• Ankommen & die Seele baumeln lassen

    June 6 in Austria ⋅ ☁️ 21 °C

    Der gestrige Tag war grau, trüb und wenig spektakulär. Bei Nieselregen fahren wir durch Ungarn, queren Kroatien, Slowenien und erreichen schließlich Österreich. Einige Kilometer südwestlich von Graz beziehen wir auf einem Campingplatz unser Quartier. Nach den vielen Erlebnissen der vergangenen Wochen fühlt sich allein die Aussicht auf ein paar fahrfreie Tage wie ein kleiner Luxus an.

    Heute wachen wir bei strahlendem Sonnenschein auf. Endlich können wir unsere Kleidung wieder von Frühjahr auf Sommer umstellen. Es tut gut, alles etwas langsamer anzugehen: gemütlich frühstücken, Radio hören und sich darüber freuen, dass der Zündschlüssel einmal Pause hat.

    Gegen Mittag unternehmen wir einen Spaziergang in den Ort. Das kleine Städtchen wirkt wie ein klassischer Touristenort mit mehreren Pensionen, Gasthäusern und Cafés. Leider bieten die Speisekarten überwiegend das an, was sich schnell und unkompliziert in der Fritteuse zubereiten lässt. Sicherlich schmackhaft, aber nicht ganz das, wonach uns der Sinn steht. Wer tagelang unterwegs war, entwickelt irgendwann eine Sehnsucht nach bodenständiger Küche. Die Suche nach dem perfekten Gasthaus wird uns also noch einige Tage beschäftigen.

    Eine passende Alternative finden wir beim örtlichen Fleischhauer – so heißt der Metzger hier. Wir erstehen zwei Scheiben Leberkäse für den sofortigen Verzehr sowie zwei Lagen Rippchen für das Abendessen. Mit dieser Ausbeute kehren wir zufrieden zum Campingplatz zurück.

    Dort schauen wir uns auch das angeschlossene Freibad an, das Campinggästen freien Eintritt bietet. Die gepflegte Anlage und das sonnige Wetter machen einen vielversprechenden Eindruck. Vielleicht wird das in den kommenden Tagen noch ausgiebig genutzt.

    Den Nachmittag verbringen wir mit der hohen Kunst des Nichtstuns. Ein wenig lesen, ein wenig dösen und vor allem die Seele baumeln lassen. Genau das hatten wir uns nach den vielen Kilometern vorgenommen.

    Abends schlägt schließlich die Stunde der Rippchen. Auf unserer gusseisernen Grillplatte dürfen sie gut eine Stunde lang vor sich hin schmurgeln. Das Ergebnis überzeugt auf ganzer Linie: Das Fleisch wird wunderbar zart und löst sich fast von selbst vom Knochen. In archaischer Weise nagen wir die Rippen bis auf den letzten Rest ab und stellen dabei eine sehr unmittelbare Verbindung zu dem Schwein her, das für dieses Abendmahl sein Leben gelassen hat.

    Wohlgesättigt sitzen wir noch lange vor dem Wohnmobil, genießen die milde Abendluft und freuen uns darüber, dass heute ausnahmsweise einmal weder Bären, Passstraßen noch Kontrolllampen unsere Aufmerksamkeit beanspruchen. Manchmal sind die besten Reisetage genau die, an denen eigentlich gar nichts passiert.
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