Von Valença über Tui nach O Porriño
August 30 in Spain ⋅ ☁️ 23 °C
Von Valença über Tui nach O Porriño – Grenzgang, Weintrauben und tierische Spurensuche
Nach unserer ausgesprochen angenehmen Nacht im WakeUp – São Francisco hieß es heute Abschied nehmen von Valença – und damit zunächst auch von Portugal. Am Morgen begrüßte uns die Sonne zusammen mit Morgennebel. Eine wunderbare und mystische Stimmung.
Noch einmal führte unser Weg durch die mächtige Festungsanlage von Valença, bevor wir die Stadt in Richtung Spanien verließen. Die heutige Gestalt der Fortaleza stammt vor allem aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Mit ihren insgesamt rund fünf Kilometern Festungsmauern bewachte sie über Jahrhunderte die portugiesisch-spanische Grenze am Minho. (visitvalenca.com (https://visitvalenca.com/patrimonio/?utm_source…))
Über die internationale Brücke ging es anschließend über den breiten Minho. Unter uns der Fluss, hinter uns Portugal und vor uns Galicien – ein besonderer Moment, auch wenn sich eine Landesgrenze zu Fuß natürlich deutlich unspektakulärer überquert, als es auf einer Landkarte aussieht.
Auf der spanischen Seite erwartete uns Tui, dessen historische Altstadt schon von Weitem von der mächtigen Kathedrale Santa María überragt wird. Mit ihrer wehrhaften Erscheinung wirkt sie beinahe wie eine weitere Festung. Ihr Bau begann bereits im Jahr 1120, 1225 wurde sie geweiht – damit feiert sie in diesem Jahr tatsächlich ihr 800-jähriges Bestehen. (tui.gal (https://tui.gal/es/turismo/vive-e-conoce/catedr…))
Wir folgten den gelben Pfeilen durch die alten Straßen von Tui und dann langsam wieder hinaus aus der Stadt. In einer Unterführung sahen wir ein Graffiti für Pilgernde von der Stadt Tui mit folgendem Text auf galizisch: „Onde vai aquel peregrino, meu peregrino, onde irá?
Camiño de Compostela, eu sei que alí chegará… BO CAMIÑO E UN DESEXO · CONCELLO DE TUI“ Übersetzung: „Wohin geht jener Pilger, mein Pilger, wohin wird er gehen? Auf dem Weg nach Compostela – ich weiß, dass er dort ankommen wird … Guten Weg und einen Wunsch von der Gemeinde Tui“. 🥰
Unterwegs begegneten uns die ersten galicischen Cruceiros, jene steinernen Wegkreuze, die hier an Straßen, Plätzen und Weggabelungen stehen und Pilgernde seit Jahrhunderten begleiten.
Für die passende musikalische Begrüßung in Galicien sorgte ein Dudelsackspieler. Kaum waren wir in Spanien angekommen, erklang also bereits die typisch galicische Gaita – viel eindeutiger hätte man uns kaum zeigen können, dass nun ein neuer Abschnitt unseres Weges begonnen hatte.
Nach und nach verschwanden die Häuser hinter uns, und der Camino führte uns durch kleinere Orte und hinein in immer grünere Landschaften. Im Parque Forestal de Carboal legten wir eine Pause ein. Es war angenehm ruhig, und nach den Eindrücken von Valença, der Grenzüberquerung und Tui tat es gut, einfach ein wenig zu sitzen und die Umgebung auf uns wirken zu lassen.
Weiter ging es über A Fernal und O Cruceiro, vorbei an weiteren Wegkreuzen und durch kleine galicische Siedlungen. Schließlich erreichten wir die Capela de San Campio in Pontellas. Die schlichte Kapelle steht unmittelbar am Portugiesischen Jakobsweg. Sie wurde 1886 neu errichtet und 1917 mithilfe von Spenden galicischer Auswanderer in Brasilien erweitert. (patrimoniogalego.net (https://patrimoniogalego.net/index.php/51657/20…))
Noch interessanter war in diesem Augenblick allerdings die direkt danebenliegende Bar San Campio. Dort hielten wir an und gönnten uns eine schöne kleine Pause – mit jeweils einem Bier. Man muss schließlich Prioritäten setzen, und ein Pilgertag ohne Pause wäre nur halb so schön.
Von Pontellas aus näherten wir uns langsam Cataboi. Der Weg verlief zunächst an einer kaum befahrenen Straße entlang, rechts und links von viel Wald umgeben. Kleine Schmetterlinge begleiteten uns immer wieder ein Stück, flatterten vor uns über den Weg und sorgten für eine ausgesprochen friedliche Stimmung.
Später wechselten wir auf einen Pilgerweg entlang des Río Louro. Durch ein kleines Wäldchen führte der Weg direkt am Fluss entlang. Dort entdeckten wir einige Weintrauben. Claudi und Olaf konnten natürlich nicht widerstehen und verleibten sich nach eigener Einschätzung gleich mehrere Tonnen davon ein 😋😉 Ich hielt mich hingegen vornehm zurück und stellte fest: „Ich bin der Einzige, der überleben wird.“ 🤣
Olaf war allerdings der Meinung, dass ich ebenfalls Trauben gegessen hätte. Es steht also noch nicht endgültig fest, wer von uns drei morgen früh als Einziger wieder aufsteht.😜
Überhaupt hatten Claudi und Olaf heute ein neues gemeinsames Forschungsgebiet entdeckt: die Hinterlassenschaften der örtlichen Tierwelt. In einem Waldstück identifizierten sie zunächst eindeutig Hundekot und diskutierten anschließend ausführlich darüber, was der betreffende Hund wohl zuvor gefressen haben könnte.
