Ein neuer Aufbruch nach Westen
October 17 in Germany
☁️ 13 °C
Zehn Jahre.
Zehn Jahre ist es ungefähr her, dass ich schon einmal auf einen Jakobsweg aufgebrochen bin. Damals führte mein Weg hinaus in die Eifel, weiter nach Trier und entlang der Mosel tief nach Frankreich hinein. Die Maas? Die tauchte auf dieser Reise erst viel später auf, bei Vaucouleurs.
Diesmal ist alles anders.
Am Aachener Dom. Ein neuer Ausgangspunkt. Ein neuer Pilgerpass. Wieder ein Rucksack und dieses seltsame Kribbeln, das entsteht, wenn man weiß, dass der Weg vor einem viel größer ist als die paar Kilometer, die man an diesem Tag tatsächlich laufen wird.
Aber diesmal drehe ich dem alten Weg praktisch den Rücken zu.
Statt Eifel geht es nach Westen. Statt Richtung Trier zieht die Via Mosana nach Belgien. Über das Dreiländereck, hinaus aus Deutschland, durch das Herver Land und irgendwann hinunter zur Maas nach Lüttich. Dort werde ich den Fluss diesmal nicht erst nach Wochen treffen, sondern schon nach wenigen Tagen.
Ein neuer Jakobsweg.
Mein zweiter Start.
Und trotzdem fühlt es sich nicht wie eine Wiederholung an.
Vielleicht ist genau das das Faszinierende an diesen Wegen: Santiago liegt irgendwo weit im Südwesten, das Ziel ist theoretisch immer dasselbe – aber man kann aus völlig unterschiedlichen Richtungen darauf zureiten.
Oder laufen.
Wobei „zureiten“ meiner heutigen Stimmung eigentlich deutlich besser entspricht.
Denn innerlich fühlt sich dieser Morgen weniger nach ehrwürdigem mittelalterlichem Pilger an und mehr nach einem verdammt langen Trail durch unbekanntes Land. Der Rucksack sitzt auf dem Rücken, unter den Sohlen wartet der Weg, und irgendwo tief in mir trägt der Pilger heute eindeutig einen breitkrempigen Hut.
Die Via Mosana beginnt für mich in Aachen und führt zunächst hinaus Richtung Ostbelgien. Das erste Tagesziel ist Henri-Chapelle. Noch keine gewaltige Expedition, kein heroischer Marsch bis zum Horizont – sondern genau das richtige Maß, um wieder in diesen ganz eigenen Rhythmus hineinzufinden.
Schritt.
Noch ein Schritt.
Noch einer.
Irgendwann hört das Denken auf, Entfernungen in Kilometern zu messen. Orte werden zu Wegmarken, Kirchtürme zu Orientierungspunkten und eine Bank am Wegesrand plötzlich zu einem ziemlich bedeutenden Stück Infrastruktur.
So jedenfalls habe ich das Pilgern in Erinnerung.
Und ich bin neugierig, ob sich dieses Gefühl nach zehn Jahren sofort wieder einstellt.
Damals war mein Weg Stück für Stück gewachsen: durch die Eifel nach Hellenthal, weiter nach Prüm, über Trier nach Frankreich und irgendwann immer weiter nach Süden. Diesmal beginnt eine neue Linie auf der Landkarte. Aachen – Henri-Chapelle – Herve – Lüttich. Und danach?
Weiter.
Natürlich weiter.
Heute interessiert mich das allerdings noch herzlich wenig.
Heute zählt nur dieser erste Strich auf der neuen Karte.
Der Moment, in dem Aachen langsam hinter mir verschwindet.
Der Moment, in dem aus „Ich möchte irgendwann wieder pilgern“ plötzlich wieder „Ich bin unterwegs“ wird.
Und vielleicht ist das der eigentliche Zauber eines ersten Tages: Man kommt dem großen Ziel noch kaum näher. Aber man überschreitet eine viel wichtigere Grenze.
Die zwischen Alltag und Weg.
Also los.
Rucksack auf.
Blick nach Westen.
Ein bisschen Staub auf die Cowboystiefel.
Und dann machen wir uns auf den Trail.
YEEHAW!Read more




TravelerAuf geht's Cowboy!👍🙋♂️
TravelerIch bin sehr gespannt auf deinen Weg, Buen Camino!
TravelerIch freue mich drauf, wieder mit dir unterwegs zu sein: Via Mosiana, klingt spannend. Buen Camino