Von Caldas de Reis nach Padrón
September 3 in Spain ⋅ ☀️ 29 °C
Von Caldas de Reis nach Padrón – ein besonderer Morgen, tierische Begegnungen und große Hitze
Unser heutiger Wandertag begann in Caldas de Reis zunächst ganz entspannt. Bevor wir uns auf den Weg machten, frühstückten wir in der Bar Número 2 und stärkten uns für die vor uns liegende Etappe. Unser ursprünglicher Plan sah vor, kurz vor Padrón noch den Weg über Herbón zu nehmen. Doch noch ahnten wir nicht, wie sehr die Hitze unsere Planung später beeinflussen würde.
Nachdem wir Caldas de Reis verlassen hatten, kamen wir an der kleinen Kapelle San Roque und dem dazugehörigen Brunnen vorbei. Solche kleinen Kapellen am Wegesrand gehören für mich zum Jakobsweg genauso dazu wie die großen Kirchen und Kathedralen. Sie wirken oft unscheinbar, waren für frühere Pilgernde aber wichtige Orte zum Innehalten, Beten und manchmal auch zum Auffüllen ihrer Wasservorräte.
Der Morgen entwickelte eine ganz besondere Stimmung. Die Sonne drang zunächst nur vorsichtig durch die Wolken und fiel später durch das dichte Blätterdach der Bäume auf den Weg. Das Licht wechselte ständig zwischen Schatten und warmen Sonnenflecken. Obwohl wieder viele Pilgerinnen und Pilger unterwegs waren, wirkte alles ungewöhnlich ruhig. Fast schien es, als hätten alle gespürt, dass dies gerade ein besonderer Moment war. Gespräche wurden leiser, Schritte langsamer, und für einige Stunden lag über dem Weg eine friedliche, beinahe feierliche Atmosphäre.
Wir genossen diesen wunderschönen Morgen sehr. Der Camino führte uns erneut durch die sattgrüne galicische Landschaft, vorbei an Wiesen, kleinen Ortschaften und immer wieder durch schattige Waldabschnitte. Gerade diese Wälder waren heute ein Geschenk, denn schon früh ließ sich erahnen, dass es ein ausgesprochen heißer Tag werden würde.
Auch tierisch war heute einiges los. Auf den Wiesen sahen wir Rinder und kleine Kälbchen, und an anderer Stelle konnten wir beobachten, wie einige Gänse eine Katze energisch aus ihrem Revier vertrieben. Die Katze hatte offenbar nicht mit einer derart geschlossenen Gegenwehr gerechnet und zog sich lieber zurück.
Später begegneten wir einem kleinen weiß-braunen Hundewelpen. Er war so süß und zutraulich, dass man ihn am liebsten einfach auf den Arm genommen und mit auf den Camino getragen hätte. Aber so verlockend der Gedanke auch war: Der kleine Kerl gehörte natürlich hierher und musste bleiben. Wir gingen also ohne tierischen Neuzugang weiter – auch wenn es schwerfiel.
Unterwegs sorgte auch Claudis dringend notwendige Toilettenpause für eine jener kleinen Geschichten, die auf einer Pilgerreise irgendwann genauso fest zum Tagesgedächtnis gehören wie Kirchen und Landschaften. Irgendwie spielte dabei am Ende sogar noch ein Spiegelei eine Rolle. Der Camino schreibt eben seine ganz eigenen Geschichten.
In O Cruceiro und rund um Carracedo führte der Weg erneut durch schöne Waldstücke. Im Ort Campo erreichten wir die Igrexal de Santa Mariña de Carracedo. Ich erinnerte mich noch daran, dass vor der Kirche früher auffällige Palmen gestanden hatten. Heute bot sich uns ein etwas anderes Bild.
Die Kirche steht unmittelbar am historischen Portugiesischen Jakobsweg. Ihre Ursprünge werden mit einem mittelalterlichen Kloster in Verbindung gebracht, das bereits im 12. Jahrhundert erwähnt wurde. Der heutige Bau wurde später mehrfach verändert und zeigt vor allem barocke Elemente; besonders auffällig ist sein kräftiger, beinahe wehrhaft wirkender Glockenturm. Seit Jahrhunderten kamen Pilgernde hier vorbei und nutzten den Ort zum Ausruhen und Beten. (Galicia Máxica (https://www.galiciamaxica.eu/galicia/pontevedra…))
Später machten wir in der Bar Buen Camino in San Miguel eine Pause. Inzwischen war es schon deutlich wärmer geworden. Wir befanden uns nun im Gebiet von Valga und wollten uns anschließend noch die Igrexa de San Miguel de Valga ansehen. Die kleine neoklassizistische Kirche stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und bildet gemeinsam mit dem angrenzenden Friedhof das Zentrum der kleinen ländlichen Gemeinde. (Gronze (https://www.gronze.com/galicia/pontevedra/san-m…))
Während wir in der Bar saßen, wurde natürlich darüber diskutiert, wie man sich bei diesem geradezu winterlichen Wetter am besten schützen könnte. Olaf dachte darüber nach, sein Jäckchen anzuziehen, Claudi legte vorsichtshalber ihr Halstuch um, und eigentlich hätte nur noch die dicke Bettdecke gefehlt, um sich unterwegs ordentlich zuzudecken. In Wirklichkeit brannte die Sonne inzwischen erbarmungslos vom nahezu wolkenlosen Himmel. Aus dem angenehm warmen Vormittag war ein heißer Mittag geworden, und der Weg bot nun nicht mehr überall den wohltuenden Schatten des Waldes.
