Von O Porriño nach Redondela
August 31 in Spain ⋅ ☀️ 24 °C
Von O Porriño nach Redondela – Viadukte, Pilgerpüppchen und die 3,50-Euro-Regel
Heute Morgen verabschiedete uns O Porriño mit dichtem Nebel. Die Umgebung war zunächst nur schemenhaft zu erkennen, und so liefen wir nach dem Frühstück durch eine beinahe mystische Landschaft den gelben Pfeilen in Richtung Redondela hinterher.
Dabei hielten wir aufmerksam nach dem berühmten Kilometerstein Ausschau, der die letzten 100 Kilometer bis Santiago anzeigen sollte. Wir suchten und suchten – gefunden haben wir ihn allerdings nicht. Entweder stand er besonders gut versteckt, oder der Nebel hatte ihn einfach verschluckt. So mussten wir ohne das eigentlich obligatorische Erinnerungsfoto weiterziehen.
Auf dem Weg fiel uns auf, dass inzwischen deutlich mehr Pilgernde unterwegs waren. Vor uns, hinter uns und manchmal auch neben uns tauchten ständig Rucksäcke und Wanderstöcke auf. Je näher Santiago rückt, desto voller scheint der Camino zu werden. Einige Abschnitte führten leider unmittelbar an stark befahrenen Straßen entlang, sodass die Geräusche der Autos den sonst eher ruhigen Pilgeralltag begleiteten. Dazwischen gab es aber immer wieder angenehmere Wege durch grüne Landschaften und kleinere Ortschaften.
Unsere letzte größere Pause vor Redondela machten wir in Mos. Besonders aufgefallen ist uns dort ein Schriftzug mit dem Namen des Ortes, der geklöppelt an einer Wand befestigt war. Eine ebenso einfache wie hübsche Idee, mit der sich Mos bei uns in Erinnerung brachte. In Mos kauften wir uns alle drei jeweils noch ein Armband im Pilgersouvenirshop 🤗
Dann ging es weiter mit einem Anstieg und durch kleinere Ortschaften.
Gegen 13:30 Uhr erreichten wir schließlich Redondela. Bereits beim Hineinlaufen kamen wir an einem kleinen Geschäft vorbei, in dessen Schaufenster gehäkelte Pilgerpüppchen saßen. Sie waren so niedlich, dass niemand von uns widerstehen konnte. Also kaufte sich jeder ein eigenes Püppchen, das nun an unseren Rucksäcken hängt – direkt neben den Jakobsmuscheln. Unsere kleine Pilgergruppe hat damit offiziell Zuwachs bekommen.
Als wir an der öffentlichen Pilgerherberge vorbeikamen, wartete dort bereits eine lange Schlange von Pilgernden darauf, vielleicht noch eines der begehrten Betten zu ergattern. Direkt in diesem Zusammenhang besuchten wir auch die Iglesia de Santiago de Redondela, eine für den Jakobsweg bedeutende und dem Apostel Jakobus geweihte Kirche. Natürlich holten wir uns dort einen weiteren Stempel für unsere Pilgerpässe – vermutlich bereits den fünften an diesem Tag. Anschließend waren wir wieder einmal sehr froh darüber, dass unsere Unterkunft bereits fest gebucht war.
Nachdem wir an der Haustür geklingelt hatten, wurden wir hineingelassen, fuhren bis in die sechste Etage, gaben den Türcode ein und nahmen unseren Schlüssel entgegen. Dahinter fanden wir drei Schlafzimmer, zwei Badezimmer, zwei Balkone (mit herrlicher Aussicht über die Stadt) und – nicht zu vergessen – eine Waschmaschine. Claudi war angesichts der Auswahl so aufgeregt, als wäre sie bei „Germany’s Next Topmodel“ in die nächste Runde gekommen: Welches Zimmer? Welches Bett? Welche Aussicht? Erst nachdem sie sich entschieden hatte, durften auch Olaf und ich endlich ein Zimmer beziehen 😂
Danach ließen wir die Waschmaschine gleich dreimal arbeiten. Natürlich wuschen wir nicht dreimal die Waschmaschine, sondern unsere Wäsche, die sich während der letzten Etappen zuverlässig angesammelt hatte. Alles wurde anschließend aufgehängt, und wir gönnten uns eine kleine Pause.
Auf dem Weg durch Redondela hatten wir bereits die Igrexa de Santiago besucht und uns dort einen weiteren Pilgerstempel geholt – vermutlich unseren fünften an diesem Tag. Über der Stadt erhoben sich dabei unübersehbar die beiden gewaltigen Eisenbahnviadukte, die Redondela den Beinamen „Stadt der Viadukte“ eingebracht haben.
