen ihnen bestimmte Aufgaben und Orte bei der Arbeit mit den Rentieren zu. Im Moment sind diese Siedlungen verlassen. Die Kühltruhe für das Rentierfleisch ist leer.
Ich bin recht zeitig angekommen. Die nächsten Tage möchte ich die Touren etwas kürzer halten und mich erholen. Der Husten von dem vielen Wind will mich nicht verlassen. Beim Hüttenwirt gibt es wie immer einen warmen Saft. Und dann - nach Tagen das Erste Mal wieder Mittagsschlaf. Erfolgsfaktor = 100%. Zum Nachmittag steht zunächst wieder Hausarbeit an. Holz hacken und später auf einem Spaziergang Wasser holen. Das Wasserloch ist eine Weltreise für sich. 600m irgendwo unten am Fluss und dann noch vom Schnee verweht. Dafür zieht der Himmel noch auf und der Mond zeigt die wahre Größe des Tjäktjavagge.Read more