Wir durchquerten Pontecesures und gingen über die Brücke, die den Río Ulla überspannt. Der Ulla bildet hier zugleich die Grenze zwischen den Provinzen Pontevedra und A Coruña. Nun war Padrón nicht mehr weit entfernt.
Spätestens auf dieser Brücke trafen wir die endgültige Entscheidung, unseren ursprünglichen Plan zu ändern. Eigentlich hatten wir über Herbón gehen wollen. Dieser Abstecher hätte unsere Etappe jedoch verlängert, und bei inzwischen etwa 31 Grad erschien uns das nicht mehr sinnvoll. Die berühmten Paprikaschoten von Herbón mussten also ohne unseren heutigen Besuch auskommen.
Stattdessen gingen wir auf direktem Weg nach Padrón. Die Entscheidung fiel uns angesichts der Hitze nicht besonders schwer. Unser neues Ziel lautete: möglichst bald ein schattiges Café erreichen, ein Eis essen und vielleicht ein kühles Bier trinken.
Noch vor dem eigentlichen Ortszentrum kehrten wir im Café A Ponte do Peregrino ein. Dort wurden uns praktisch ein Bier und jeweils ein Eis aufgezwungen – wir hatten also gar keine andere Wahl, als beides zu uns zu nehmen. Olaf traf es besonders hart: Er musste sogar noch ein zweites Eis essen.
Unterwegs hatte ich mir außerdem eine handgefertigte Kette gekauft. Kurzzeitig stellte sich allerdings die Frage, wo ich sie eigentlich hingesteckt hatte. Zum Glück tauchte sie wieder auf. Der Camino nimmt einem manchmal zwar Kräfte und Konzentration, aber nicht unbedingt sofort den neu erworbenen Schmuck.
Nach unserer Pause überquerten wir die Brücke nach Padrón und gingen weiter in Richtung Unterkunft. Die Temperatur war inzwischen auf rund 31 Grad gestiegen, später sollten es sogar bis zu 34 Grad werden. Jeder zusätzliche Meter fühlte sich nun deutlich länger an als am Morgen.
Als wir unsere Ferienwohnung erreichten, stand zufällig gerade ein Mann unten an der Tür und verabschiedete seine Familie. Später stellte sich heraus, dass es der Sohn unserer Vermieterin war. Claudi und Olaf fuhren mit dem Aufzug nach oben, während ich die Treppen bis in den vierten Stock nahm.
Oben wurden wir von der Vermieterin und ihrem Sohn sehr freundlich begrüßt. Beide zeigten uns ausführlich die Wohnung, erklärten, wo sich alles befand und wo wir unsere Wäsche waschen konnten. Die Begrüßung war herzlich und unkompliziert, und wir fühlten uns sofort willkommen.
Zunächst duschten wir, ruhten uns aus und ließen die größte Hitze etwas vorbeiziehen. Danach wollten wir uns Padrón natürlich trotzdem noch ansehen. Schließlich ist dieser Ort für die Geschichte des Jakobsweges von ganz besonderer Bedeutung.
Unser wichtigstes Ziel war die Igrexa de Santiago Apóstolo de Padrón. Die heutige Kirche ist ein neoklassizistischer Bau, steht jedoch an einem Ort, an dem sich bereits seit dem Mittelalter Vorgängerbauten befanden. Unter dem Hauptaltar wird der berühmte Pedrón aufbewahrt – ein römischer Altarstein, der vermutlich ursprünglich dem Meeresgott Neptun geweiht war. Von diesem Stein soll sich auch der Name Padrón ableiten. (padron.gal (https://padron.gal/es/component/k2/item/360-pad…))
Anschließend sahen wir uns die Fuente del Carmen an. Der Brunnen wurde ursprünglich im Jahr 1577 errichtet und später umgestaltet. Seine steinernen Darstellungen greifen die Jakobuslegende auf: Zu sehen sind unter anderem die Ankunft des Apostels beziehungsweise seines Leichnams und die Taufe der sagenhaften Königin Lupa. (Padrón Turismo (https://www.padronturismo.gal/en/for-enjoying/c…))
Danach stiegen wir noch zum Convento del Carmen hinauf. Das auf einem felsigen Hang errichtete Kloster stammt aus dem 18. Jahrhundert. Zunächst lebten hier unbeschuhte Karmeliten; nach der Auflösung zahlreicher spanischer Klöster im Zuge der Desamortisation von 1836 wurde es von Dominikanern übernommen. Vom frei zugänglichen Vorplatz hatten wir einen schönen Überblick über Padrón. (Padrón Turismo (https://www.padronturismo.gal/es/disfruta/cultu…))
Padrón und die Geschichte des Apostels Jakobu:
Padrón gilt als eine der Wiegen der jakobinischen Tradition. Dabei muss man klar zwischen historisch belegten Ereignissen und der religiösen Überlieferung unterscheiden.
