• Abschied aus den Karpaten – Rückweg ins Tal

    June 2 in Romania ⋅ 🌧 20 °C

    Beim Frühstück besprechen wir unsere weitere Reiseplanung. Die vergangenen Wochen haben uns mit einer solchen Fülle an Eindrücken versorgt, dass wir uns beide emotional und mental ein wenig erschöpft fühlen. Eigentlich bräuchten wir nun Zeit, um all das Gesehene zu verarbeiten – und vor allem etwas Abstand vom teils anspruchsvollen Fahren auf engen, kurvigen und holprigen Straßen. Deshalb fassen wir den Entschluss, unsere Reise durch Rumänien zu beenden und den Rückweg anzutreten. In Österreich wollen wir auf einem Campingplatz noch einige ruhige Tage verbringen, Sonne tanken und die Seele baumeln lassen.

    Unser Weg führt uns zunächst noch rund 60 Kilometer durch eine enge, kurvenreiche Schlucht. Beidseitig zieht sich dichter Mischwald die Hänge hinauf und lässt die Landschaft noch tiefer und abgeschiedener wirken, als sie ohnehin schon ist. Der Wald erscheint fast unberührt – so dicht, dass einzelne Bäume kaum noch zu unterscheiden sind. Stattdessen wirkt es, als hätte sich ein geschlossenes, in verschiedenen Grüntönen schimmerndes Polster über die Berghänge gelegt. Unwillkürlich entsteht der Eindruck, dass dieser Wald gesünder und lebendiger wirkt als viele Wälder, die wir von zu Hause kennen.

    An einer Quelle, aus der das Wasser gleich aus drei Rohren kräftig hervorsprudelt, füllen wir unsere Vorräte für die nächsten Tage auf. Danach setzen wir die Fahrt durch die Schlucht fort, bis sich kurz vor Mühlbach die Landschaft öffnet und das Tal langsam in eine weite Ebene übergeht. Die Berge weichen zurück bis zum Horizont, und es tut gut, wieder auf einer geraden, gut ausgebauten Straße unterwegs zu sein.

    Unterwegs machen wir einen kurzen Abstecher zur Burg in Hunedoara Castle. Das Bauwerk ist eingerüstet, und leichter Regen setzt ein. Die Bedingungen laden nicht wirklich zum längeren Verweilen ein, sodass wir uns bald zur Weiterfahrt entschließen.

    Auch die zweite Burg in Deva stellt uns vor eine unerwartete Herausforderung. Der nahegelegene Stellplatz soll über eine steile Zufahrtsstraße erreichbar sein – eigentlich kein Problem nach den Erfahrungen der Karpaten. Doch was uns erwartet, ist eine völlig andere Dimension: eine einspurige Straße mit stetig zunehmender Steigung, die gefühlt bis auf rund zwanzig Prozent ansteigt. Links und rechts streifen Büsche am Wohnmobil entlang, über uns kratzen Äste laut über das Dach. Eine echte „kein Zurück“-Situation.

    Oben angekommen bin ich entsprechend angespannt und genervt und denke eigentlich nur noch an eines: wieder runter. Die Rückfahrt erfolgt daher ohne lange Diskussion – direkt zurück ins Tal.

    Unten im Tal beginnen wir die Suche nach einem Platz für die Nacht. Da im Stellplatzführer nichts Adäquates eingetragen ist, verlassen wir die Hauptstraße und fahren in ein kleines Dorf. Dort kreisen wir zunächst vergeblich um die Kirche. Ein Platz mitten zwischen mehreren Straßen, gelegen wie ein Kreisverkehr und rundum grell beleuchtet, eignet sich ebenso wenig wie eine einsame Stelle entlang der Bahnlinie hinter einem Berg aus Bahnschwellen. Zwei Züge, die kurz hintereinander vorbeirauschen, begleiten ihre Durchfahrt mit einem Pfeifen, das uns förmlich die Ohren aus dem Kopf schießt – wir ergreifen spontan die Flucht.

    Schlussendlich finden wir einen Stellplatz am Ortsrand, vor einem niedrigen Industriegebäude am Rande eines Weizenfeldes. Nicht idyllisch, aber ruhig genug für die Nacht – und vor allem ohne Steigungen, Wendeschleifen oder überraschende Sackgassen.
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