• Nachtwache wider Willen

    August 9 in Spain ⋅ ☀️ 29 °C

    Die Nacht war ruhig.
    Bis ungefähr vier Uhr.
    Dann tauchte ein Segelboot auf, fuhr erst einmal eine kleine Ehrenrunde um uns herum und begann anschließend mit der Suche nach einer freien Boje.
    Nachts.

    Unter lautstarken Kommandos der Crew, die problemlos sämtliche umliegenden Boote hätten mitbefolgen können – sofern deren Besatzungen nicht gerade die völlig abwegige Idee verfolgt hätten, um diese Uhrzeit schlafen zu wollen.
    Als inoffizielle Nachtwache der Fopadech hatte ich von meinem Schlafplatz an Deck den besten Blick auf das Geschehen und beobachtete das nächtliche Manöver eine Weile. Irgendwann war die Boje gefunden, das Boot festgemacht und die akustische Großoperation erfolgreich beendet.
    Die Nachtruhe kehrte zurück.
    Für ungefähr zwei Stunden.

    Mit der Morgendämmerung erwachte die Bucht erneut. Die ersten Fischerboote liefen aus, irgendwo begannen Motoren zu brummen, und selbst ein Patrouillenboot der Guardia Civil war zu dieser frühen Stunde bereits unterwegs.
    Ich blieb noch auf meinem Schlafplatz liegen und schaute dem Morgen beim Werden zu.
    Dann schob sich die Sonne langsam über die Hügel und tauchte die Bucht in dieses weiche, freundliche Licht, das selbst Menschen versöhnlich stimmt, die um vier Uhr morgens unfreiwillig an einem Bojenmanöver teilgenommen haben.
    Damit endete die Nachtwache des Wanderwolfs.
    Und ein neuer Tag auf See begann.
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