Historisch überliefert ist, dass Jakobus der Ältere zu den zwölf Aposteln Jesu gehörte. Er war der Sohn des Zebedäus und Bruder des Apostels Johannes. Nach der Apostelgeschichte wurde er unter König Herodes Agrippa I. vermutlich um das Jahr 44 in Jerusalem getötet und gilt als erster Märtyrer unter den Aposteln.
Was danach geschah, gehört zur christlichen Überlieferung: Der Legende zufolge bargen seine Schüler Theodor und Athanasius den Leichnam und brachten ihn mit einem Schiff von Jaffa im Heiligen Land bis an die galicische Küste. Von der Ría de Arousa sollen sie über den Río Ulla bis zum damaligen Hafen von Iria Flavia gelangt sein – in die Gegend des heutigen Padrón.
Dort, so erzählt es die Tradition, befestigten sie das Boot an jenem römischen Altarstein, der heute als Pedrón unter dem Hauptaltar der Kirche von Padrón steht. Aus dem Pedrón wurde im Laufe der Zeit der Ortsname Padrón. (blog.turismo.gal (https://blog.turismo.gal/el-pedron-de-padron-co…))
Von Padrón aus sollen die Schüler den Leichnam des Apostels ins Landesinnere gebracht und schließlich an einem Ort bestattet haben, an dem Jahrhunderte später Santiago de Compostela entstehen sollte. Die Kathedrale von Santiago beschreibt diese Überführung selbst ausdrücklich als Überlieferung; schriftliche Hinweise auf die Verehrung der Gebeine entstanden erst viele Jahrhunderte nach dem angenommenen Tod des Apostels. (catedraldesantiago.es (https://catedraldesantiago.es/la-traslacion-del…))
Damit ist Padrón in der Legende nicht einfach nur eine weitere Station vor Santiago. Padrón ist der Ort, an dem die Geschichte des Apostels in Galicien begonnen haben soll. Für Pilgernde ist es deshalb ein besonderer Gedanke, von hier am folgenden Morgen nach Santiago aufzubrechen und damit symbolisch dem Weg zu folgen, den nach der Überlieferung bereits die sterblichen Überreste des Apostels genommen haben.
Nach unserem Rundgang gingen wir noch in einen Supermarkt und kauften alles für unser Abendessen ein. Zurück in der Unterkunft stellten wir fest, dass es auf der Veranda viel zu heiß war. Die Temperaturen hatten zeitweise etwa 34 Grad erreicht. Deshalb blieben wir lieber in der Küche, kochten, aßen gemeinsam und ließen den Tag noch einmal Revue passieren.
Es war erneut ein wunderschöner Tag. Besonders in Erinnerung bleiben wird mir der Morgen mit seinem weichen Licht, das durch die Wolken und später durch das Blätterdach fiel. Diese ruhige Stimmung hatte mehrere Stunden angehalten. Selbst zwischen den vielen Pilgerinnen und Pilgern entstand das Gefühl, dass alle gerade etwas Besonderes erlebten. Niemand musste viel sagen. Man ging einfach weiter, genoss die Sonne, den Wald und den Augenblick.
Am Abend saßen wir nun in Padrón – dem Ort, an dem nach der Legende einst das Schiff mit dem Apostel ankam. Morgen werden wir nach Santiago de Compostela gehen. Wegen der erneut angekündigten Hitze wissen wir noch nicht genau, wann wir dort eintreffen werden. Vermutlich wird es gegen 16 oder 17 Uhr sein.
Wir wollen auch diese letzte Etappe ruhig angehen, nichts erzwingen und den Tag bewusst erleben. Und dann werden wir hoffentlich entspannt in Santiago ankommen – an dem Ort, auf den all die gelben Pfeile der vergangenen Wochen hingewiesen haben.Read more











































TravelerHallo Ihr Lieben 🤗 das war ja wieder ein langer Bericht mit viel Geschichte. Der kleine Welpe war ja wirklich niedlich🤗 denke ihr musstet euch wirklich zusammenreißen ihn zurückzulassen. Die kleinen Kapellen haben irgendwie ein gewisses Flair 🤗 Das macht das Einfache und nicht viel Prunk. Es war vernünftig den kürzeren Weg bei dieser Hitze zu nehmen. Mich wundert nur das ihr keine Sonnenbrille tragt. Heute ist also Eure letzte Etappe bis zum Ziel. Hoffe es war nicht zu heiß. 🥵 bis dahin gut Fuß 🦶 ich denke an Euch Kussi 💋
Olaf BrandenburgHallo liebe Mama, wir sind heute gut in Santiago de Compostela angekommen. Es war zwar warm und mit ca. 28 km eine etwas anstrengende Etappe aber es war trotzdem gut zu schaffen 😅😘