• Kilometerfressen, & der Troll im Armaturenbrett

    June 4 in Hungary ⋅ ☀️ 23 °C

    Am Mittwoch werden wir bereits früh durch die Arbeiten im nahegelegenen Industriegebäude geweckt. Das kommt uns durchaus entgegen, denn heute steht kein großer Besichtigungstag auf dem Programm. Stattdessen wollen wir vor allem Kilometer machen und uns der ungarischen Grenze nähern. So starten wir zeitig in Richtung Arad.

    Arad, eine große Stadt unweit der ungarischen Grenze, erreichen wir bereits am frühen Nachmittag. Eigentlich wären wir gerne direkt weiter nach Ungarn gefahren, doch unsere elektronische Vignette gilt erst ab dem folgenden Tag. Also müssen wir uns noch eine letzte Nacht in Rumänien einrichten. Fündig werden wir in einem Stadtpark zwischen Freibad und Laubenkolonie – eine Kombination, die vielversprechend klingt und sich später als durchaus unterhaltsam erweist. Am Abend nutzen die örtlichen Kleingärtner das sommerliche Wetter ausgiebig. Musik, Gespräche und gute Laune erfüllen die Umgebung. Bevor die Feierlaune endgültig ihren Höhepunkt erreicht, verlegen wir unseren Standort noch ein Stück weiter weg von den besonders geselligen Laubenpiepern. Die Maßnahme zeigt Wirkung, und wir verbringen schließlich eine ruhige Nacht.

    Am nächsten Morgen geht es direkt weiter Richtung Ungarn. Der Grenzübertritt verläuft dank des Schengen-Raums völlig unspektakulär. Kein Anhalten, keine Kontrolle, kein Stempel – plötzlich befindet man sich einfach im nächsten Land.

    Die Landschaft erinnert zunächst erstaunlich stark an Rumänien. Weite Felder, kleine Dörfer und lange Landstraßen prägen das Bild. Doch am Nachmittag meldet sich wieder unser alter Reisebegleiter: der Troll im Armaturenbrett. Glücklicherweise handelt es sich nicht um die Abgasrückführung, die uns in der Vergangenheit mehrfach beschäftigt hat, sondern um die elektronische Stabilitätskontrolle (ESC). Das OBD-Diagnosegerät gehört inzwischen zur unverzichtbaren Grundausstattung unseres Wohnmobils und hat sich seinen Platz redlich verdient. Nach dem Rücksetzen des Fehlers verhält sich der Fiat Ducato wieder völlig unauffällig. Wie lange dieser Zustand anhält, wird die Zukunft zeigen. Trotzdem versuchen wir vorsichtshalber eine Werkstatt aufzusuchen. Das Ergebnis ist unerfreulich vertraut: Genau wie in Deutschland sind die Werkstätten ausgelastet und können uns keinen kurzfristigen Termin anbieten. Immerhin beweist Europa damit eine gewisse kulturelle Einheit.

    Also fahren wir weiter und finden schließlich einen ruhigen Übernachtungsplatz unweit eines kleinen Sees in der Nähe von Kaposvár. Nach den vergangenen Tagen mit Pässen, Schluchten, Bären und Kontrollleuchten genießen wir den entspannten Abend und hoffen, dass der Troll im Armaturenbrett beschlossen hat, sich für einige Zeit zur Ruhe zu setzen.
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