Gipfelsturm für Untrainierte
June 7 in Austria ⋅ ☁️ 25 °C
Ausgedehnt duschen, lange frühstücken, Radio hören und Kontakt mit der Heimat halten – so verläuft unser entschleunigter Sonntagmorgen. Nach den vielen Kilometern und Erlebnissen der vergangenen Wochen genießen wir es, keinen festen Zeitplan zu haben und den Tag einfach auf uns zukommen zu lassen.
Gegen Mittag machen wir uns auf den Weg zu der hoch über Bad Schwanberg thronenden Kirche und dem dahinterliegenden Aussichtsturm. Durch das sonntäglich verschlafene Städtchen erreichen wir den Beginn des Wanderwegs und starten den Aufstieg.
Untrainiert, wie wir nun einmal sind, fällt es uns nicht ganz leicht, die rund 150 Höhenmeter durch den Wald zu bewältigen. Immerhin erreichen wir unser Ziel schneller, als es die Navigations-App vorhergesagt hat. Das verbuchen wir als sportlichen Erfolg. Rechts und links des Weges stehen sakrale Figuren, die bei strahlendem Sonnenschein friedlich wirken. Bei Nebel oder in der Dämmerung dürften sie jedoch durchaus geeignet sein, Wanderern einen kleinen Schrecken einzujagen.
Bereits an der Josefikirche werden wir mit einem herrlichen Blick über den Ort und die umliegende Landschaft belohnt. Noch beeindruckender wird es wenig später. Über rund hundert Stufen steigen wir auf den stählernen Aussichtsturm hinauf. Von oben eröffnet sich ein weiter Blick über die gesamte Region. Die sanften Hügel der Steiermark ziehen sich bis zum Horizont, und bei den klaren Sichtverhältnissen reicht der Blick weit in Richtung Graz und darüber hinaus.
Für den Abstieg wählen wir die trittsichere Asphaltstraße. Entlang des Weges entdecken wir größere Bestände des Wald-Geißbarts, einer Pflanze, die früher auch für medizinische Zwecke genutzt wurde, unter anderem gegen Gonorrhoe und innere Blutungen, sowie gegen Rheuma und geschwollene Füße. Nach der körperlichen Höchstleistung von 150 Höhenmetern überlegen wir kurz, ob wir zur Ernte schreiten. Wir entscheiden uns dann aber für eine angenehmere Alternative.
Die Gaststätte „Steiereck'n“ am Ortseingang kommt genau zur richtigen Zeit. Mit einem großen Glas Almdudler erholen wir uns von den Strapazen des Gipfelsturms und beobachten das gemütliche Treiben des Sonntagnachmittags.
Frisch gestärkt laufen wir die letzten Meter zurück zum Campingplatz. Dort erwartet uns bereits die warme Nachmittagssonne, die eine sehr überzeugende Einladung zu einem kleinen Schläfchen ausspricht. Diesem Angebot können und wollen wir nicht widerstehen. Schließlich gehört Erholung mittlerweile zum offiziellen Programm unserer Reise.Read more