Wenig später wurde die Untersuchung noch anspruchsvoller. Vor uns lag etwas, das vielleicht von einem kleinen Pferd, einem Esel oder einem Pony stammte. Eine endgültige wissenschaftliche Einordnung gelang nicht. Vermutlich wäre dafür eine Laboruntersuchung notwendig gewesen, auf die wir aus Zeitgründen verzichteten.
Besonders schön wurde der Weg dort, wo rechts von uns das Wasser entlanglief und links flache Steinplatten einen trockenen Pfad bildeten. Es war ein stiller, idyllischer Abschnitt, umgeben von Grün, auf dem das Gehen richtig Spaß machte. Solche Wege sind es, die einem später besonders im Gedächtnis bleiben – nicht spektakulär, aber einfach wunderschön.
Schließlich erreichten wir die ersten Häuser von O Porriño. Wir kamen an der öffentlichen Pilgerherberge vorbei und gingen über die Calle de San Andrés weiter hinauf in Richtung Zentrum. Dabei passierten wir auch das Lokal „RESTAURANTE PASO A NIVEL“, in dem Olaf und ich bereits vor sechs Jahren gegessen hatten. Erinnerungen an unseren damaligen Camino wurden wach, während wir überlegten, wo wir heute Abend einkehren könnten.
Unsere Unterkunft, das Ohana y Mahalo Home, lag direkt gegenüber der Touristeninformation und dem markanten Rathaus. Das Rathaus von O Porriño wurde zwischen 1919 und 1924 nach Plänen von Antonio Palacios errichtet, einem der bedeutendsten spanischen Architekten seiner Zeit, der aus O Porriño stammte und seiner Heimatstadt mehrere Gebäude hinterließ. (OporRino (https://oporrino.org/turismo/patrimonio/?utm_so…))
Da bei unserer Ankunft niemand vor Ort war, mussten wir zunächst einen Türcode eingeben und anschließend nach oben gehen. Dort erwartete uns eine wirklich schöne und geräumige Ferienwohnung mit drei Schlafzimmern und einer Küche. Alles wäre nahezu perfekt gewesen, wenn nicht ausgerechnet die Waschmaschine kaputt gewesen wäre. Auf diese Waschmaschine hatten wir große Hoffnungen gesetzt. Unsere Kleidung hatte inzwischen einen Zustand erreicht, bei dem das Wort „frisch“ nur noch mit sehr viel Fantasie verwendet werden konnte. Wir vertrösten uns nun auf morgen, denn unsere nächste Unterkunft in Redondela soll ebenfalls über eine Waschmaschine verfügen.
Bevor wir essen gingen, drehten wir noch eine kleine Runde über den Platz im Zentrum und sahen uns die dortige kleine Kirche an. Danach kehrten wir in dem Lokal „RESTAURANTE PASO A NIVEL“ ein, an dem wir vorhin vorbei gelaufen sind und bekamen eine wirklich hervorragende, hausgemachte Tortilla Española. Keine industriell gefertigte Fertigtortilla, sondern frisch zubereitet und ausgesprochen lecker. Dazu gab es Salat und selbstverständlich Bier.
Vor der kleinen Kirche auf dem Platz nahmen wir anschließend noch unser gemeinsames Tagesfazit für das Videoreisetagebuch auf. Danach ging es endgültig zurück in die Unterkunft.
Nun sind wir müde und etwas erschöpft, aber insgesamt war es ein wirklich schöner Tag. Das Wetter war bestens zum Wandern geeignet: angenehm, nicht zu heiß und immer wieder mit etwas frischem Wind. Auch die Pause in der Bar San Campio hatte uns allen sehr gutgetan.
Die Stimmung ist weiterhin ausgesprochen gut – und uns dreien geht es ebenfalls gut. Nur unsere Wäsche bittet inzwischen dringend um Hilfe 😂
Nachtrag Claudia:
Nun sind wir bereits über eine Woche unterwegs und ich bin immer wieder überrascht, wie schnell sich die Wege, die Umgebung und Natur verändern kann, innerhalb weniger hundert Meter. Wir wandern durch alte, historische Dörfer, an viel befahrenen Straßen entlang und auf einmal ist man umgeben von Ruhe und Stille im Wald. Faszinierend.
Beinen und Füßen geht es super, der Rucksack lässt sich weiterhin prima tragen und meine & unsere Stimmung ist ausgesprochen gut 🥰, ich und wir sind bereit für die nächste Etappe - und Regen ist nicht in Aussicht 😊.Read more














































TravelerTui, das ist doch da, wo man immer die wunderschönen Pauschalreisen buchen kann. Haben die da nen Outlet oder Flagship Store?? 🤣😉
Olaf Brandenburg😂😂😂
TravelerHallo ihr Lieben, das ist auch mal schön ohne Regen zu laufen.🤗 Aber erst mal Willkommen in Spanien🤗 Euer Weg von Portugal nach Spanien war wirklich toll, der Wald nach der Autobahn war ja wirklich toll. Es sah aus wie in einem Märchenwald . Wunderschön anzusehen. Das habe ich direkt im Film miterlebt. Die Aufnahmen waren wieder toll. Ärgerlich das die Waschmaschine kaputt war. Ich hoffe in der nächsten Unterkunft klappt es dann mit dem waschen. Habt nun einen schönen Abend und ruht euch aus. Kussi 💋😘😘🙋♀️