Von Viana do Castelo nach Vila Praia de Âncora
August 27 in Portugal ⋅ 🌧 19 °C
🌧️ Regen, gelbe Pfeile und eine ziemlich unbeeindruckte Katze
Der heutige Vormittag stand zunächst ganz im Zeichen einer Frage: Wann gehen wir bei diesem Wetter eigentlich los?
Schon am Morgen regnete es in Viana do Castelo kräftig. Deshalb hatten wir beschlossen, uns gegen 08:30 Uhr beim Frühstück zu treffen und dort gemeinsam die Lage zu besprechen. Noch vor dem Frühstück hatten Claudi und ich allerdings etwas zu erledigen – was genau, darf Claudi gerne in einem kleinen Nachtrag zu diesem Tag selbst erzählen. 😉
Beim Frühstück waren wir uns dann schnell einig: Gegen 11:00 Uhr sollte es losgehen. Laut Wettervorhersage bestand zumindest die Hoffnung, dass der Regen dann etwas nachlassen würde. Und tatsächlich – kurz vor elf wurde aus dem kräftigen Regen etwas, das man mit genügend Optimismus als „besser“ bezeichnen konnte.
Also Rucksäcke auf und los.
Unser Weg führte uns zunächst über die Praça da República zur Sé Catedral de Viana do Castelo. Dort holten wir uns einen Pilgerstempel und trugen uns außerdem in ein Buch als Pilgernde ein – ein schöner offizieller Start in die heutige Etappe. Die Kathedrale stammt im Wesentlichen aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts und war ursprünglich die Hauptkirche der Stadt. Erst 1977, mit der Gründung des Bistums Viana do Castelo, wurde sie zur Kathedrale erhoben. (Visit Portugal (https://www.visitportugal.com/en/content/se-cat…))
Danach hieß es wieder: dem gelben Pfeil folgen.
Zunächst reichte bei leichtem Nieselregen noch der Regenschirm. Das änderte sich allerdings bald. Als wir an einem leer stehenden Festzelt vorbeikamen, nutzten wir die Gelegenheit und zogen unsere Regenponchos über. Eine gute Entscheidung, denn der Regen wurde zusehends kräftiger.
Irgendwann war selbst uns das Ganze etwas zu nass und wir stellten uns im Garageneingang eines Privathauses unter. Während wir dort warteten, kamen andere Pilgernde vorbei. Viel gesprochen wurde nicht – aber die Blicke und das gegenseitige Lächeln sagten eigentlich alles: Ja, wir wissen. Ihr seid auch völlig nass. 😄
Als der Regen wieder etwas nachließ, machten wir uns weiter auf den Weg.
Unterwegs begegneten wir einer kleinen schwarz-weißen Katze. Ihr schien das Wetter vollkommen egal zu sein. Während wir in Regenkleidung durch Portugal stapften, saß sie offenbar recht zufrieden da und ließ sich von Claudi ausgiebig streicheln.
Der Camino führte uns anschließend durch schmale Gassen und Wege, teilweise eingerahmt von hohen, alten Steinmauern. Gerade bei diesem feuchten Wetter hatte die Landschaft etwas ganz Besonderes – alles wirkte sattgrün, still und beinahe verwunschen.
Dann erreichten wir die Cascatas do Poço Negro. Mitten im Wald liegt hier eine Reihe kleiner Wasserfälle an der Ribeira do Pêgo. Geologisch sind sie sogar etwas Besonderes: Sie entstanden im Zusammenhang mit früheren Veränderungen des Meeresspiegels und gelten heute als lokales Naturdenkmal des Küsten-Geoparks von Viana do Castelo. In diesem steilen Bachlauf gab es früher zudem mehr als 60 kleine Wassermühlen, von denen heute noch Überreste zu finden sind. (geoparquelitoralviana.pt (https://geoparquelitoralviana.pt/explorar/poço-…))
Bei Sonnenschein ist das sicherlich ein wunderschöner Ort – aber auch im Regen hatte dieses kleine Fleckchen mitten im Wald seinen ganz eigenen Reiz. Vor allem war es eine willkommene Abwechslung zu den vorherigen Kilometern.
Direkt am Abzweig zum Wasserfall führte unser Camino weiter zur Capela da Boa Viagem. Die kleine Kapelle gehört zum historischen Ensemble der Quinta da Boa Viagem in Areosa, das heute als öffentlich geschütztes Kulturgut eingestuft ist. (Imóvel Patrimônio Cultural (https://imovel.patrimoniocultural.gov.pt/detalh…))
Danach ging es weiter durch mehrere kleine Ortschaften. In einem privaten Garten entdeckten wir einige auffällige, komplett rot angemalte Skulpturen. Was sie darstellen sollten oder welche Geschichte dahintersteckte, erschloss sich uns nicht so ganz – aber genau solche merkwürdigen kleinen Entdeckungen gehören inzwischen irgendwie zum Camino dazu.
Und dann geschah etwas Wunderbares: Der Regen hörte auf. Endlich konnten wir die Ponchos wieder ausziehen. Etwa gleichzeitig machte sich allerdings ein anderes, sehr menschliches Bedürfnis bemerkbar. Da kam uns die SIRC in Carreço gerade recht. Die Abkürzung steht für Sociedade de Instrução e Recreio de Carreço, eine bereits 1903 gegründete Kultur- und Freizeitvereinigung des Ortes, in deren Gebäude sich auch ein Café befindet. (sirc.pt (https://www.sirc.pt/?utm_source=chatgpt.com))
Wir machten also Pause – und wenn man schon einmal sitzt, kann man es schließlich auch richtig machen: Kaffee, Sandwiches und eine große Portion Pommes. Danach waren sowohl die dringendsten Bedürfnisse als auch der Hunger erfolgreich erledigt. Gut gestärkt folgten wir wieder unseren gelben Pfeilen.
