Über alte Grenzen und neue Wege
October 17 in Belgium
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Via Mosana – Etappe 1
Aachen – Montzen | ca. 16 km | 17. Oktober 2026
Mit Staub an den Cowboystiefeln auf alten Pilgerwegen
Manchmal braucht es keine große Reise, um ein kleines Abenteuer zu beginnen. Ein Rucksack, ein Paar Cowboystiefel und die Entscheidung, einfach loszugehen, genügen vollkommen. Mein neuer Pilgerweg beginnt am Aachener Dom, von wo aus ich der Via Mosana Richtung Lüttich folge. Irgendwo weit hinter dem Horizont liegt Santiago de Compostela, aber heute soll es erst einmal nach Montzen gehen, einem kleinen Ort im belgischen Herver Land.
Vom Aachener Markt führt mich mein Weg zunächst über die Jakobstraße stadtauswärts. Woher die wohl ihren Namen hat? An der Kirche St. Jakob vorbei verlasse ich bald die offizielle Pilgerroute, denn deren Verlauf bis zum Aachener Wald erscheint mir wenig reizvoll. Stattdessen wähle ich meinen eigenen Weg über den Hangeweiher und durch den Hermann-Löns-Park. Nach und nach weicht das städtische Treiben der Ruhe des Waldes. Zwischen den Bäumen stehen noch immer alte Grenzbefestigungen, stumme Zeugen einer Zeit, in der diese Grenze Menschen trennte. Heute kann ich sie einfach zu Fuß überschreiten. Ein kleines Stück europäischer Freiheit, das man ruhig einmal bewusst wahrnehmen darf.
Auf belgischer Seite erreiche ich Moresnet-Chapelle, einen bedeutenden Marienwallfahrtsort. Besonders eindrucksvoll ist der Kalvarienberg mit seinen monumentalen Kreuzwegstationen, die sich durch die parkartige Anlage ziehen. Ein Ort, der zum Innehalten einlädt und daran erinnert, dass Pilgern weit mehr ist als das bloße Zurücklegen von Kilometern. Natürlich bekommt auch mein Pilgerpass hier seinen ersten belgischen Stempel. Zwar kein ausgesprochener Jakobsstempel, sondern einer der Marienwallfahrt von Moresnet, aber gerade deshalb ein schönes und authentisches Andenken an diesen besonderen Ort.
Wenig später wird die Landschaft von einem ganz anderen Monument beherrscht: dem gewaltigen Eisenbahnviadukt von Moresnet. Hoch über mir spannt sich die mächtige Stahlkonstruktion über das Tal, während ich auf einer wesentlich bescheideneren ehemaligen Bahntrasse unterwegs bin, die heute als Rad- und Wanderweg dient. Solche alten Verkehrswege faszinieren mich immer wieder. Einst für einen ganz anderen Zweck angelegt, bringen sie heute Menschen auf neue Weise durch die Landschaft. Und irgendwie passt das wunderbar zu einem Pilgerweg.
Eigentlich sollte meine erste Etappe bis Henri-Chapelle führen, doch die Unterkunftssuche hatte ihre eigenen Vorstellungen. Ein Hotelzimmer für 120 Euro erschien mir wenig verlockend. Also griff ich zu einer Unterkunftsliste, die ich in Aachen bekommen hatte, und telefonierte ein wenig herum. Schließlich fand ich bei einer älteren, gut Deutsch sprechenden Dame in Montzen ein privates Pilgerquartier, ganz klassisch auf Donativo-Basis. Etwa einen Kilometer abseits des Jakobsweges und noch ein gutes Stück vor Henri-Chapelle. Das bedeutet morgen zwar einige zusätzliche Kilometer, aber genau solche ungeplanten Wendungen gehören schließlich zum Unterwegssein dazu.
Nach ungefähr 16 Kilometern endet damit mein erster Pilgertag. Keine spektakuläre Tagesleistung, sondern ein gemütlicher Auftakt mit viel Geschichte, eindrucksvollen Orten und einem ersten Vorgeschmack auf die Landschaft Belgiens. Die ersten Kilometer der Via Mosana liegen hinter mir, die Cowboystiefel haben ihren ersten Staub gesammelt und der Alltag ist schon ein gutes Stück entfernt.
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TravelerEs macht viel Spaß, von dir zu lesen. ...und es macht Lust, den Rucksack zu packen...
TravelerVielen Dank... Bin keine 30 km von zu Hause und fühle mich so was von weit weg...
TravelerDas kann mir hier nicht passieren. 🤔