• Vakkotavare - das Ziel der langen Reise?

    March 26 in Sweden ⋅ ❄️ -2 °C

    Es schneit ein wenig wenn ich am Morgen die Vorhänge am Fenster aufziehe. Ohne sie scheint die Sonne mittlerweile bereits ab 5 Uhr. Doch als ich heute früh aus dem Fenster schaue bin ich gar nicht so böse dass ich es nicht unnötig eilig hatte und gestern den See erkunden konnte. Umso mehr ist heute die Frage schaffe ich es rechtzeitig bis an die Straße nach Vakkotavare oder nicht? Einmal am Tag kommt da der Bus vorbei und sammelt alles ein was aus dem Fjell wieder raus will. Uhrzeit, eher vage am Nachmittag.

    Ich will die Ski nur nochmal präparieren damit ich es bergauf heute leichter habe. Der Neuschnee pappt sonst wieder. Nach dem Frühstück geht es im Schneegestöber über den See und kräftig bergauf. Man muss ja auch mal dankbar sein wenn die Sonne einen nicht schon am frühen Morgen wieder ins Schwitzen bringt. Als ich das Birkenwäldchen verlasse verlassen mich auch die letzten Kreuze. Es hieß der Winterweg sei durchgängig markiert doch es folgen nur noch Stöckchen um Stöckchen das jemand mühsam am Beginn der Saison in den Schnee gebohrt hat. Die erkennt man natürlich auch schlechter im einheitlichen Weiß als so ein Kreuz. An einer Stelle dauert es natürlich auch nicht lang und ich habe die Stöcker verloren. Hinter mir der letzte und vor mir keiner mehr. Ein wenig kann ich mich an dem Stand der Sonne orientieren die nun langsam durch die immer dünneren Wolken schielt. Das war ja fast schon klar dass auch der letzte Tag noch eine besondere Prüfung für mich bereit hält.

    Nachdem ich Tage lang mit dem Ski und dem Eis gerungen habe offenbart sich nun das Drama in Form einer weißen Fjelllandschaft, ohne jegliche Steine, ohne Markierungen. Wenn ich die Sonnenbrille absetze muss sich das Nirwana so ähnlich anfühlen. Doch es hilft ja nichts. Kompass raus und die Richtung halten. Nach etwa einer Stunde erblicke ich eine Hütte die so gar nicht auf der Karte verzeichnet ist. Im Windschatten habe ich Zeit für eine Verschnaufpause und bemerke dass ich gut einen Kilometer westlich vom eigentlichen Weg abgekommen bin. Das muss ich später nochmal üben. Doch ich liege immer noch gut in der Zeit, bin mittlerweile pitsch nass durchgeschwitzt und muss aufpassen dass ich nicht unterkühle. Schnell weiter! Am Horizont entdecke ich einen tiefen Taleinschnitt zu dem ich weiß dass ich hin muss und irgendwann kommen die ersten Felsbrocken auch wieder aus dem Schnee.

    Die ersten Menschen des Tages treffe ich kurz vor dem steilen Abstieg hinunter zum Stausee. Es ist eine Gruppe Deutscher und Schweizer die sich bewusst für eine Tour nach dem Sturm entschieden haben. So im Nachhinein sage ich, das war unangenehm aber alles gar nicht so schlimm. Sie fragen mich ob ich einer Gruppe Japaner begegnet sei und ich muss verneinen.
    Im Sturzlauf treibt mich der Rucksack mit seinem Gewicht das Tal hinunter. Ich bin endlich wieder an einer Straße. Acht Tage sind seit der letzten Straße in Abisko vergangen. 120 km durch das Eis, den Tiefschnee und den rauen Wind. Klar hätte die Aussicht manchmal besser sein können doch am Ende bin ich auch für genau dieses Gefühl der Ausgesetztheit unterwegs die eigenen Grenzen ein Stück weit zu verschieben.

    In der Hütte von Vakkotavare kann ich mich aufwärmen. Der Bus ist noch nicht vorbeigekommen. Auch hier fragen sie mich wieder nach der Gruppe Japaner. Wieder verneine ich. Sie wären wohl gestern Abend losgezogen. Viel zu spät um Teusajaure zu erreichen und selbst für normale Verhältnisse viel zu schlecht ausgerüstet. Doch dann hatte es über ja Nacht Neuschnee in die Berge getrieben. Allen ist ein wenig Besorgnis anzumerken. Umso wichtiger ist es dass man sich in den Bergen immer registriert. Wer will wann wohin gehen? Das haben sie nicht gemacht und so wird wahrscheinlich auch nicht gleich ein Suchtrupp loslaufen.

    Den Ausgang der Geschichte kenne ich leider nicht. Mein Bus kommt und ich habe mich entschieden noch zwei Tage anzuhängen da ich im Fjäll einen Abstecher wegen schlecht Wetters auslassen musste. Am Nachmittag überquere ich fast schon mit Leichtigkeit den Stausee und ende in Saltoluokta. Für die letzten Tage ist dieses Wanderheim verhältnismäßig groß und leicht zu erreichen. Der ideale Ort um in der Sauna auszuspannen und sich ein wenig zurück an die Zivilisation zu gewöhnen.
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