• Bukarest

    January 6 in Romania ⋅ ☁️ 3 °C

    Unser Stadtspaziergang durch Bukarest macht die Baukultur der Stadt wie in einem Querschnitt sichtbar. Entlang der Route vom Bahnhof Gara de Nord über den Platz der Revolution, den Boulevard Regina Elisabeta bis zum Umfeld des Palasts des Volkes begegnen wir nahezu allen wichtigen Epochen und Brüchen der Stadtentwicklung.

    Auf engem Raum stehen reich verzierte Vorkriegs- und Jugendstilhäuser neben schlichten Wohngebäuden der 1950er- und 1960er-Jahre und den überdimensionierten Monumentalbauten der Ceaușescu-Ära, die ganze Altstadtviertel verdrängt haben.

    Der Abschnitt rund um den Revolutionsplatz verbindet monarchische Repräsentationsarchitektur mit den Spuren der politischen Zäsur von 1989, als hier die Proteste gegen das kommunistische Regime ihren Höhepunkt erreichten.

    Am Boulevard Regina Elisabeta erlebt man den großstädtischen Anspruch der Zwischenkriegszeit, der mit seinen Prachtfassaden an die Ringstraße in Wien erinnert, bevor der Weg weiter in jene Bereiche führt, in denen breite Verkehrsachsen, funktionale Wohnblöcke und der Palast des Volkes die Handschrift des sozialistischen Umbaus nach dem Erdbeben von 1977 tragen.

    Gerade diese Kontraste – zwischen kleinteiligen, historisch gewachsenen Straßenzügen, nüchternem Nachkriegswohnbau und monumentalistisch übersteigerter Staatsarchitektur – machen sichtbar, wie stark politische Ambitionen, Katastrophen und Wiederaufbauprogramme die Baukultur Bukarests geprägt haben.

    Wer diesen Spaziergang geht, liest in den Fassaden nicht nur Stilgeschichte, sondern auch Machtgeschichte: vom „Paris des Ostens“ über die sozialistische Modellstadt bis zur heutigen, vielfach gebrochenen Metropole.
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