• Von Singapur nach Bohol

    March 3 on the Philippines ⋅ ☁️ 26 °C

    Ankunft auf Bohol – Zwischen Chaos, Kulturschock und ersten Eindrücken

    Was für ein aufregender – und gleichzeitig anstrengender – Tag. Während ich die letzten Stunden Revue passieren lasse, sitzen wir inzwischen auf der Fähre von Cebu nach Bohol.
    Dicke Regenwolken hängen tief am Himmel, die vorbeiziehenden Inseln erscheinen nur noch wie dunkle Schatten im fast schwarzen Meer. Die Dieselmotoren stampfen monoton vor sich hin. Die Sitzreihen erinnern an ein Flugzeug – nur deutlich unbequemer, aus einfachem Plastikgeflecht. Noch gut zwei Stunden liegen vor uns.
    Und hinter uns?
    Ein Tag, der um 4:30 Uhr beginnt.
    Das Taxi zum Flughafen Singapur kommt pünktlich um 5:10 Uhr. Geschlafen habe ich kaum – mein innerer Wecker steht noch auf „Nachmittag“. Also vertreibe ich mir die Zeit bis zum Aufstehen mit einem Hörbuch.

    Wenigstens funktioniert die Grab-App perfekt und das vorbestellte Taxi ist pünktlich.
    Am Flughafen dann: Self Check-in am Automaten, Passkontrolle, Sicherheitscheck. Jeder Flughafen ist anders – und ein kleines Chaos entsteht, weil wir unsere Gepäckaufkleber vertauschen. Aber am Ende sitzen wir pünktlich im Flieger nach Cebu. Und bekommen tatsächlich warmes Essen: Reis mit Chicken zum Frühstück.
    In Cebu angekommen, beginnt das nächste Abenteuer.
    Schon beim Gepäck merke ich: Mein Rucksack ist viel zu schwer. Allein bekomme ich ihn kaum aufgesetzt. Draußen schlägt uns die Hitze entgegen – während die Luft in Singapur wie in einem Hallenbad war, fühlt es sich hier an wie vor einem heißen Föhn.
    Mit der Grab-App klappt auch hier alles gut. Doch vorher brauchen wir philippinische Pesos – zum Glück funktioniert meine Kreditkarte wieder.
    Die Fahrt zum Fährhafen ist… ein Kulturschock.
    Ich warte die ganze Zeit auf „die Stadt“ – bis ich begreife: Das hier ist sie. Hütten, Bretterbuden, offene Geschäfte direkt an der Straße. Darüber ein Gewirr aus Stromleitungen, das wie ein riesiges Drahtknäuel am Himmel hängt. Ein deutscher Elektriker würde hier vermutlich Schnappatmung bekommen.
    Motorräder, Tuk-Tuks, hupende Autos – alles bewegt sich gleichzeitig, laut, chaotisch und irgendwie doch funktionierend. Wie ein Ameisenhaufen in Dauerbewegung.
    Am Fährhafen setzt sich das fort: Kaum ausgestiegen, werden wir von Vermittlern umringt. Verhandeln, Feilschen, Stimmengewirr. Während Jan Michel sich darum kümmert, bewachen Clara und ich das Gepäck in der drückenden Hitze.
    Und dann dieser Duft…
    Frisch gebackene Brötchen! Tatsächlich entdecke ich einen kleinen mobilen Ofen, in dem sie gebacken werden. Für ein paar Cents besorge ich uns welche – ein kleiner Moment von Genuss mitten im Trubel.
    Im Terminal geht es weiter mit Kontrollen, Gepäckaufgabe (natürlich gegen extra Gebühr) und sogar einer Terminalgebühr fürs Warten.
    Dann ein skurriler Moment: Ein Mann im weißen Kittel läuft durch die Reihen – ein mobiler Masseur! Er massiert Passagieren den Nacken, sein Zertifikat baumelt sichtbar an der Hose. Dazu spielt eine blinde Band und sammelt Spenden. Diese Mischung aus Improvisation und Alltag ist faszinierend.
    Endlich dürfen wir auf die Fähre.
    Unsere Plätze: Economy Class, tief im Bauch des Schiffes. Kaum legen wir ab, wird es eisig kalt durch die Klimaanlage. Draußen verschlechtert sich das Wetter, dunkle Wolken ziehen auf.
    Es ist bereits dunkel, als wir auf Bohol ankommen.
    Mit dem Taxi geht es weiter nach Panglao, wo wir unser Hotel gebucht haben. Die Fahrt führt durch einfache Wohngebiete – und wieder dieser Kontrast: Unser Hotel liegt scheinbar mitten zwischen Blechhütten und Müll, ist aber selbst sauber, gepflegt und fast schon luxuriös. Ein großer Pool in der Mitte, die Zimmer über drei Etagen darum angeordnet.
    Und trotzdem: Es fehlt etwas. Atmosphäre. Leben. Außer der Rezeption sehen wir kaum Menschen.
    Jan Michel und Clara wollen die Umgebung erkunden, ich brauche erst einmal eine Pause.
    Später fahren wir gemeinsam mit dem Tuk-Tuk zum etwa einen Kilometer entfernten Strand. Dort ist ein modernes kleines Viertel mit Restaurants entstanden. Vom Meer sehen wir im Dunkeln nichts – nur das Rauschen der Wellen ist zu hören.
    Mein Essen? Ein Fehlgriff.
    „Pork Belly“ klang vielversprechend – ich hatte etwas wie kleine Fleischbällchen erwartet. Stattdessen: wabbeliger Schweinebauch. Nicht mein Fall. Aber Pommes und Reis retten den Abend.
    Hungrige, freilaufende Katzen streichen um unsere Beine, Hunde liegen entspannt in der Gegend herum.
    Und irgendwann sind wir einfach nur noch müde.
    Zurück zum Tuk-Tuk. Zurück ins Hotel.
    Und ins Bett.
    🌏 Infos zu Bohol & Panglao
    Bohol gehört zu den vielfältigsten Inseln der Philippinen. Bekannt ist sie vor allem für die berühmten „Chocolate Hills“, kleine Primaten wie den Tarsier und ihre tropische Natur.
    Panglao, die Nachbarinsel, ist touristischer geprägt – mit Stränden, Tauchspots und vielen Hotels.
    👉 Wovon leben die Menschen?
    Landwirtschaft (Reis, Kokosnüsse, Bananen)
    Fischerei
    Tourismus (Hotels, Restaurants, Transport)
    kleine Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe
    👉 Einkommen
    Viele Menschen verdienen im Schnitt nur etwa 200–400 Euro im Monat. Im Tourismus etwas mehr, auf dem Land oft deutlich weniger.
    👉 Infrastruktur
    Straßen oft einfach, teilweise unbefestigt
    Stromleitungen oberirdisch und improvisiert wirkend
    Internet und Mobilfunk vorhanden, aber schwankend
    Transport vor allem mit Tricycles (Tuk-Tuks), Motorrädern und Jeeps
    Diese Mischung aus Einfachheit, Improvisation und Herzlichkeit macht die Philippinen so besonders – aber auch herausfordernd.
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