Der Weg durch Areosa und Carreço gehört zu den ruhigeren Abschnitten des Caminho Português: schmale Wege, alte Steinmauern, kleine Straßen und immer wieder Waldstücke. Genau diese Mischung hatten wir heute unterwegs erlebt. (Wise Pilgrim (https://wisepilgrim.com/en/places/camino-portug…))
Irgendwann überquerten wir schließlich den Rio Âncora und kamen am Moinho da Cegonha, auch Moinho da Ponte da Torre genannt, vorbei. Die alte Mühle stammt aus dem späten 17. Jahrhundert. Solche Mühlen spielten früher eine wichtige Rolle für die Menschen entlang des Rio Âncora, weil hier das Getreide der umliegenden Dörfer gemahlen wurde. Heute ist der Moinho da Cegonha stillgelegt, erinnert aber noch an diese Zeit. (serradarga.pt (https://www.serradarga.pt/wp-content/uploads/20…))
Damit hatten wir Âncora erreicht – und nun war es wirklich nicht mehr weit. Wenig später kamen wir schließlich in Vila Praia de Âncora an und erreichten unsere heutige Unterkunft, das Guest House D’Avenida, direkt am Strand. Einchecken, Rucksäcke abstellen – geschafft!
Danach gingen wir noch einkaufen und kochten uns etwas zu essen. Dazwischen nahmen Claudi und Olaf noch ein erfrischendes Fußbad am sehr schönen Stadtstrand im Atlantik. Aber ganz abgeschlossen war der Tag damit noch nicht.
Am Abend machten wir uns noch einmal auf den Weg hinunter zum Hafen und gingen ein Stück auf die Mole hinaus. Nach all dem Regen am Vormittag, den Ponchos, den Unterständen, der kleinen Katze, Wasserfällen, alten Mauern und vielen gelben Pfeilen konnten wir dort noch einmal aufs Meer schauen.
Und so verabschiedeten wir uns von einem Tag, der ziemlich nass begonnen hatte – und am Ende trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, ein richtig schöner Camino-Tag geworden war.
Nachtrag Claudia:
Nach einer sehr erholsamen Nacht machte ich mich erstmal daran, meinen Rucksack zu packen.... und konnte erst nicht ganz glauben, dass meine Windjacke, die Guido gestern auf der Basilika Santa Luzia geschenkt bekommen hat, nirgends zu finden war. Irgendwann machte sich dann doch das Entsetzen breit. Weg, einfach weg, das kann nicht sein. Sacken lassen und erstmal frühstücken gehen. Lagebesprechung mit Olaf und Guido, auf die einzige Möglichkeit geeinigt und mit Guido in unseren "Alles-fürs-Picknick-Supermarkt" gegangen um dort nachzufragen, ob etwas gefunden worden ist. Man konnte meine Erleichterung im ganzen Laden hören, als mir tatsächlich meine Jacke überreicht worden ist. Welch ein Glücksmoment!!
Der Regen war mir für die nächsten Stunden egal.
Ein weiteres Highlight waren die kleinen Wasserfälle, auch gerade deshalb, weil es aufgrund der vielen Wolken und des leichten Regens sehr mystisch wirkte, ein toller Ort, um die Natur auf sich wirken zu lassen.
Die ganze Etappe bis zu unserem Ziel war sehr schön, da wir immer wieder auf alten, schmalen Wegen an beeindruckenden Gebäuden vorbeigekommen sind. Die heutigen Pfade waren
abwechslungsreich und zum Teil etwas abenteuerlich, herrlich.
Zum Schluss konnten Olaf und ich noch schnell an den Strand, das Wasser war für unsere Füße eine Wohltat.
Lieben Dank an Guido, denn er hat in dieser Zeit für unser leckeres Abendessen gesorgt.
Abgerundet wurde dieser tolle Tag mit einem gemeinsamen Spaziergang am Strand, um unser "Fazit des Tages" vor einem wunderschönen Abendhimmel aufzunehmen.
Spruch des Tages:
ausreden lassen 😉Read more













































Traveler
Hallo Ihr Drei🤗 Mit dem Wetter habt ihr ja Pech🙈 da hatte ich Angst vor Beginn Eurer Wanderung das es zu heiß wird😂 Also eine Sorge weniger. Auch diesmal wieder tolle Bilder und Film . Ich lese und schaue immer Eure Berichte. Geschichtliches seht ihr ja wirklich viel . Claudia ich kann es mir vorstellen Deinen Schreck das was fehlte, bin dann auch aufgeregt, denke aber mal das auf solche Touren das eine oder andere verloren geht, genau wie die eine Pilgermuschel von Olaf. Zum Glück hast Du ja deins wiedergefunden🤗 Ich wünsche Euch weiterhin gut Fuß 🦶 und passt auf Eich auf🤗Kussi 🤗🙋♀️♥️
TravelerIch vermisse die Käfer-Capes😩
Olaf BrandenburgDie gibt es schon lange nicht mehr 😂