Der ältere Viadukt, der als Viaducto de Madrid oder auch Viaducto de Ourense bezeichnet wird, wurde 1876 eröffnet. Er ist 318 Meter lang und erreicht eine Höhe von bis zu 36 Metern. Seine Konstruktion besteht aus einem metallenen Mittelteil und seitlichen Abschnitten aus massivem Mauerwerk. Einige Jahre später, 1884, kam der Viaducto de Pontevedra hinzu, der über dem alten Fischerviertel A Esfarrapada verläuft. Beide Brücken überspannen die Häuser der Stadt so eindrucksvoll, dass es stellenweise wirkt, als sei Redondela einfach unter einer Eisenbahnlinie hindurchgebaut worden. Sie erinnern an eine Zeit, in der die Eisenbahn Galicien grundlegend veränderte und Redondela zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt machte.
Nach unserer Pause gingen wir essen. Olaf und ich kannten das pakistanische Restaurant bereits von einem Besuch vor vier Jahren. Dieses Mal gab es Falafel und Salat, und anschließend machten wir noch einen Spaziergang am Wasser.
Dabei gelangten wir auf den Paseo da Portela, dessen hölzerne Stege entlang der Mündung des Río Alvedosa führen. Der rund 1,5 Kilometer lange Weg wurde 2010 angelegt und verbindet das Stadtgebiet mit dem alten Viertel A Portela. Auf der einen Seite begleitet einen der grüne Hang, auf der anderen öffnet sich der Blick in Richtung Meer und Ría de Vigo. Nach den Straßenabschnitten des Vormittags war dieser ruhige Spaziergang über die Holzstege ein besonders schöner Abschluss unserer Wanderung.
Auf dem Rückweg gingen wir noch kurz in einen Froiz-Supermarkt. Wir kauften zwei Flaschen Rotwein, etwas zum Knabbern und machten es uns anschließend auf der Veranda unseres Palastes gemütlich. Wir probierten den Wein, befanden ihn für gut und verbrachten einen fröhlichen Abend mit viel Gelächter.
Nachdem Claudi ebenfalls einen Schluck gekostet hatte, verkündete sie schließlich die wichtigste Erkenntnis des heutigen Tages:
„Hoffentlich habt ihr was gelernt: Wein muss mindestens 3,50 Euro kosten“ 🍷🍷🍷😂
Damit endete ein wirklich schöner Tag – mit Nebel am Morgen, eindrucksvollen Eisenbahnbrücken über den Dächern Redondelas, gehäkeltem Pilgernachwuchs am Rucksack und einer neuen, preislich erstaunlich klar definierten Weinregel.
Nachtrag Claudia:
Was ich persönlich noch sehr interessant fand, war, die ganzen vielen unterschiedlichen Pilgernden auf einmal zu sehen, oft auch in größeren Gruppen, eine Gruppe konnte eine Art "Klassenfahrt" gewesen sein, Familien, Freunde, geführte Gruppen.... Einige hatten richtig viel Spaß, andere (eher die Wander*innen unter 10 Jahren) sahen nicht so begeistert aus. Schöner ist es allerdings, wenn es nicht so überfüllt ist.
Neben den vielen kleinen Highlights des Tages war der gemütliche und lustige Abend auf unserem Balkon einer jener Glücksmomente, an die ich mich lange und gerne erinnern werde. Einfach schön 🥰Read more












































TravelerMal wieder eine sehr schöne Beschreibung. Bei dem Anbick des Viadukts habe ich mich sofort gefragt, fährt da echt noch eine Bahn ? Schon das Foto vermittelt ein OMG Gefühl inklusive weicher Knie. Habt weiterhin eine schöne Wanderung. Vielleicht könnt ihr den mit laufenden Massen entkommen.
Traveler
Mmmmmhhh, die megaleckere Schokolade😋
Traveler🙋♀️Huhu ihr Lieben 🫶 Danke für Euren Bericht und Film.
TravelerHabe ich gerade angeschaut. Sorry das war nicht alles oben. Bin aus Versehen auf senden gekommen. Es ist schön das ihr jetzt besseres Wetter habt. Aber Euer Pilgerweg ist jetzt ganz schön belebt😉 Die Püppchen sind niedlich und die Armbänder sehen toll aus. Euer Quartier ist supi 2 Balkone mit toller Aussicht. Das Tüpfelchen auf dem I ist die Waschmaschine . Hoffe die Wäsche ist trocken geworden🤗 Sicher seid ihr jetzt schon bei der nächsten Unterkunft , Ruht Euch aus und genießt den Abend. ♥️💋