Stora Sjöfallet
March 25 in Sweden ⋅ ☁️ -2 °C
Beim Frühstück kommt der Hüttenwart und bittet mich um Hilfe. Eine von seinen Gasflaschen muss getauscht werden. Zu Beginn der Saison wurden 600kg Essen, privates Equipment und eben ca. 1200kg Gas mit dem dem Schneemobil auf die Hütte gebracht. Doch jetzt muss die Flasche vom Lager auf einem Schlitten zur Hütte. Griffe, wie man das von so einer kleinen Flasche zu Hause kennt, haben die 50kg-Flaschen natürlich nicht und sind so einfach nur unhandlich. Besonders wenn der Hüttenwart das eigentlich allein hinbekommen soll. Einer zieht, einer schiebt. Bis zur nächsten Schneewehe geht das gut. Bei der Hütte hat sich jedoch eine zwei Meter hohe Schneewehe aufgetan und die muss die Flasche jetzt möglichst unbeschadet runter. Da tun einem die Arme schon weh bevor man überhaupt Ski fährt.
Aber hey, es ist so ein schöner Tag. Danach den Rucksack aufgeschnallt und los geht es. Der Winterweg verläuft bekanntlich etwas anders als der Sommerweg und führt zuerst direkt über zugefrorene Wasserfälle. Ski auf Eis rutscht in alle Himmelsrichtungen. Doch sonst kann ich mich eigentlich nicht beklagen - oder doch? Ich weiß ich habe Sonnencreme dabei. Allein ich finde sie nicht mehr nachdem ich sie über eine Woche lang getrost gegen Frostschutzcreme eingetauscht habe. Um keinen Sonnenbrand zu bekommen hilft da nur Vollvermummung.
Dass der Tag schweißtreibend werden würde wusste ich zum Glück schon vorneweg. Auf der Mourka-Hochebene kommen mir einige Pulka-Fahrer entgegen. Sie müssen wohl draußen im Zelt geschlafen haben. Der Blick reicht zurück bis zum Kbnekaise, Schwedens höchstem Berg. Und vorn sehe ich in einiger Entfernung bereits den Sarek-Nationalpark. In zwei Tagen bin ich dort. Doch hier und jetzt befinde ich mich in Stora Sjöfallet Europas erster Nationalpark überhaupt. Hier darf schon seit 1909 Natur, Natur sein. Auch wenn der Name eigentlich von großen stürzenden Wasserfällen verkündet sind die meisten im Raubbau großer Wasserdammprojekte des letzten Jahrhunderts längst verschwunden. Der See an gleicher Stelle bildet heute die Grenze zweier verschiedener Samengruppen. Am Wegrand stehen vom Sommer allerlei Infotafeln über das Leben und Arbeiten der Samen. Getroffen habe ich hier im Frühlingswinter noch keine, leider.
Ein harter steiler Abstieg zwingt mich die Ski abzuschnallen und hinunter zu tragen. Der Schnee ist in der Mittagssonne knietief und völlig instabil. Nasse Schuhe sind vorprogrammiert. Dafür habe ich den Nachmittag bereits Zeit sie zu trocknen und nachher ein paar Runden auf dem See zum Langlauf zu gehen. Dabei begegne och am anderen Seeufer ein paar Fußstapfen Größe 52 XXL. Erst wenig später realisiere ich dass sie von einem ausgewachsenen Elch stammen.
Bis zum Abend scheint es ich wäre der Einzige auf der Hütte, dann kommt doch noch einer. Er ist heute mal eben 33km gelaufen. Und gestern auch. Und die 25 Tage davor auch! Und die nächsten 10 Tage will er das auch noch. Ich fühle mich hier auf meine vielen Jahre Reiseerfahrung manchmal schon ein wenig als Underdog. Der blutige Anfänger der gerade lernt und auf eigenen Beinen stehen will.
Wie klein die Welt doch ist diskutieren wir in der Sauna aus. Ohne dass sie es wussten stammen die beiden Hüttenwarte von gestern und heute beide aus Göteborg. Gekannt haben sie sich vorher nicht aber der eine dem anderen sein Schwiegersohn schon. Eigentlich würde die Familie sie hier während der fünf Wochen besuchen kommen doch die Hütten sind beide zu weit abgelegen. Selbst für normalsterbliche Schweden.Read more


















