Von Stolzenau nach Verden
April 29 in Germany ⋅ ☀️ 9 °C
🐧Tag 2 unserer Tour Weserwind und Löwenzahn
Der gestrige Abend klingt noch lange nach.
Ein kleiner Bummel durch den Ort, ein neugieriger Blick auf den Wohnmobilstellplatz an der Weser – erstaunlich gut besucht für einen Dienstag außerhalb der Ferien. Offenbar wissen nicht nur wir, wo es schön ist 😉
Im Hotelrestaurant lassen wir es uns gut gehen. Das Essen ist köstlich, der Wein auch – und plötzlich sitzen wir noch lange da, reden über die Tour über gestern, heute und alles dazwischen. Genau diese Momente sind es, die bleiben.
Die Nacht? Nun ja… sagen wir mal: ausbaufähig 😄
Doch der Morgen macht alles wieder gut.
Sonne blinzelt durchs Fenster, als wolle sie sagen: „Aufstehen, es wartet ein neuer Tag!“
Wir sind die einzigen beim Frühstück. Ein älterer Herr kümmert sich rührend um uns, serviert nicht nur Brötchen, sondern auch Geschichten. Und als Bonus dürfen wir uns sogar Proviant für unterwegs schmieren – wie schön ist das bitte?
Gut gestärkt geht es los – durch Stolzenau zurück an die Weser.
Am Ortsausgang halten wir inne am alten jüdischen Friedhof. Ein stiller Ort. Bewegend. Kein einziger der jüdischen Bewohner Stolzenaus hat die Zeit des Nationalsozialismus überlebt.
In Stolzenau erinnern zudem mehrere Stolpersteine an diese Menschen – kleine Messingplatten im Gehweg, die Namen, Geburts- und Schicksalsdaten tragen. Man geht nicht achtlos daran vorbei. Man bleibt stehen.
Unser Ziel: Nienburg.
Der Weg führt uns immer wieder nah an die Weser, durch frisches Frühlingsgrün, begleitet von zwischendurch etwas. weniger Wind als gestern – ein Geschenk!
Und diese besondere Illusion: Wenn wir Pause machen, ziehen die Schiffe scheinbar lautlos an uns vorbei, als würden sie über die Wiesen gleiten.
Über Landesbergen, Estorf und Leeseringen nähern wir uns Nienburg.
In Landesbergen beobachten wir ein großes Schiff beim Schleusen – ein faszinierendes Schauspiel. Die Mittelweser ist nämlich bis hierhin schiffbar und wird von der Binnenschifffahrt rege genutzt.
Gleich nebenan entdecken wir einen richtig schönen Wohnmobilstellplatz – direkt an der Weser, mit Blick auf das stillgelegte Kraftwerk.
Das Kraftwerk Landesbergen, einst ein Steinkohlekraftwerk, wurde 2018 stillgelegt – geblieben ist ein markanter Zeitzeuge der Industriegeschichte.
Überhaupt: Der Weserradweg ist ein Traum!
Perfekt ausgeschildert, abwechslungsreich und immer wieder mit herrlichen Ausblicken. Mein Navi? Hatte heute quasi frei 😄
In Nienburg haben wir Glück: Wochenmarkt!
Ein bisschen bummeln, schauen, schnuppern – und dann zieht es uns in die Sonne. Cappuccino muss sein ☕
Alle Plätze besetzt – aber wir dürfen uns zu zwei älteren Herrschaften setzen. Die freuen sich so sehr über Gesellschaft, dass sie uns direkt in ein lebendiges Gespräch verwickeln. Als sie gehen, kehrt plötzlich Ruhe ein – und wir genießen das Glockenspiel von Kirche und Rathausturm, die sich fast ein kleines musikalisches Duell liefern.
Weiter geht’s Richtung Schloss Erbhof Thedinghausen – ein wunderschönes Renaissance-Schloss, das wir nur streifen, aber definitiv im Hinterkopf behalten.
Hinter Drakenburg finden wir unseren perfekten Picknickplatz.
Die Brötchen vom Morgen schmecken jetzt doppelt so gut. Vor uns ein alter Fischkutter, Aalreusen im Wasser, ringsum blühende Löwenzahnwiesen – Postkartenidylle pur 🌼
Dann wird’s abenteuerlich:
Mit der Fähre setzen wir über die Weser – und merken erst später, dass wir damit unsere Route verlassen haben. Ergebnis: knapp 20 Kilometer extra 😅
Durch kleine Dörfer, vorbei an roten Backsteinhäusern, erreichen wir schließlich Bücken.
Die Stiftskirche dort beeindruckt mit ihren markanten Doppeltürmen – ein echtes Wahrzeichen der Region.
Doch dann der Dämpfer:
Noch 30 Kilometer bis Verden?! Das sollten doch weniger sein…
Und der Akku? Wird kritisch.
Also: Eco-Modus, Blick auf die Anzeige – und hoffen.
Kurze Pause an der Kirche, tief durchatmen, weiter geht’s. In Hoya gibt es eine tolle Eisdiele und wir machen eine kleine Pause. Und gönnen uns ein leckeres Eis. So sind die Akkus wieder voll und es kann weitergehen.
Die letzten Kilometer ziehen sich.
Wind, Sonne, müde Beine – aber auch diese wunderschöne Landschaft aus Wiesen und Feldern.
Endlich: die Weserbrücke.
Noch 7 Kilometer. Dann die Aller überqueren – und wir rollen erschöpft, aber glücklich in die Altstadt von Verden ein. Statt der geplanten 62 km sind es heute 82 geworden
Im Hotel erwartet uns trotz Baustelle ein herzlicher Empfang.
E-Bikes dürfen im Container laden, wir bekommen ein Getränk aufs Haus – genau das Richtige nach diesem Tag.
Eine Stunde später sitzen wir schon wieder beim Italiener im nahegelegenen Portofino
Gutes Essen, ein Glas Wein, und wieder diese Gespräche…
Aber diesmal siegt die Müdigkeit. Gegen zehn fallen wir ins Bett.
Und wissen:
Morgen wartet schon das nächste Abenteuer. 🚴♀️✨Read more

























Oh wie schön 🤩 [Sabine]