Pfingstverkehr in den Karpaten
31 мая, Румыния ⋅ ☀️ 22 °C
Nachdem wir feststellen mussten, dass unser bevorzugter Pass nicht passierbar ist und wir bereits einige Kilometer unterhalb der Sperre übernachtet haben, fassen wir einen neuen Plan. Wir wollen die Karpaten über die Transalpina überqueren. Zwar ist die Straße für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt, doch abgesehen vom zulässigen Gesamtgewicht entspricht unser Wohnmobil eher den Abmessungen eines deutlich kleineren Fahrzeugs. Die Alternative wäre ein zusätzlicher Umweg von weit über 200 Kilometern entlang der westlichen Umgehung der Karpaten – keine besonders verlockende Aussicht.
Nach dem Frühstück brechen wir auf und werden von der Transfăgărășan mit einigen letzten Bärensichtungen verabschiedet. Unter anderem beobachten wir eine Bärenmutter mit ihren zwei noch sehr kleinen Jungen, die sich aufmerksam am Straßenrand bewegen. Wenig später entdecken wir einen stattlichen Bären, der sich gemütlich über die Leitplanke lehnt und scheinbar völlig entspannt das rege Treiben auf der Straße beobachtet. Fast wirkt es, als würde er den Feiertagsverkehr analysieren oder die vorbeiziehenden Touristen begutachten. Nach den zahlreichen Begegnungen der vergangenen Tage sind wir mit unserer persönlichen Bärenausbeute mehr als zufrieden.
Heute ist orthodoxes Pfingsten, und das macht sich auf den Straßen deutlich bemerkbar. Schon am Vormittag kommen uns Hunderte Fahrzeuge entgegen. An den bekannten Aussichtspunkten und Bären-Hotspots drängen sich Tausende von Menschen. Immer wieder sehen wir lange Fahrzeugschlangen und dicht belegte Parkplätze. In diesem Moment sind wir besonders froh, die Transfăgărășan bereits am Vortag befahren zu haben. Einen Tag später wäre das Vergnügen vermutlich deutlich kleiner ausgefallen.
Der dichte Verkehr begleitet uns fast den gesamten Tag. Dabei durchqueren wir auch erstmals auf dieser Reise ein ausgedehntes Industriegebiet. Es bietet eine interessante Erkenntnis: Industriegebiete sehen offenbar überall auf der Welt gleich aus. Große Hallen, Lagerflächen, Schornsteine und Zweckbauten schaffen eine Kulisse, die zwar wirtschaftlich sinnvoll sein mag, landschaftlich jedoch kaum Begeisterungsstürme auslöst.
Am Nachmittag beschließen wir, die heutige Etappe zu beenden. In einem kleinen Ort entdecken wir eine große Festwiese, die sich hervorragend als Übernachtungsplatz eignet. Zu unserer Überraschung sind wir dort völlig allein. Kein weiteres Wohnmobil, keine Camper und keine neugierigen Spaziergänger. Nach den Menschenmassen des Tages genießen wir die Ruhe umso mehr. So lassen wir den Abend entspannt ausklingen und sammeln Kraft für die bevorstehende Überquerung der Karpaten auf der Transalpina.Читать далее







